Gerwyn Price will den „alten Iceman“ zurück

Gerwyn Price ohne laute Jubelschreie und energische Faustschläge? Über viele Jahre war das kaum vorstellbar. Die Emotionen des früheren Weltmeisters gehörten zu seinen Auftritten wie die Darts in seiner Hand – auch wenn ihm sein Auftreten nicht immer nur Freunde einbrachte.

Zuletzt versuchte er jedoch häufiger, sich auf der Bühne zurückzuhalten. Statt seinen Emotionen freien Lauf zu lassen, dachte der Waliser darüber nach, wie seine Reaktionen beim Publikum und beim Gegner ankommen könnten. Nach eigener Einschätzung nahm er sich damit einen wichtigen Teil seines natürlichen Spiels.

„Manchmal denke ich zu viel nach und halte mich zurück. Ich stoppe mich selbst – und dann schadet es meinem Spiel“, erklärte Gerwyn Price gegenüber talksport und fügte hinzu: „Es fühlt sich an, als wäre ich nicht mehr natürlich.“

Vor seinem Viertelfinale beim World Matchplay deutete „The Iceman“ deshalb eine Kehrtwende an. „Vielleicht lasse ich am Freitag mein altes Ich wieder raus. Hoffentlich kann ich dann wieder so gut spielen, wie es mein altes Ich konnte.“

Die Nummer 8 der Welt macht damit deutlich, dass seine bekannten Reaktionen für ihn mehr als eine Show für das Publikum sind. Die Jubelschreie helfen ihm, Spannung abzubauen, sich selbst anzutreiben und seinen Rhythmus aufrechtzuerhalten. Unterdrückt er diese Emotionen, fehlt ihm offenbar ein Teil jener Energie, die ihn einst bis an die Spitze der Welt führte.

Price wartet noch auf den Matchplay-Titel

Sportlich spielt der 41-Jährige auch 2026 eine starke Saison. Beim World Masters erreichte Price das Halbfinale und unterlag Luke Littler erst im entscheidenden Satz mit 4:5. Wenige Wochen später zog er auch bei den UK Open in die Vorschlussrunde ein, ehe James Wade seinen Lauf mit einem 11:8-Erfolg beendete. In der Weltrangliste steht der ehemalige Weltmeister aktuell auf Rang sieben.

Im April feierte er zudem seinen zehnten Titel auf der European Tour. Im Finale des European Darts Grand Prix in Sindelfingen besiegte er ausgerechnet Ross Smith mit 8:6. Nun treffen die beiden erneut aufeinander – diesmal über die deutlich längere Distanz im Viertelfinale des World Matchplay.

Price zog in Blackpool zunächst mit einem hart erkämpften 11:9 gegen Martin Schindler in die zweite Runde ein. Dort setzte er sich gegen den früheren Matchplay-Champion Rob Cross durch und erreichte damit erneut die Runde der letzten Acht.

Der große Titel fehlt ihm bei diesem traditionsreichen Turnier allerdings noch. 2022 stand Price bereits im Finale um die Phil Taylor Trophy. Damals spielte er nach eigener Einschätzung die besten Darts des gesamten Turniers, musste sich Michael van Gerwen im Endspiel aber mit 14:18 geschlagen geben. „Ich glaube, dass ich 2022 der beste Spieler des Turniers war“, blickte Price zurück. „Aber Michael liefert in solchen Finals ab, wenn es darauf ankommt. Das machen große Champions, und damals hat er mich geschlagen.“

Nun hofft der Waliser auf eine zweite Gelegenheit. Neben dem Titel geht es für ihn auch um wichtige Punkte für die Weltrangliste. Sein unmittelbares Ziel sei es, seinen Platz unter den besten acht Spielern der Welt zu behaupten.

Um dieses Ziel zu erreichen, will „The Iceman“ offenbar nicht länger versuchen, jemand anderes zu sein. Gegen Ross Smith könnte deshalb nicht nur ein ehemaliger Weltmeister auf die Bühne kommen – sondern wieder jener laute und emotionale „Iceman“, mit dem sich über Jahre kaum ein Gegner gerne anlegte.

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