Gian van Veen: „Ich spiele aktuell nicht wie die Nummer drei der Welt“

Gian van Veen startet mit einer bemerkenswert ehrlichen Selbsteinschätzung in das World Matchplay 2026. Vor seinem Auftakt gegen Krzysztof Ratajski räumt der Niederländer ein, dass seine derzeitigen Leistungen nicht zu seiner Position in der Weltspitze passen. Das Duell in Blackpool wird damit zum ersten Gradmesser nach schwierigen Monaten.

Die hohen Erwartungen hat sich Van Veen mit außergewöhnlichen Ergebnissen erarbeitet. Im vergangenen Herbst gewann er die European Championship, anschließend erreichte er das Finale der Weltmeisterschaft. Diese Erfolge brachten ihn bis auf Rang drei der PDC Order of Merit und machten aus dem gefährlichen Außenseiter einen der Mitfavoriten auf große Titel.

Van Veen selbst bewertet seine Weltranglistenposition jedoch zurückhaltend. Auch einen möglichen Sprung auf Rang zwei will er nicht überbewerten. Dieser würde aus seiner Sicht nicht automatisch bedeuten, dass er derzeit tatsächlich der zweitbeste Spieler der Welt ist. „Ganz ehrlich: Ich spiele aktuell nicht wie die Nummer drei der Welt. […] Ich werde mich weiter auf mein eigenes Spiel konzentrieren und bin sehr glücklich über meinen Aufstieg in den vergangenen zwölf Monaten. Ich hätte wahrscheinlich nie erwartet, dass es so schnell geht“, sagte der 24-Jährige im Gespräch mit der PDC.

Bei seiner vergangenen Teilnahme in Blackpool besiegte Van Veen zunächst den damaligen Titelverteidiger Luke Humphries und anschließend Danny Noppert. Erst im Viertelfinale wurde er von James Wade gestoppt. Die damaligen Erfolge zeigten, dass Van Veen mit der besonderen Atmosphäre im Winter Gardens und dem längeren Matchformat umgehen kann. Nun kehrt er zu seiner dritten Teilnahme nach Blackpool zurück.

Gesundheitsprobleme sollen keine Ausrede mehr sein

Seine Saison begann vielversprechend. Bei seinem Debüt in der Premier League erreichte Gian van Veen an drei der ersten vier Spieltage das Finale. Im März wurde sein Lauf jedoch durch Nierensteine und die damit verbundenen gesundheitlichen Beschwerden ausgebremst. Diese Probleme möchte der 24-Jährige nicht länger als Erklärung für schwächere Ergebnisse gelten lassen. „Ich bin damit durch, die Nierensteine als Ausrede zu benutzen. Ich bin vollständig genesen, deshalb geht es nicht um gesundheitliche Probleme. Ich denke, es liegt einfach am vollen Terminkalender: Man spielt mehr, verliert mehr Spiele und dadurch sinkt das Selbstvertrauen“, fügt „The Giant“ im PDC-Interview hinzu.

An seinen grundsätzlichen Fähigkeiten habe sich nach eigener Einschätzung nichts verändert. Verändert hätten sich vielmehr die Belastung durch den Turnierkalender und die Erwartungen, die mit seiner neuen Position in der Weltspitze verbunden sind. Mehr Turniere bedeuten zusätzliche Chancen, gleichzeitig aber auch mehr Niederlagen und weniger Zeit, um schwierige Phasen zu verarbeiten.

Duell mit Ratajski wird zum Test für Van Veen

Dieser veränderte Erwartungsdruck zeigt sich besonders vor dem Auftakt gegen Krzysztof Ratajski. Während eine Niederlage gegen den erfahrenen Polen früher kaum überrascht hätte, wird von Van Veen inzwischen beinahe selbstverständlich ein Sieg verlangt. „Ich bin nicht mehr die Nummer 20 der Welt, sondern die Nummer drei. Wenn ich jetzt gegen Krzysztof Ratajski spiele, erwartet jeder, dass ich diese Partie gewinne. Dieses Jahr war ein großer Lernprozess, aber mittlerweile gehe ich viel besser mit diesen Erwartungen um als noch vor einigen Wochen“, so der Niederländer.

Nach eigener Einschätzung haben sich auch seine Leistungen zuletzt wieder verbessert. Van Veen sieht darin ein Zeichen, dass seine Entwicklung erneut in die richtige Richtung geht. Das Match gegen Ratajski wird zeigen, wie stabil dieser Aufwärtstrend bereits ist. Die Partie ist das dritte Spiel der Abendsession am Sonntag und wird voraussichtlich gegen 22:15 Uhr deutscher Zeit beginnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert