Michael van Gerwen: Colin Lloyd zweifelt an seinem Erfolgshunger

Michael van Gerwen droht erstmals seit 14 Jahren aus den Top 16 der PDC-Weltrangliste zu fallen. Nach einer bislang enttäuschenden Saison stellt der frühere World-Matchplay-Sieger Colin Lloyd infrage, ob der dreimalige Weltmeister noch denselben Erfolgshunger besitzt wie während seiner erfolgreichsten Jahre.

Im Podcast „Love The Darts“ von Sky Sports sprach Lloyd über die Entwicklung des 37-Jährigen. Vor allem die schwankenden Ergebnisse der vergangenen Monate geben dem ehemaligen Profi zu denken. Zwar zweifelt er nicht an den spielerischen Fähigkeiten des Niederländers, hält aber eine nachlassende Motivation für möglich. „Er verbringt gerne Zeit mit seinen Kindern. Vielleicht ist dieses kleine bisschen Hunger verschwunden“, vermutete Lloyd. Zugleich betonte der Engländer, dass sein früherer Konkurrent weiterhin ein Spieler von hoher Klasse sei.

Die jüngsten Resultate verdeutlichen die sportlichen Schwierigkeiten. Beim World Grand Prix scheiterte „Mighty Mike“ bereits in der ersten Runde an Ryan Joyce. Zuvor musste er sich bei den World Series of Darts Finals Daryl Gurney mit 5:6 geschlagen geben. Auch bei der Flanders Darts Trophy unterlag er Damon Heta knapp mit 5:6.

Seinen bislang besten Lauf bei einem großen Einzelturnier verzeichnete der Niederländer bei den UK Open. Dort erreichte er die sechste Runde, unterlag James Wade allerdings deutlich mit 3:10.

Ranglistenplatz durch WM-Preisgeld gefährdet

Die ausbleibenden Erfolge könnten erhebliche Auswirkungen auf seine Weltranglistenposition haben. In der PDC Order of Merit belegte van Gerwen Anfang Oktober mit 608.500 Pfund den neunten Platz. Jermaine Wattimena lag als Sechzehnter bei 547.750 Pfund. Der Vorsprung auf die Grenze zu den Top 16 betrug somit nur 60.750 Pfund.

Besonders die kommende Weltmeisterschaft könnte entscheidend werden. Nach dem Turnier fallen die 250.000 Pfund aus seiner Finalteilnahme bei der WM 2025 aus der zweijährigen Ranglistenwertung. Damals hatte er das Endspiel gegen Luke Littler verloren. Um einen deutlichen Rückfall zu vermeiden, muss der dreimalige Champion deshalb erneut wichtige Preisgelder sammeln. Wie weit er tatsächlich abrutscht, hängt allerdings auch von den Ergebnissen seiner Konkurrenten ab.

Angesichts der langjährigen Belastung hält Lloyd auch eine vorübergehende Auszeit für keine geeignete Lösung. Er bezweifelt sogar, dass der Niederländer nach einer längeren Pause überhaupt noch einmal auf die Profitour zurückkehren würde. „Ich persönlich glaube nicht, dass Michael van Gerwen nach einer Pause zurückkommen würde“, erklärte der ehemalige Profi. Finanzielle Sicherheit und die Möglichkeit, mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, könnten aus seiner Sicht gegen eine Rückkehr sprechen.

Dabei verweist Lloyd auf die außergewöhnlich lange Karriere des Niederländers. Bereits mit 17 Jahren gewann er die World Masters und gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zur internationalen Dartsspitze. Die jahrelange Belastung und der ständige Erfolgsdruck könnten inzwischen Spuren hinterlassen haben.

Besonders die mentalen Anforderungen des Profisports sieht Lloyd als mögliche Belastung. „Wenn du negative Presse bekommst, zieht dich das ein wenig herunter. So sehr du auch versuchst, darauf zu reagieren, setzt du dich selbst immer stärker unter Druck und es wird zunehmend schwieriger“, erklärte der Engländer.

Ob Lloyd mit seiner Einschätzung richtigliegt, lässt sich von außen kaum beurteilen. Bei der kommenden Weltmeisterschaft steht für den dreimaligen Champion entsprechend viel auf dem Spiel. Neben dem sportlichen Abschneiden entscheidet auch das dort erspielte Preisgeld darüber, wie sich seine Position in der Weltrangliste entwickelt.

Bereits am Samstag greift van Gerwen bei der Swiss Darts Trophy in Basel ins Geschehen ein. In der zweiten Runde trifft der Niederländer auf Mensur Suljovic und erhält damit die nächste Gelegenheit, wichtige Preisgelder für die Weltrangliste zu sammeln.

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