James Wade: Ist Phil Taylor langlebiger?

James Wade erreichte 2006 bei seinem Debüt das Finale des World Matchplay. Zwanzig Jahre später spielt „The Machine“ noch immer um große Titel. Beim World Grand Prix 2026 unterlag der 43-Jährige im Halbfinale dem späteren Sieger Luke Humphries mit 3:5. Die aktuelle Nummer sechs der PDC-Weltrangliste sieht sich bei der Langlebigkeit im Darts hinter Phil Taylor auf Rang zwei der Geschichte. Ex-Profi Paul Nicholson stimmt grundsätzlich zu, hält Gary Anderson aber für einen ernsthaften Konkurrenten.

In seiner Kolumne für *Sporting Life* schrieb der Australier: „James Wade mag gesagt haben, er stehe auf dieser Liste mit großem Abstand an zweiter Stelle. Doch wenn man sich Gary Andersons Karriere ansieht, ist es viel enger.“ Dabei geht es nicht allein um die größten Titel, sondern darum, wie lange ein Spieler auf höchstem Niveau erfolgreich bleibt.

Der Linkshänder aus Aldershot gewann elf PDC-Major-Titel. Schon 2007 triumphierte er beim World Matchplay und World Grand Prix, seinen bislang letzten Major-Erfolg feierte er 2021 bei den UK Open. Bei den UK Open 2025 und 2026 sowie beim World Matchplay 2025 erreichte er weitere Endspiele, musste sich jedoch dreimal Luke Littler geschlagen geben.

Anderson besitzt acht Major-Titel, darunter die Weltmeisterschaften 2015 und 2016. Der Schotte gewann damit den wichtigsten Titel im Darts gleich zweimal, während der Engländer bislang nicht einmal ein WM-Finale erreichte. Wer die größten Einzelerfolge höher gewichtet, kann den zweimaligen Weltmeister durchaus vorne sehen.

Nicholson schrieb über den 43-Jährigen: „Er ist ‚erst‘ 43, und trotzdem fühlt es sich an, als wäre er schon immer dabei. Beim World Matchplay 2006 schaffte er bei seinem Debüt sofort den Finaleinzug. Seitdem hat er elf Major-Titel in drei verschiedenen Jahrzehnten gewonnen – die viertbeste Bilanz aller Zeiten.“

Warum Nicholson Wade knapp vor Anderson sieht

Die größten Major-Erfolge des Schotten konzentrierten sich auf die Jahre 2011 bis 2018. Doch auch mit 55 Jahren ist der Weltranglistenzehnte konkurrenzfähig: Bei der WM 2026 erreichte er das Halbfinale, im August stand er im Endspiel der Hungarian Darts Trophy. Dort verlor er mit 2:8 gegen Ross Smith. Sein bislang letztes Major-Finale erreichte er bei der Weltmeisterschaft 2021.

Auch vor seinem PDC-Wechsel 2009 sorgte Anderson für Schlagzeilen. Bereits 2007 besiegte er Phil Taylor im Finale der World Darts Trophy mit 7:3. Seine lange Karriere ist damit keineswegs nur ein Argument für den englischen Konkurrenten. Ein bemerkenswertes Detail aus der Kolumne: Beide Routiniers standen sich bereits 68-mal gegenüber. Zusammen erreichten sie 50 PDC-Major-Finals, trafen dabei aber nie direkt in einem Endspiel aufeinander. Zuletzt standen sich beide 2016 im Finale eines Qualifikationsturniers für die UK Open gegenüber.

Der Australier gewichtet dennoch die zeitliche Verteilung der Major-Erfolge stärker. Er schreibt: „Natürlich hat er zwei Weltmeistertitel gewonnen, Wade dagegen keinen. Dafür hat er insgesamt drei Major-Titel weniger, und seine Titel stammen aus einem kürzeren Zeitraum. Deshalb gebe ich James den leichten Vorzug.“

Auch 2026 unterstrich Wade seine Beständigkeit. Im Februar gewann er Players Championship 1 gegen Nathan Aspinall. Im August holte er bei den Australian Darts Masters durch ein 8:5 gegen Brody Klinge seinen ersten World-Series-Titel. Im September folgte ein 8:4-Finalsieg über Ross Smith bei der Flanders Darts Trophy – sein erster European-Tour-Triumph seit zehn Jahren.

Wades Finalbilanz – und der fehlende WM-Titel

Auch die Namen seiner Finalgegner erzählen von einer langen Karriere. Von 18 verlorenen Major-Endspielen gingen nach Nicholsons Aufstellung sieben gegen Phil Taylor, vier gegen Michael van Gerwen und drei gegen Luke Littler verloren. Mehrere Spielergenerationen lang kämpfte der Engländer damit um die wichtigsten Titel.

Eine entscheidende Lücke bleibt: die PDC-Weltmeisterschaft. Nicholson hatte öffentlich bezweifelt, dass der Routinier diesen Titel noch gewinnen könne. Inzwischen schreibt er bei *Sporting Life*:  „Und das dürfen wir nicht vergessen: Seine Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Ich habe öffentlich gesagt, dass ich nicht glaube, dass er Weltmeister wird. Doch jetzt beginne ich, meine eigenen Worte zurückzunehmen, denn bei der kommenden WM gehört er für mich zu den Favoriten.“

Ob Wade hinter dem 16-maligen Weltmeister Taylor tatsächlich auf Rang zwei der Langlebigkeitsdebatte gehört, bleibt Ansichtssache. Andersons zwei WM-Titel und die Erfolge des Engländers über drei Jahrzehnte sprechen für unterschiedliche Maßstäbe. Seine Karriere ist jedenfalls noch nicht zu Ende – das erste WM-Finale steht weiterhin aus.

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