Beau Greaves: Vor van Gerwen & Rock – darum fällt ihr Pro-Tour-Ranking auf

Beau Greaves hat mit ihrem historischen Titel auf der PDC Pro Tour nicht nur Darts-Geschichte geschrieben. Die Engländerin hat sich auch in eine Ranglistenposition gespielt, die auf den ersten Blick fast surreal wirkt: In der aktuellen Players Championship Order of Merit steht Beau Greaves nach zwölf Turnieren auf Rang vier – und damit unter anderem vor Michael van Gerwen und Josh Rock.

Ganz wichtig ist dabei die Einordnung: Es geht nicht um die komplette ProTour Order of Merit, sondern um die Rangliste der Players Championship Events. Genau dort fällt Greaves’ Stand aber besonders auf. Denn diese Liste ist für die Qualifikation zu den Players Championship Finals entscheidend – und die 21-Jährige hat sich dort mit 35.250 Pfund Preisgeld früh in eine starke Ausgangsposition gebracht.

Warum sie in dieser Rangliste so weit vorne steht

Der Hauptgrund ist ihr Titel bei Players Championship 11. Sie gewann das Turnier in Milton Keynes und wurde damit die erste Frau, die einen PDC-Ranglistentitel holte. Im Finale setzte sie sich mit 8:7 gegen Michael Smith durch – ausgerechnet mit einem 142er-Finish im Entscheidungsleg. Zuvor hatte sie unter anderem Rob Cross und Gary Anderson geschlagen.

Dieser Sieg war nicht nur historisch, sondern auch finanziell ein massiver Sprung. Auf dem Floor zählt jedes Preisgeld direkt in die entsprechenden Ranglisten. Während Spieler wie Michael van Gerwen oder Josh Rock im Jahresverlauf zwar insgesamt deutlich höher einzuschätzen sind, hat die Tour-Card-Spielerin in den Players Championship Events bislang mehr Preisgeld gesammelt als beide.

Nach PC12 führt Wessel Nijman die Players Championship Order of Merit an. Greaves liegt dort auf Rang vier. Van Gerwen steht in dieser Wertung auf Rang 39, Rock sogar nur auf Rang 85. Genau deshalb sticht ihr Name in dieser Liste so heraus.

Der Vergleich mit van Gerwen und Rock braucht Kontext

So spektakulär der Blick auf die Tabelle wirkt: Er ersetzt keine größere Gesamtbewertung. Michael van Gerwen und Josh Rock stehen in der allgemeinen PDC-Weltspitze weiterhin in ganz anderen Regionen. In der Year-to-date Order of Merit liegt der Nordire auf Rang acht, van Gerwen auf Rang 20, Beau Greaves auf Rang 29. In der kompletten ProTour Order of Merit stehen beide ebenfalls vor der Engländerin.

Der Reiz liegt deshalb nicht darin, Greaves künstlich über etablierte Topspieler zu stellen. Spannend ist etwas anderes: Sie nutzt ihre erste Saison als Tour-Card-Spielerin nicht nur zum Lernen, sondern sammelt sofort relevantes Preisgeld. Gerade auf dem Floor, wo es keine große Bühne, keine lange Inszenierung und keine Schonfrist gibt, ist das ein starkes Signal.

Beau Greaves selbst ordnete ihren Titel nach dem Sieg emotional ein. Gegenüber Sky Sports sagte sie, der Moment sei „absolut unglaublich“ gewesen. Besonders ihr 142er-Finish im Finale beschrieb sie sinngemäß als drei der besten Darts, die sie je geworfen habe. Auch nach dem Sieg blieb sie betont bodenständig: Statt großer Feier gab es Pizza, heiße Schokolade und Schlaf.

Warum dieser Stand für Greaves so wichtig ist

Für die Engländerin ist diese Ranglistenposition mehr als eine schöne Momentaufnahme. Die besten 64 der Players Championship Order of Merit qualifizieren sich für die Players Championship Finals. Mit Rang vier hat sie sich früh ein Polster aufgebaut, das in den kommenden Monaten enorm wertvoll werden kann.

Dazu kommt die psychologische Wirkung. Die Spielerin hat nicht nur einen Titel gewonnen, sondern auch bewiesen, dass sie über einen kompletten Pro-Tour-Tag hinweg gegen Weltklassespieler bestehen kann. Sie selbst sagte nach ihrem Triumph, sie habe nie gedacht, eines dieser Turniere zu gewinnen. Nun müsse sie nachlegen und weitermachen.

Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung ihres Rankings. Es geht nicht darum, die Engländerin plötzlich über etablierte Topspieler in der Darts-Hierarchie zu stellen. Das wäre zu kurz gedacht. Es geht darum, dass Beau Greaves in einer relevanten Floor-Wertung vor großen Namen auftaucht – und damit zeigt, dass ihr PDC-Einstieg sportlich deutlich mehr ist als eine Randgeschichte.

Ihre Pro-Tour-Saison ist damit noch längst keine abgeschlossene Erzählung. Aber sie hat einen Zwischenstand erreicht, der auffällt. Und wenn sie diese Form auch nur ansatzweise stabilisiert, wird aus dem historischen Einzeltitel schnell eine viel größere Frage: Wie weit kann die Engländerin auf der PDC-Tour schon in ihrem ersten Jahr wirklich kommen?

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