Littler kam, warf und triumphierte – vom Blackpool-Titel will er nichts wissen

Luke Littler hatte gerade eine der besten Partien in der Geschichte des World Matchplay gespielt. Der 19-Jährige eröffnete das Achtelfinale gegen Nathan Aspinall mit einem 9-Darter, warf 14-mal die 180 und setzte sich mit einem Average von 113,68 Punkten mit 11:8 durch. Trotzdem sprach der Titelverteidiger anschließend weniger über die eigene Gala als über seinen Gegner und das gemeinsame Spiel.

Als Aspinall ihn nach dem letzten Dart in den Arm nahm, wirkte der 19-Jährige für einen kurzen Moment wieder erstaunlich jung. Wenige Sekunden zuvor hatte er den Empress Ballroom noch mit einer nahezu historischen Leistung beherrscht. Im Interview ordnete er das Geschehen jedoch beinahe beiläufig ein.

„Als ich hinter der Bühne geübt habe, habe ich gut gespielt. Aber der Neun-Darter ist einfach passiert!“, sagte er gegenüber der PDC. Ein perfektes Leg auf einer der größten Bühnen des Dartsports – für „The Nuke“ klang es fast wie etwas, das sich ohne große Vorwarnung ergeben hatte.

Tatsächlich war es bereits sein zweiter 9-Darter beim World Matchplay. Den ersten hatte der Engländer im Halbfinale 2025 gegen Josh Rock geworfen. Damit zog der Engländer in der Turnierhistorie mit Phil Taylor gleich. Zudem bedeuteten seine 113,68 Punkte den zweithöchsten Average, der jemals beim World Matchplay gespielt wurde. Nur Taylor lag 2010 mit 114,99 Punkten noch darüber.

„The Nuke“ rückt Aspinall in den Mittelpunkt

Littler selbst interessierte sich nach dem Sieg allerdings nicht nur für die eigene Zahl. „Ich habe die Durchschnittswerte dort gesehen, 113 für mich, 101 für Nathan. Ich dachte, Nathans Durchschnitt würde ein bisschen besser sein!“, erklärte der Weltranglistenerste.

Dass Aspinalls Leistung für ihn während der Partie noch stärker wirkte, passte zum Verlauf. „The Asp“ ließ sich vom perfekten ersten Leg und Littlers hohem Tempo nicht abschütteln. Er kämpfte sich zum 7:7 zurück und checkte beim Stand von 7:10 nach einem vergebenen Matchdart seines Gegners noch 170 Punkte. Der 19-Jährige sagte später, er habe nach seinem Fehlwurf auf der Doppel-5 bereits damit gerechnet, dass Aspinall den „Big Fish“ ausmachen werde.

Statt ausschließlich die eigene historische Vorstellung hervorzuheben, sprach Luke Littler vor allem über die Qualität des Duells. „Es fühlte sich erstaunlich an. Das war wahrscheinlich das beste Spiel, das ich und Nathan gegeneinander gespielt haben“, sagte der Titelverteidiger.

Noch deutlicher wurde seine Haltung in einem weiteren Satz: „Ich bin einfach froh, an einem so tollen Spiel teilzunehmen.“ Gerade diese Aussagen zeigen den Kontrast dieses Abends. Auf der Bühne wirkte Littler beinahe unantastbar, im Gespräch danach stellte er jedoch Aspinall und die gemeinsame Leistung in den Mittelpunkt. Während die Dartswelt über Rekorde, den Neun-Darter und den nächsten Titel spricht, behandelte der 19-Jährige seinen eigenen Anteil fast wie eine Nebensache.

Auch bei der Frage nach dem weiteren Turnierverlauf trat Littler auf die Bremse. „Man kann die Trophäe nie in die Hände von jemandem legen, egal in welcher Runde“, machte er im PDC-Gespräch deutlich. Aspinall habe erneut bewiesen, dass ein Spiel gegen ihn niemals frühzeitig entschieden sei.

Im Viertelfinale wartet nun Josh Rock. Der Nordire setzte sich mit 11:6 gegen Stephen Bunting durch und trifft damit erneut auf Littler. Im Halbfinale des vergangenen Jahres hatte Rock bereits mit 5:0 geführt, bevor der spätere Turniersieger das Match noch drehte und mit 17:14 gewann.

Littler geht nach seiner Gala erneut als Favorit auf die Bühne. Vom Blackpool-Titel will er trotzdem noch nichts wissen. Er kam, warf und triumphierte – und überließ die großen Worte anschließend lieber anderen.

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