Joe Cullen hat offen darüber gesprochen, wie der Tod seiner Mutter seinen Blick auf den Dartsport veränderte. Pam Cullen starb im Oktober 2021 im Alter von 56 Jahren an Lungenkrebs. Nur wenige Tage später sollte ihr Sohn bei der European Darts Championship antreten.
Der 37-Jährige wollte das Turnier zunächst absagen. Unmittelbar nach dem Tod seiner Mutter informierte er seinen Manager Jason und erklärte ihm, dass er nicht nach Österreich reisen werde. Sein Manager habe diese Entscheidung ohne Zögern akzeptiert.
Wenig später änderte er seine Meinung. Zu Hause zu bleiben hätte bedeutet, ständig über den Verlust nachzudenken. Die Teilnahme an dem Turnier bot ihm zumindest die Möglichkeit, beschäftigt zu bleiben und seinen Gedanken zeitweise zu entkommen. „Wenn man allein ist, treffen einen diese Dinge natürlich noch härter“, erklärte Joe Cullen im Podcast Tops and Tales. Deshalb entschied sich der Engländer schließlich doch für die Reise zur European Darts Championship.
Cullen spielte bei der European Championship „wie auf Autopilot“
Sportlich erreichte „The Rockstar“ bei dem Turnier das Halbfinale. Dort unterlag er dem späteren Titelgewinner Rob Cross deutlich mit 3:11. An seine eigenen Leistungen könne er sich rückblickend jedoch nur eingeschränkt erinnern.
„Ich erreichte das Halbfinale und spielte einfach wie auf Autopilot, weil es mir egal war, ob ich verlor“, sagte er. Durch den Tod seiner Mutter sei das Ergebnis eines Dartmatches plötzlich völlig unbedeutend geworden. Er habe weder Angst vor einer Niederlage verspürt noch sich selbst unter sportlichen Druck gesetzt.
Wenige Monate später folgte der bis heute größte Erfolg seiner Karriere. Beim Masters 2022 besiegte der 37-Jährige im Viertelfinale Michael van Gerwen und anschließend José de Sousa. Im Endspiel setzte sich „The Rockstar“ mit 11:9 gegen Dave Chisnall durch und gewann seinen ersten großen PDC-Titel vor laufenden TV-Kameras.
Er glaubt, dass seine veränderte Einstellung einen entscheidenden Anteil an diesem Triumph hatte. „Ich denke, dass ich deshalb das Masters gewonnen habe. Es war mir egal, gegen wen ich spielte oder wie ich spielte. Ich hatte einfach diese unbeschwerte Haltung“, erklärte der Engländer.
Der Erfolg blieb dennoch eng mit der Trauer um seine Mutter verbunden. Unmittelbar nach dem Finale widmete der Engländer ihr den Titel. Sein Vater kam zu ihm auf die Bühne und feierte den emotionalen Moment gemeinsam mit seinem Sohn. Er erinnerte sich im Podcast vor allem daran, seinen Vater mit dem Ellenbogen angestoßen zu haben. Viele andere Einzelheiten des Abends seien ihm dagegen kaum noch präsent. Bereits nach seinem Masters-Sieg hatte er erklärt, dass er seine Mutter gern bei diesem Moment dabeigehabt hätte. Das Leben sei jedoch nicht immer gerecht. Der Titel sei deshalb für sie gewesen.
Joe Cullen beschreibt die Monate nach dem Verlust nicht als einfache oder heilende Zeit. Seine Aussagen zeigen vielmehr, wie stark sich persönliche Schicksalsschläge auf die Bedeutung des Sports auswirken können. Siege und Niederlagen rückten vorübergehend in den Hintergrund. Ausgerechnet diese fehlende Angst vor dem Scheitern ermöglichte ihm am Oche eine Freiheit, die ihn schließlich zum größten Erfolg seiner bisherigen Karriere führte.










