James Wade wehrt sich gegen Langweiler-Image: „Ich bin nicht so langweilig“

James Wade gehört seit vielen Jahren zu den beständigsten Spielern im Darts. Trotzdem wird der Engländer von vielen Fans noch immer vor allem über sein ernstes Auftreten auf der Bühne wahrgenommen. Bei den Nordic Darts Masters in Kopenhagen hat sich „The Machine“ nun gegen dieses Bild gewehrt – und zugleich sportlich gezeigt, dass mit ihm weiter zu rechnen ist.

Wade gewann sein Auftaktspiel gegen Madars Razma klar mit 6:1 und erreichte damit das Viertelfinale. Noch interessanter als das Ergebnis waren allerdings seine Aussagen nach der Partie. Laut Oche180 machte der frühere Premier-League-Sieger deutlich, dass ihn die öffentliche Wahrnehmung nicht immer passend beschreibt. „Ich will nicht nach meinem miserablen kleinen Gesicht im Fernsehen beurteilt werden. Da steckt viel mehr in mir“, sagte der Engländer.

Wade zeigt andere Seite abseits der Bühne

„The Machine“ ist in den vergangenen Monaten auch abseits der TV-Bühnen sichtbarer geworden. In sozialen Medien zeigte er unter anderem humorvollere Inhalte, kleine Sketche und Food-Challenges. Für einen Spieler, der in seiner Karriere häufig als trocken, nüchtern oder schwer greifbar beschrieben wurde, ist das durchaus ein anderer Blickwinkel.

Der Engländer selbst sieht genau darin einen Punkt. Viele Fans würden ihn nur aus Matches kennen, in denen er konzentriert, angespannt und wenig emotional wirkt. Laut Oche180 sagte James Wade: „Ich bin nicht ganz so langweilig, wie die Leute denken.“ Er halte sich sogar für deutlich interessanter als viele andere Dartspieler.

Gerade bei James Wade ist diese Wahrnehmung interessant, weil seine Karriere oft weniger über große Gesten als über Effizienz erzählt wurde. Er war selten der lauteste Spieler auf der Bühne, aber über Jahre einer der konstantesten. Genau diese Mischung hat ihm großen Respekt eingebracht, aber eben auch das Image eines Spielers, der mehr durch Ergebnisse als durch Entertainment auffällt.

Sportliche Antwort gegen Razma

In Kopenhagen lieferte der 43-Jährige zunächst auch sportlich die passende Antwort. Gegen Madars Razma zeigte er eine sehr kontrollierte Vorstellung und bestrafte die Fehler des Letten konsequent. Besonders auf den Doppeln war er stark: Sechs seiner neun Versuche fanden ihr Ziel. Dazu kamen ein 120er-Finish und ein 76er-Checkout über Bull zum Abschluss der Partie.

Der Sieg war für Wade auch deshalb besonders, weil es seine erste Teilnahme an einem World-Series-of-Darts-Turnier seit vier Jahren war. Nach eigenen Angaben war er zunächst überrascht, überhaupt berücksichtigt worden zu sein. Danach ordnete er die Einladung aber mit Blick auf seine jüngsten Resultate ein: In den vergangenen zwölf Monaten stand er in drei großen Finals und hat sich sportlich wieder stärker in Erinnerung gebracht.

Dass der Lauf in Kopenhagen anschließend im Viertelfinale gegen Luke Littler endete, ändert am Grundton nur wenig. Wade verlor gegen den Weltmeister klar mit 1:6, doch der Auftritt gegen Razma und seine Aussagen passten zu einem Spieler, der sich nicht nur über ein Ergebnis definieren lassen will.

Rückkehr mit gemischten Gefühlen

Wade sprach auch darüber, dass die World Series für ihn etwas Besonderes bleibt. Reisen, große Bühne, internationale Turniere – all das sei reizvoller als viele normale Tour-Wochenenden. Gleichzeitig machte er deutlich, dass diese Reisen für ihn inzwischen auch schwieriger geworden sind, weil er allein unterwegs sei und niemand die Erfahrung direkt mit ihm teile.

Genau dadurch bekommt der Auftritt in Kopenhagen eine persönlichere Note. Es ging nicht nur um einen Sieg gegen Razma oder das spätere Aus gegen Littler. Es ging auch um einen Spieler, der seit mehr als zwei Jahrzehnten Teil der PDC-Spitze ist und trotzdem noch darum kämpft, nicht auf ein einziges Bild reduziert zu werden. Gerade deshalb wirkt Wades Auftritt in Kopenhagen wie ein Zwischenstand seiner späten Karrierephase: Er ist noch sichtbar, noch konkurrenzfähig, aber der nächste große TV-Titel fehlt weiter.

James Wade bleibt damit eine ungewöhnliche Figur im Darts. Er ist kein klassischer Entertainer, kein lauter Selbstdarsteller und kein Spieler, der jede Emotion nach außen trägt. Aber gerade das macht ihn nicht automatisch langweilig. Kopenhagen zeigte einmal mehr: Hinter dem ernsten Blick von „The Machine“ steckt mehr, als viele Zuschauer auf den ersten Blick sehen.

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