Ryan Joyce denkt nicht ans Aufhören: „Ich würde niemals freiwillig zurücktreten“

Ryan Joyce spricht nicht wie ein Spieler, der aufgeben will. Aber der Engländer macht deutlich, wie sehr ihn seine aktuelle Formkrise beschäftigt. Zwar bleibt „Relentless“ die Nummer 26 der Welt, doch sportlich läuft seine Saison bislang deutlich zäher, als es seine Ranglistenposition vermuten lässt.

Gegenüber Oche180 sprach Joyce offen über den wachsenden Druck und die Frage, warum die Ergebnisse derzeit ausbleiben. Der 40-Jährige erreichte in diesem Jahr bislang nur ein ProTour-Viertelfinale bei den Belgian Darts Open. Bei den ersten 16 Players-Championship-Turnieren kam er zudem nie über die dritte Runde hinaus.

Joyce sucht Gründe für seine Formkrise

Joyce gehört nicht zu den Spielern, die Probleme mit großen Ansagen überdecken. Auch jetzt sucht er die Ursachen nicht in Pech, Auslosungen oder einzelnen vergebenen Doppeln. Stattdessen richtet er den Blick auf sich selbst. „Das Einzige, woran ich denken kann, ist vielleicht, dass ich nicht so hart trainiere, wie ich sollte“, sagte Joyce gegenüber Oche180. Er sehe viele starke Spieler, die regelmäßig lange Trainingseinheiten absolvieren. Bei ihm selbst stelle sich die Frage, ob Ausdauer und Fitness derzeit ausreichen, um dieses Pensum mitzugehen.

Joyce sprach auch darüber, künftig mehr an seinem Körper arbeiten zu müssen. Er wolle möglicherweise weiteres Gewicht verlieren und härter trainieren. Viel mehr falle ihm als Erklärung kaum ein, weil er im Vergleich zu früheren Jahren nichts Grundsätzliches verändert habe.

Genau darin liegt der interessante Punkt. Wenn Ryan Joyce selbst kaum Veränderungen in seinem Spiel erkennt, kann die Krise auch ein Hinweis darauf sein, wie stark sich das Umfeld entwickelt hat. Auf der ProTour reichen solide Leistungen immer seltener, wenn formstarke Gegner schon in den frühen Runden Topwerte liefern.

Niederlagen setzen Joyce mental zu

Joyce gibt offen zu, dass die ausbleibenden Siege auch im Kopf Spuren hinterlassen. „Wenn du Spiele verlierst und nicht gewinnst, spürst du diesen Druck. Das ist kein schönes Gefühl“, erklärte er. Das ist keine dramatische Rücktrittsansage, sondern eine ehrliche Momentaufnahme. Joyce redet nicht wie ein Spieler, der abgeschlossen hat. Er redet wie jemand, der merkt, dass Sicherheit und Selbstverständlichkeit gerade brüchig werden.

In solchen Phasen wird nicht nur das nächste Spiel schwerer. Auch die Gedanken verändern sich. Joyce beschrieb, dass man sich irgendwann frage, was passiere, wenn man aus diesem Tief nicht herauskomme. Dann beginne man, über andere Dinge nachzudenken.

Für einen etablierten Spieler wie Joyce ist das ein Warnsignal. Er steht nicht unmittelbar am Rand der Tour, aber die Ergebnisse reichen derzeit nicht für den eigenen Anspruch. Auf der PDC-Tour entsteht Druck nicht erst dann, wenn die Tour Card rechnerisch wackelt. Er entsteht schon, wenn frühere Selbstverständlichkeiten plötzlich nicht mehr funktionieren.

Freiwillig will Joyce nicht gehen

Trotz aller Zweifel zieht Joyce eine klare Grenze. „Ich würde niemals freiwillig vom Darts zurücktreten“, sagte der Engländer. Dafür müsste er erst seine Tour Card verlieren. Joyce benennt die Krise, aber er ergibt sich ihr nicht. Er will weitermachen, bis es sportlich wirklich nicht mehr reicht. Zugleich hofft er, dass dieser Punkt noch weit entfernt ist.

Joyce steht damit nicht vor einem angekündigten Rücktritt, sondern vor einer sportlichen Bewährungsphase. Seine Aussagen zeigen, wie schnell sich die Lage auf der PDC-Tour verändern kann: Eben noch etablierter Top-32-Spieler, plötzlich auf der Suche nach Antworten und neuem Selbstvertrauen.

Freiwillig will Ryan Joyce nicht gehen. Jetzt muss er zeigen, dass „Relentless“ mehr ist als nur ein Spitzname.

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