Beau Greaves hat das Women’s World Matchplay 2026 gewonnen und ihren Status als erfolgreichste Spielerin der noch jungen Turniergeschichte weiter ausgebaut. Die 22-Jährige setzte sich im Finale der Winter Gardens mit 6:5 gegen Fallon Sherrock durch und holte nach 2023 und 2024 bereits ihren dritten Titel in Blackpool. Nach dem entscheidenden Dart überwog bei „Beau ’n‘ Arrow“ vor allem ein Gefühl: Erleichterung.
Zum Auftakt besiegte Greaves Kirsi Viinikainen mit 5:1 und setzte mit zwei Highfinishes von 148 und 144 Punkten früh ein Ausrufezeichen. Im Halbfinale wurde sie von Gemma Hayter wesentlich stärker gefordert. Erst ein 104er-Checkout im Entscheidungsleg brachte Greaves den 5:4-Erfolg und den Einzug in ihr drittes Matchplay-Finale.
Dort entwickelte sich gegen Sherrock ein Duell auf Augenhöhe. Die Engländerin antwortete auf ein frühes Break mit einem 120er-Finish in zwölf Darts und erarbeitete sich später eine 5:3-Führung. Sherrock kämpfte sich mit einem Elfdarter und einem 70er-Checkout zurück. Im Decider eröffnete sie jedoch mit einer 180, stellte sich mit 145 Punkten 56 Rest und verwandelte schließlich auf der Doppel-10.
„Normalerweise bin ich keine, die groß feiert. Aber am Ende war es einfach Erleichterung“, erklärte Greaves bei Sky Sports. Sherrock bezeichnete sie als großartige Person und noch bessere Dartspielerin. Sie habe gewusst, dass sie gut spielen müsse. Als der letzte Dart saß, sei die gesamte Anspannung aus ihr herausgebrochen.
„Beau ’n‘ Arrow“ nimmt den Erwartungsdruck als Privileg an
Als große Favoritin war sie nach Blackpool gereist. Die damit verbundenen Erwartungen spürte sie durchaus, wollte sie aber nicht als Belastung verstanden wissen: „Ich war nervös, aber diese Art von Druck ist ein Privileg. Er entsteht, weil ich gut spiele und gute Ergebnisse erziele.“
Dass sie im Finale nicht ihr bestes Niveau erreichte, änderte für Greaves nichts an der Bedeutung des Erfolgs. Nach der Enttäuschung des Vorjahres, als sie im Halbfinale an Lisa Ashton gescheitert war, zählte für sie diesmal allein der Pokal. Besonders wichtig waren dabei die entscheidenden Doppel – eine Qualität, die sie nach eigener Aussage durch ihre regelmäßigen Duelle mit den Männern weiterentwickelt hat.
„Ich glaube, die Spiele bei den Männern haben mir beigebracht, das Doppel zu treffen, wenn die Chance kommt“, sagte Beau Greaves. Wie wertvoll diese Erfahrung ist, zeigte nicht nur der letzte Dart gegen Sherrock. Bereits im April hatte sie als erste Frau ein PDC-Ranglistenturnier gewonnen und Michael Smith im Finale des Players Championship 11 bezwungen.
Trotz ihrer Erfolge bleibt „Beau ’n‘ Arrow“ selbstkritisch. Auf dem Floor gewinne sie Turniere, ihr Spiel auf der Bühne müsse sich jedoch noch deutlich verbessern. Für den Grand Slam of Darts und die Weltmeisterschaft, für die sie durch den Matchplay-Triumph qualifiziert ist, formulierte sie deshalb ein schlichtes Ziel: „Einfach besser spielen.“
Viel Zeit zum Feiern bleibt der 22-Jährigen nicht. Für die Players Championships 25 und 26, die am 28. und 29. Juli in Hildesheim ausgetragen werden, ist die Engländerin gemeldet. Ob sie nach Blackpool tatsächlich antritt, bleibt allerdings offen. Weitere mögliche Stationen sind die vier Turniere der Women’s Series am 22. und 23. August in Leicester. Fest qualifiziert ist sie dagegen für ihre ersten beiden European-Tour-Events: die Hungarian Darts Trophy in Budapest sowie die eine Woche später ausgetragenen Czech Darts Open in Prag. Dort kann sie ihr Bühnenspiel gegen die internationale PDC-Konkurrenz weiterentwickeln.
An Motivation mangelt es ihr nicht. Greaves sprach davon, dass sie Darts liebe, kaum genug davon bekommen könne und mit ihren Auftritten zugleich den Frauensport unterstützen wolle. Der dritte Titel von Blackpool ist für sie daher kein Endpunkt. Er ist der nächste Beleg dafür, dass sie längst nicht mehr nur den Frauendarts prägt, sondern auch auf der großen PDC-Bühne ihren Platz gefunden hat.









