Dirk van Duijvenbode steht im Halbfinale des World Matchplay – obwohl der Niederländer nach eigener Aussage seit sieben Monaten nach dem richtigen Setup sucht. Nach seinem 16:13-Erfolg gegen Gary Anderson sprach „Aubergenius“ offen über seine Materialprobleme, ein ungewöhnliches Selbstgespräch und die Entscheidung, seine Darts einfach härter zu werfen.
Mit einem Average von 101,49 Punkten setzte sich Van Duijvenbode in einem hochklassigen Viertelfinale gegen den zweimaligen Weltmeister durch. Der Erfolg brachte ihm nicht nur das Halbfinalduell mit Luke Littler ein, sondern überraschte offenbar auch den Niederländer selbst.
„Um ehrlich zu sein, bin ich von diesem Ergebnis selbst überrascht, weil ich das ganze Jahr über Schwierigkeiten hatte, das richtige Setup zu finden“, erklärte Van Duijvenbode nach der Partie laut Oche180.
Die Suche nach dem passenden Material beschäftigt den Niederländer bereits seit Monaten. Selbst nach seinem starken Auftritt gegen Anderson ist er nicht davon überzeugt, die endgültige Lösung gefunden zu haben, wie er im weiteren Verlauf des Gespräches sagte: „Seit sieben Monaten suche ich danach, und ich glaube immer noch nicht, dass ich mein perfektes Material gefunden habe.“
Die Probleme gingen beim 34-Jährigen über eine einfache Veränderung an den Darts hinaus. Nach seinen Schulter- und Nervenbeschwerden musste er seinen Wurf neu aufbauen und versuchte anschließend immer wieder, Material und Technik aufeinander abzustimmen. Auf der Bühne blieben die gewünschten Ergebnisse jedoch häufig aus. Beim World Matchplay gelang ihm nun die Wende – obwohl das grundlegende Problem aus seiner Sicht weiterhin besteht.
Vor dem Viertelfinale gegen Anderson führte „Aubergenius“ deshalb ein ungewöhnliches Gespräch mit sich selbst. Statt weiter darüber nachzudenken, warum seine Darts nicht wie gewünscht im Board steckten, suchte er nach einer einfachen Antwort. „Ich habe mir im Grunde gesagt: ‚Hör auf zu jammern.‘ Dann dachte ich: ‚Die Darts stecken nicht richtig im Board.‘ Meine Antwort darauf war: ‚Dann wirf sie härter.‘“
Der Niederländer veränderte daraufhin bewusst seine Herangehensweise. Vor dem Spiel hörte er aggressivere Musik, trat entschlossener auf und versuchte, die Darts mit mehr Kraft zu werfen. „Jammern löst keine Probleme“, erklärte Van Duijvenbode. Die aggressivere Einstellung habe offenbar geholfen, denn seine Pfeile hätten anschließend deutlich besser im Board gesteckt.
Die Veränderung war auch in seinem Spiel zu erkennen. Van Duijvenbode trat selbstbewusst auf, hielt dem Druck Andersons stand und brachte den Vorsprung schließlich mit 16:13 ins Ziel.
Niemand löst deine Probleme für dich
Für Van Duijvenbode ging es dabei nicht nur um sein Material. Seine Aussagen nach dem Spiel zeigten auch, mit welcher grundsätzlichen Einstellung er die schwierige Phase bewältigen wollte.„Wenn du im Leben ein Problem hast, dann löst du es entweder oder du gehst so gut wie möglich damit um. Niemand anderes wird deine Probleme für dich lösen“, sagte er im Gespräch.
Falls sich ein Problem nicht vollständig beheben lasse, müsse man das Beste aus der jeweiligen Situation machen. Genau diesen Ansatz habe er gegen Anderson verfolgt. „Das ist genau das, was ich heute Abend versucht habe. Und ich denke, dass ich ein sehr gutes Spiel gemacht habe“, sagte der Niederländer. Neben seinen eigenen Problemen musste Van Duijvenbode auch mit der besonderen Präsenz seines Gegners umgehen. Die Erfahrung und Ausstrahlung Andersons machten die Aufgabe für ihn noch schwieriger.
Ein ähnliches Gefühl habe er bereits in Spielen gegen Raymond van Barneveld und Michael van Gerwen erlebt. Weil die Erfahrung aus dem Duell mit Van Gerwen noch frisch gewesen sei, habe er diesmal jedoch schneller verstanden, was mit ihm passierte. Er sagte: „Ich erkannte die Situation, nahm mir Zeit und sagte mir, dass dies der Moment war, richtig damit umzugehen. Und das ist mir gelungen.“
Van Duijvenbode ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und überstand auch die schwierigen Phasen der Partie. Damit steht er trotz seiner weiterhin ungelösten Materialfrage im Halbfinale des World Matchplay. Dort wartet mit Luke Littler die nächste große Herausforderung. Nach sieben Monaten voller Veränderungen und Zweifel ist er in Blackpool plötzlich nur noch einen Sieg vom Finale entfernt.









