Adrian Lewis arbeitet weiter an seiner Rückkehr in den professionellen Dartsport. Der zweimalige Weltmeister erwägt dabei einen ungewöhnlichen Weg: Statt unmittelbar bei der Q-School um eine neue Tour Card zu kämpfen, könnte „Jackpot“ zunächst auf der Challenge Tour wieder Wettkampfpraxis sammeln.
„Ich werde vielleicht versuchen, mit der PDC zu sprechen“, erklärte der 41-Jährige in einem Interview mit DartsWorld. Sollte er nicht an der Q-School teilnehmen, würde er gerne auf der Challenge Tour spielen, „um wieder in den Wettkampfmodus zu kommen und von dort aus etwas aufzubauen“. Damit konkretisiert er, wie sein Comeback im Jahr 2027 aussehen könnte. Der Engländer besitzt derzeit keine Tour Card und müsste sich seinen Platz auf der professionellen Tour neu erarbeiten. Eine endgültige Entscheidung über seinen Weg zurück ist allerdings noch nicht gefallen.
Er machte deutlich, dass vor einer vollständigen Rückkehr zunächst seine mentale Verfassung stimmen müsse. „Ich muss zuerst meinen Kopf in den Griff bekommen, weil er zu sehr auf und ab geht“, sagte der frühere Weltranglistenzweite. Er müsse zu 100 Prozent fokussiert sein – und das sei er momentan noch nicht.
Familiäre Belastungen und verlorene Motivation
Adrian Lewis hatte sich Anfang 2023 aus dem regulären PDC-Betrieb zurückgezogen. Hinter seiner Auszeit stand nicht nur ein sportliches Formtief. Der belastende Reise- und Turnieralltag, familiäre Sorgen und der Verlust seiner Motivation kamen über einen längeren Zeitraum zusammen. Seine Frau Sarah leidet an einer unheilbaren Nierenerkrankung und muss regelmäßig medizinisch behandelt werden. Zudem benötigt eine seiner Töchter aufgrund einer Behinderung intensive Betreuung. Er wollte deshalb mehr Zeit zu Hause verbringen und seine Familie stärker unterstützen.
Gleichzeitig war dem zweimaligen Weltmeister die Freude am Wettkampf abhandengekommen. Rückblickend erklärte Adrian Lewis, dass er selbst bei Siegen kaum noch Begeisterung verspürt habe. Er sei nur noch durch die Turniere gegangen und habe sich teilweise wie ein „Geist“ gefühlt. Ob er gewann oder verlor, sei ihm zeitweise gleichgültig gewesen.
Die Entscheidung für eine Pause hatte sich nach seinen Angaben über etwa 18 Monate aufgebaut. Schon vor dem ersten Dart eines ProTour-Turniers habe er häufig das Gefühl gehabt, nicht dort sein zu wollen. Die Auszeit war deshalb kein spontaner Rückzug, sondern die Folge einer länger anhaltenden mentalen und familiären Belastung.
Adrian Lewis will Wettkampfhärte zurückgewinnen
Inzwischen hat sich Lewis wieder bei Exhibitions und ausgewählten Wettbewerben gezeigt. Eine direkte Rückkehr auf die komplette PDC-Tour möchte „Jackpot“ jedoch nicht überstürzen. Er will vermeiden, nach wenigen Monaten erneut festzustellen, dass er dem dauerhaft hohen Pensum nicht gewachsen ist. Die Challenge Tour könnte ihm einen behutsameren Neustart ermöglichen. Dort würde er regelmäßig unter Wettkampfbedingungen antreten, ohne sofort den vollständigen ProTour-Kalender absolvieren zu müssen. Gleichzeitig träfe er auf zahlreiche Spieler, die selbst um Nachrückerplätze für die Players Championship und um eine Tour Card kämpfen.
Seine grundsätzliche Klasse steht für er nicht infrage. Als größere Hürde betrachtet er weiterhin die mentale Konstanz. Schon bei früheren Comeback-Gedanken betonte er, dass sein Spiel noch vorhanden sei, er aber erst wieder dauerhaft Freude am Gewinnen entwickeln müsse. Der mögliche Weg über die Challenge Tour zeigt daher, dass Lewis seine Rückkehr vorsichtig plant. Zunächst soll die Wettkampfhärte zurückkehren, bevor er sich wieder dauerhaft mit der Weltspitze misst.
Trotz aller offenen Fragen ließ Lewis keinen Zweifel daran, dass er sich noch einmal im professionellen Dartsport sieht. „Wir kommen zurück, ich verspreche es“, kündigte der Engländer an. Wann dieses Comeback erfolgt, hängt vor allem von seinem mentalen Zustand und den Gesprächen mit der PDC ab. Sollte „Jackpot“ nicht an der Q-School teilnehmen, wäre ein Start auf der Challenge Tour eine mögliche Alternative. Fest beschlossen ist dieser Weg bislang nicht.
Sportlich gehört Lewis zu den erfolgreichsten Spielern seiner Generation. Er gewann 2011 und 2012 zweimal nacheinander die Weltmeisterschaft. Bei seinem ersten Titel gelang ihm zudem der erste 9-Darter in einem WM-Finale. Auch den aktuellen PDC-Sport verfolgt der 41-Jährige weiterhin. Im Gespräch mit DartsWorld hob er Luke Littler und Luke Humphries hervor. Das World Matchplay bezeichnete er als das zweitgrößte Turnier des Jahres hinter der Weltmeisterschaft.
Vorerst steht jedoch seine eigene Zukunft im Mittelpunkt. Der Wille zur Rückkehr ist vorhanden. Anders als bei seinem Rückzug soll der nächste Schritt diesmal erst erfolgen, wenn Körper, Familie und Kopf den erneuten Alltag auf der Tour zulassen.










