Ryan Joyce hat ungewöhnlich offen über seine Zukunft gesprochen. Im Sawyer-Darts-Interview sagte der Engländer: „Ich habe das Gefühl, dass ich dem Ende meiner Karriere näher sein könnte, als ich denke.“ Genau dieser Satz macht deutlich, warum seine Aussagen mehr sind als ein beiläufiger Gedanke über einen Plan B. Joyce spricht nicht aus einer akuten Krise heraus, sondern aus einer Phase, in der der Abstand zwischen solidem Profi auf der Pro Tour und echter Unsicherheit plötzlich kleiner wirkt.
Sportlich ist Joyce nämlich keineswegs komplett aus dem Bild verschwunden. Beim Belgian Darts Open 2026 erreichte er das Viertelfinale, auf dem Floor blieb die Saison bisher aber wechselhaft: In den ersten zehn Players Championship-Turnieren kam er nie über Runde drei hinaus. Dazu kam bei der World Championship 2025/2026 zwar zunächst ein klarer 3:0-Sieg gegen Owen Bates, in Runde zwei folgte dann aber das 1:3 gegen Krzysztof Ratajski. Genau diese Mischung macht seine Aussagen interessant. Joyce redet nicht wie ein Spieler, der bereits aufgegeben hat, sondern wie einer, der zum ersten Mal nüchtern einrechnet, dass Darts nicht automatisch bis ans Karriereende trägt.
Joyce spricht offen über einen Plan B
Im Interview erklärte Joyce außerdem: „Ich habe wirklich nie darüber nachgedacht.“ Inzwischen schaue er realistischer auf die nächsten Jahre. Sollte es sportlich nicht mehr reichen, müsse er womöglich etwas anderes machen, um Geld zu verdienen. Dabei sagte er auch, dass er im Zweifel Freunde oder seinen Manager fragen und vielleicht in einem ihrer Unternehmen mitarbeiten würde. Versteckte Qualifikationen für einen ganz anderen Job habe er nicht.
Gerade das macht die Aussagen bemerkenswert. Viele Profis reden lieber über Form, Timing oder den nächsten Turnierblock. Ryan Joyce spricht dagegen über etwas, das im Darts ständig mitschwingt, aber selten so offen ausgesprochen wird: Tour Card weg, Einkommen weg, neuer Alltag nötig. Genau dadurch wirkt das Interview nicht dramatisch, sondern ehrlich.
Die sportliche Lage – und warum Flugangst Joyce lange zurückwarf
Joyce steht aktuell auf Platz 26 der Order of Merit, wirkt damit auf den ersten Blick stabil – genau deshalb fallen seine offenen Gedanken über einen Plan B besonders auf. Gleichzeitig zeigen seine Ergebnisse 2026, wie schnell dieses Gefühl im Darts brüchig werden kann. Ein Viertelfinale auf der European Tour, aber kaum tiefe Läufe auf der Pro Tour – genau aus dieser Lage heraus wirken seine Gedanken an einen Plan B glaubwürdig.
Dazu passt auch sein öffentliches Profil. Joyce gehört nicht zu den Spielern, die ständig über große Gesten, Social Media oder starke Showmomente im Mittelpunkt stehen. Wenn jemand wie er offen über das Leben nach dem Sport spricht, bekommt das automatisch mehr Gewicht. Die Geschichte lebt deshalb nicht von Drama, sondern von einer bemerkenswert nüchternen Ehrlichkeit.
Im weiteren Verlauf des Interviews sprach Joyce außerdem über ein Thema, das ihn auf der Tour lange spürbar gebremst hat: Flugangst. Er erklärte, dass er früher viele European Tours nicht gespielt habe, weil er in der Rangliste nicht vorangekommen sei und die Flüge gemieden habe. Erst als er diese Angst stärker in den Griff bekam, ging es nach oben. Joyce sagte zudem, dass die vergangenen 12 bis 18 Monate deutlich besser gewesen seien.
Er schilderte auch recht konkret, wie er sich geholfen hat: mit Wissen über Flugabläufe, Videos von Piloten, Noise-Cancelling-Kopfhörern und Musik auf dem Handy. Dadurch kippt die Geschichte nicht ins Düster-Pessimistische. Vielmehr entsteht das Bild eines Spielers, der mit 40 realistischer auf seine Karriere blickt, ohne sich deshalb schon abzuschreiben.
Joyce beschreibt keinen Abschied – sondern einen neuen Blick auf seine Karriere
Deshalb sollte man die Aussagen auch nicht größer machen, als sie sind. Joyce kündigt keinen Rücktritt an. Er beschreibt vielmehr den Moment, in dem ein Profi den Sport nicht mehr nur als offenen Weg nach oben betrachtet, sondern auch als Beruf mit Ablaufdatum. Gerade im Darts, wo Tour Card, Formphasen und Pro-Tour-Ergebnisse schnell über die nächsten Jahre entscheiden können, ist das eine bemerkenswert ehrliche Perspektive.
Noch ist Ryan Joyce klar Teil des sportlichen Betriebs. Aber aus seinen Aussagen spricht bereits etwas, das viele Spieler wohl deutlich später oder gar nicht öffentlich sagen: Dass die Karriere nicht unendlich ist – und dass es klug sein kann, rechtzeitig darüber nachzudenken, was danach kommt.







