Gerwyn Price kaum im Darts-Modus — Mehr als nur ein Formtief

Gerwyn Price ist normalerweise keiner, der leise durch eine Krise läuft. Der Waliser lebt von Energie, Körpersprache und diesem typischen Iceman-Gefühl: Ich bin da, ich bin bereit, ich nehme den Kampf an. Umso auffälliger sind seine aktuellen Aussagen. Denn der 41-Jährige klingt gerade nicht wie ein Spieler, der nur ein paar schlechte Ergebnisse erklären will. Er klingt wie einer, der mental nicht richtig am Oche angekommen ist.

Nach seinem Ausscheiden bei den Slovak Darts Open sprach Price offen über seine aktuelle Lage. Laut Oche180 gab der Weltranglistensiebte zu, dass er seine Darts seit dem Ende der Premier League kaum in der Hand hatte. „Im Moment mache ich einfach nur mit. Ich tauche einfach auf. Ich habe in den letzten Wochen nicht viel trainiert“, sagte Price.

Der Satz ist deshalb so bemerkenswert, weil er nicht nach klassischer Ausrede klingt. Price benennt kein Board, keine Bühne, keinen Gegner und keine äußeren Umstände. Er schaut eher auf sich selbst. Und dort scheint derzeit einiges nicht so zu laufen, wie er es von sich erwartet.

Besonders deutlich wurde „The Iceman“ beim Blick auf seine Trainingsarbeit seit dem Premier-League-Ende. „Die Premier League haben wir vor vier oder fünf Wochen beendet. Ich habe die Darts wahrscheinlich zwei- oder dreimal in die Hand genommen, und das war wahrscheinlich nur vor Turnieren“, erklärte der Waliser. Für einen Spieler seiner Klasse ist das eine erstaunlich offene Aussage.

Price spricht über Form und fehlenden Fokus

Sportlich passt die Aussage zu den letzten Ergebnissen. Bei den Players Championship Events 21 und 22 kam er jeweils nicht über die zweite Runde hinaus. Bei den Slovak Darts Open war ebenfalls im Last 32 Schluss, nach einer 2:6-Niederlage gegen Cameron Menzies. Einzelne frühe Niederlagen sind bei der Leistungsdichte auf der Tour kein Drama. In Kombination mit Prices eigenen Worten ergibt sich aber ein anderes Bild.

„Mein Spiel ist im Moment nicht in Bestform. Meine Mentalität bei der Herangehensweise an die Spiele ist auch nicht in Bestform“, sagte der 41-Jährige weiter. Genau dieser zweite Teil ist entscheidend. Es geht nicht nur um Scoring, Doppel oder Matchpraxis. Es geht darum, wie ein Spieler in ein Match hineingeht. Bei ihm war diese mentale Präsenz oft eine seiner größten Waffen. Wenn er voll im Tunnel war, konnte er Gegner über Intensität, Druck und Präsenz fast erdrücken.

Aktuell klingt es eher nach einem Zwischenzustand. Die Nummer 7 der Welt ist da, aber nicht komplett eingeschaltet. Er spielt, aber er brennt offenbar nicht so, wie man es von ihm kennt. Hoffnung auf Besserung hat er trotzdem: „Aber hoffentlich wird es in den nächsten Wochen oder Monaten besser.“

Auch der World Cup of Darts scheint bei „The Iceman“ zuletzt keine große Rolle gespielt zu haben. Der Waliser hatte sich aus dem Team zurückgezogen, Nick Kenny ersetzte ihn an der Seite von Jonny Clayton. Wales führte im Viertelfinale gegen England bereits 4:0, verlor am Ende aber noch 7:8. Price bekam davon nur Ausschnitte mit. „Um ehrlich zu sein, habe ich nicht viel davon gesehen“, sagte er.

Sein Fokus lag nach eigener Aussage auf anderen Dingen: „Mein Fokus, wenn ich nicht Darts spiele und ich nicht am World Cup teilgenommen habe, lag auf Dingen, die ich zu Hause erledigen musste.“ Auch das passt zur aktuellen Gesamtlage. Er wirkt nicht wie ein Spieler, der das Darts komplett verloren hat. Aber er wirkt wie einer, bei dem der Sport gerade nicht jede Ecke des Kopfes ausfüllt.

Genau darin liegt die Spannung vor den kommenden Wochen. Ein Gerwyn Price mit wenig Training bleibt gefährlich, weil seine Grundqualität enorm ist. Aber ein Price ohne volle mentale Schärfe ist verwundbar. Gerade auf den großen Bühnen reicht es nicht, nur aufzutauchen.

Vielleicht ist das der eigentliche Punkt dieser Aussagen. Price steckt nicht zwingend in einer sportlichen Krise, die man nur an Ergebnissen ablesen kann. Er steckt in einer Fokusphase. Und bei einem Spieler wie ihm kann daraus beides entstehen: ein längerer Knick – oder genau der Reizpunkt, den er braucht, um wieder hochzufahren.

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