Gerwyn Price hat eigentlich gerade gezeigt, dass seine Klasse weiter da ist. Der Waliser gewann in Sindelfingen den European Darts Grand Prix und sicherte sich damit seinen zehnten Titel auf der European Tour. Doch ausgerechnet in der Premier League läuft es für den ehemaligen Weltmeister weiter nicht rund.
Nach seiner Erstrunden-Niederlage in Liverpool gegen Gian van Veen machte Price seinem Ärger auf Instagram Luft. „Das ist so frustrierend. Zwei Schritte vorwärts, um dann in der Premier League Darts wieder zwanzig zurückzugehen“, schrieb er. Zugleich machte Price klar, dass sich sein Ärger nicht gegen das Publikum richtete. „Die Unterstützung war zum Glück wie immer fantastisch. Vielen Dank an euch alle“, schrieb er weiter. Diese Reaktion wirkt nicht wie fehlendes Selbstvertrauen, sondern wie der Frust eines Spielers, der den Widerspruch selbst spürt: Auf der European Tour gewinnt er Titel, in der Premier League sucht er nach Stabilität.
European-Tour-Titel löst nicht alle Fragen
Der Triumph in Sindelfingen war sportlich stark. Price gewann nicht nur ein weiteres European-Tour-Event, sondern erreichte mit seinem zehnten Titel auf dieser Bühne auch eine besondere Marke. Nur wenige Spieler haben auf der European Tour über Jahre eine solche Konstanz gezeigt.
Gerade deshalb wirkt der Kontrast zur Premier League so auffällig. Dort verlor Price zuletzt dreimal nacheinander direkt zum Auftakt: in Rotterdam gegen Luke Littler, in Brighton gegen Josh Rock und in Liverpool gegen Gian van Veen. Für einen Spieler mit seinem Anspruch ist das mehr als eine kurze Delle.
Price hat kein Qualitätsproblem. Er hat aktuell ein Premier-League-Problem. Sindelfingen spricht klar dagegen, dass seine Form grundsätzlich weg wäre. Die Frage ist eher, warum er sein Niveau nicht zuverlässig in die wöchentlichen Premier-League-Abende übertragen kann. Genau diese Diskrepanz macht seine aktuelle Situation so interessant.
Premier League verlangt anderen Rhythmus
Die Premier League ist kein normales Turnier. Jede Woche wartet ein kurzer, intensiver Abend mit starker Bühne, viel Publikum und wenig Zeit, sich in ein Event hineinzuspielen. Wer direkt im Viertelfinale nicht da ist, ist sofort raus. Genau dieses Format verzeiht aktuelle Startprobleme kaum. Für Spieler wie Price, die stark über Energie, Emotionen und Kontrolle kommen, kann dieser Rhythmus besonders empfindlich sein. Ein schwacher Beginn lässt sich nicht über mehrere Runden reparieren. Es gibt keine lange Turnierstrecke, um sich Schritt für Schritt freizuspielen. Ein Auftaktmatch entscheidet sofort, ob der Abend weitergeht oder beendet ist.
Aktuell liegt der Waliser trotz seiner Probleme weiter auf Rang drei der Tabelle. Das zeigt, wie gut sein Start in die Premier-League-Saison war. Gleichzeitig wächst der Druck, weil die jüngsten Abende kaum Punkte brachten und die Konkurrenz hinter ihm näher rücken kann. Während Littler Liverpool als Bühne nutzte, wirkte Price in den vergangenen Wochen eher wie ein Spieler, der den Premier-League-Rhythmus neu greifen muss. Das muss keine Krise sein, aber es ist ein Warnsignal.
Warum „The Iceman“ trotzdem gefährlich bleibt
„The Iceman“ bleibt gefährlich, gerade weil seine Form nicht grundsätzlich weg ist. Wer kurz zuvor ein European-Tour-Turnier gewinnt, hat keine Qualitätsfrage. Es geht eher um den Zugriff auf das eigene Spiel im richtigen Moment. Für die kommenden Premier-League-Abende wird deshalb entscheidend, ob Price den Sindelfingen-Schwung in dieses Format mitnehmen kann. Ein starker Turniersieg hilft nur begrenzt, wenn am Donnerstagabend wieder ein einzelnes Auftaktmatch über den gesamten Abend entscheidet.
Der Waliser muss nicht beweisen, dass er noch Turniere gewinnen kann. Das hat Sindelfingen gezeigt. Er muss beweisen, dass er seine Energie wieder in den engen Premier-League-Rhythmus bekommt. Genau dort entscheidet sich, ob der Titel nur ein Ausreißer bleibt – oder ob daraus wieder echte Stabilität wird.







