Gerwyn Price kann sich vorstellen, auf die Premier League 2027 zu verzichten. Vincent van der Voort glaubt dagegen kein Wort davon. Während der Waliser seine Familie und veränderte Prioritäten als mögliche Gründe nennt, hält der ehemalige niederländische Profi das Prestige und die wirtschaftliche Bedeutung der Turnierserie für zu groß.
„The Iceman“ hatte die Diskussion nach seinem Einzug ins Finale des World Matchplay angestoßen. Seine Tochter erwartet Ende Januar ein Kind, wodurch der 41-Jährige erstmals Großvater wird. Die familiäre Veränderung könnte für ihn schwerer wiegen als eine weitere Premier-League-Saison mit wöchentlichen Reisen durch Großbritannien und Europa.
Gegenüber talksport machte Gerwyn Price deutlich, dass es sich nicht nur um eine spontane Drohung handelt. „Meine Tochter ist schwanger. Ich habe andere Prioritäten und zu Hause einiges zu tun“, erklärte der ehemalige Weltmeister. Deshalb könne er eine Einladung für 2027 tatsächlich ablehnen. Eine endgültige Entscheidung wolle er aber erst im weiteren Saisonverlauf treffen.
Auch der sportliche Status besitzt für der 41-Jährige offenbar nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher. Durch seinen Lauf beim World Matchplay kehrte er auf Platz vier der PDC Order of Merit zurück und löste Jonny Clayton wieder als bestplatzierten Waliser ab. Dennoch erklärte Price: „Die Rangliste ist mir ehrlich gesagt nicht mehr so wichtig.“ Die Position als walisische Nummer eins bedeute ihm inzwischen mehr als sein genauer Platz in der Weltrangliste.
Van der Voort bewertet seine Aussagen deutlich skeptischer. Im Podcast „Darts Draait Door“ bezeichnete er einen möglichen Verzicht als „Unsinn“. Der Niederländer habe ähnliche Ankündigungen von Price schon mehrfach gehört und rechne fest mit dessen Teilnahme. „Ich habe ihn so oft sagen hören: ‚Nächstes Jahr spiele ich nicht.‘ Er wird nächstes Jahr in der Premier League spielen“, sagte van der Voort.
Für seine Einschätzung führt der frühere Profi vor allem wirtschaftliche Gründe an. Die Premier League verschafft den Teilnehmern über mehrere Monate eine enorme mediale Präsenz. Davon profitieren Sponsorenverträge, Einladungen zu Exhibitions und der allgemeine Marktwert eines Spielers.
„Dieses Turnier ist zu groß, um es auszulassen – für Sponsoren, Exhibitions, deinen Marktwert und alles andere. Außerdem lässt sich dort immer noch sehr viel Geld verdienen“, erklärte van der Voort.
„The Icemans“ Gründe gehen über die Familie hinaus
Sportlich wäre Price ein naheliegender Kandidat für die Premier League 2027. In der laufenden Saison gewann er zwei Ranglistentitel und erreichte sowohl beim World Masters als auch bei den UK Open das Halbfinale. Beim World Matchplay gelang ihm anschließend der Sprung ins Endspiel.
Auch seine Premier-League-Saison 2026 verlief erfolgreich. Er gewann die Spieltage in Antwerpen und Manchester und qualifizierte sich für die Play-offs. Dort unterlag er Luke Littler erst im Entscheidungsleg mit 9:10. Insgesamt nahm der Waliser £130.000 ein. Das Preisgeld zählt zwar nicht für die Weltrangliste, wirtschaftlich bleibt die Turnierserie für die Spieler dennoch äußerst wertvoll.
Hinzu kommt, dass Price bereits während der Saison Veränderungen am Format der Premier League gefordert hatte. Der Waliser kritisierte die häufigen Wiederholungen derselben Paarungen und brachte ein Modell mit wechselnden Herausforderern ins Spiel. Sein möglicher Verzicht entsteht deshalb nicht aus dem Nichts, sondern passt zu seiner schon länger bestehenden Unzufriedenheit mit dem aktuellen System.
Van der Voorts Argumentation ist trotzdem nachvollziehbar. Price würde nicht nur auf mögliche Preisgelder verzichten, sondern auch auf mehrere Monate Präsenz vor großen Zuschauerkulissen. Seine familiären und sportlichen Gründe vollständig als „Unsinn“ abzutun, greift allerdings zu kurz.
Die Premier League umfasst 16 wöchentliche Spieltage und den abschließenden Play-off-Abend. Zwischen Februar und Mai verlangt sie den Teilnehmern zahlreiche Reisen und viele Tage fernab der Familie ab.
Damit stehen zwei nachvollziehbare Positionen gegenüber: Price hat einen konkreten privaten Anlass und äußert bereits länger Zweifel am Format. Van der Voort weiß dagegen, wie schwer es für einen Topspieler ist, auf eine der größten Bühnen und deren wirtschaftliche Vorteile zu verzichten. Ein Premier-League-Verzicht bleibt daher möglich – derzeit spricht aber weiterhin mehr dafür, dass er 2027 wieder dabei sein wird.










