Nathan Aspinall warnt junge Dartspieler davor, sich am außergewöhnlichen Erfolg von Luke Littler zu messen. Der zweimalige Major-Sieger befürchtet, dass überhöhte Erwartungen Nachwuchstalente unnötig unter Druck setzen und Schwierigkeiten beim Dartwurf begünstigen könnten. Besonders besorgt zeigt sich der 35-Jährige über Berichte von Kindern, die bereits im Alter von zwölf Jahren mit Dartitis zu kämpfen haben.
Im Gespräch mit dem Wettanbieter 247Bet erklärte „The Asp“, dass er bei Showveranstaltungen regelmäßig von Eltern um Rat gebeten werde. Der Engländer hat selbst Erfahrungen mit Dartitis gemacht und weiß, wie stark Schwierigkeiten beim Abwurf das eigene Spiel beeinträchtigen können. „Ich glaube, das Problem ist, dass sie alle der nächste Luke Littler werden wollen. Aber die Realität ist, dass es nur einen Luke Littler gibt“, erklärte Aspinall. Junge Spieler sollten vor allem Freude am Dartsport haben und sich nicht zu früh unter Erfolgsdruck setzen. Wer über das nötige Talent verfüge, könne sich auch ohne ständige Vergleiche mit anderen weiterentwickeln.
Littlers außergewöhnlicher Aufstieg hat die Aufmerksamkeit für junge Dartspieler verstärkt. Der Engländer gewann Anfang 2025 im Alter von 17 Jahren und 347 Tagen als jüngster Spieler der Geschichte die PDC-Weltmeisterschaft. Seit seinem Durchbruch bei der WM 2024 hat er zahlreiche weitere große Titel gewonnen und sich an der Weltspitze etabliert.
Für Aspinall ist dieser schnelle Erfolg allerdings kein realistischer Maßstab für jedes Nachwuchstalent. Während Littler bereits als Teenager regelmäßig die besten Spieler der Welt besiegte, benötigen andere Talente oft mehrere Jahre, um sich sportlich weiterzuentwickeln. Unterschiedliche Karriereverläufe gehören auch im Dartsport zum normalen Entwicklungsprozess.
Hinzu kommt, dass junge Spieler neben Training und Wettkämpfen häufig noch schulische Verpflichtungen haben. Eine erfolgreiche Nachwuchsförderung sollte deshalb nicht allein an kurzfristigen Ergebnissen gemessen werden, sondern auch Raum für individuelle Fortschritte lassen. Der außergewöhnliche Karriereweg eines einzelnen Spielers lässt sich nicht beliebig wiederholen.
Dartitis beschäftigt Aspinall auch bei jungen Spielern
Besonders nachdenklich stimmen Aspinall die Fragen, mit denen er während seiner öffentlichen Auftritte konfrontiert wird. Immer wieder berichten ihm Eltern von Schwierigkeiten ihrer Kinder beim Werfen. Dass solche Probleme teilweise bereits in jungen Jahren auftreten, überrascht den Profi. „Die häufigste Frage, die ich bei einer Exhibition gestellt bekomme, lautet ungefähr: Mein Kind hat Dartitis. Hast du einen Rat? Dann frage ich, wie alt das Kind ist. Zwölf. Was?“, berichtete Aspinall.
Dartitis bezeichnet Schwierigkeiten bei der Ausführung des gewohnten Dartwurfs, insbesondere beim Loslassen des Pfeils. Betroffene können Verzögerungen oder unwillkürliche Blockaden während der Wurfbewegung erleben. Das Erscheinungsbild kann mit psychischen und bewegungsbezogenen Faktoren zusammenhängen. Welche Ursachen im Einzelfall verantwortlich sind, lässt sich jedoch nicht pauschal bestimmen.
Auch Aspinall kennt solche Probleme aus eigener Erfahrung. Bei ihm äußerten sie sich unter anderem dadurch, dass er seine Wurfbewegung zeitweise unterbrechen musste. Um besser damit umzugehen, arbeitet er mit einem Sportpsychologen zusammen und setzt auf Atemübungen.
Seine eigenen Schwierigkeiten verbindet der zweimalige Major-Sieger mit verschiedenen Belastungen außerhalb des Sports. „Ich hatte es wegen des Stresses durch die Hypothek, die Familie und Probleme mit den Kindern. Es gab so viele Gründe, weshalb ich betroffen war. Aber worüber muss man sich mit zwölf Jahren Sorgen machen?“, fragte Aspinall.
Allerdings lässt sich aus den von Aspinall geschilderten Gesprächen weder ableiten, wie häufig Dartitis bei Kindern tatsächlich auftritt, noch ob überhöhte Erwartungen oder der Erfolg einzelner Profis dafür verantwortlich sind.
Aspinalls Botschaft an den Nachwuchs ist deshalb vor allem ein Appell zu einem entspannteren Umgang mit sportlichen Zielen. Junge Dartspieler sollen ihre Fähigkeiten entwickeln können, ohne ständig unter dem Druck außergewöhnlicher Vorbilder zu stehen. Entscheidend sei, dass die Freude am Spiel erhalten bleibt und jeder Spieler seinen eigenen Weg findet.










