Nathan Aspinall hat junge Dartspieler vor zu großem Druck auf dem Weg nach oben gewarnt. Der Engländer sprach im Happy Hour Podcast mit JaackMaate offen über seine eigene Dartitis-Erfahrung, den mentalen Druck im Profidarts und die Erwartungen, die inzwischen schon auf sehr jungen Talenten lasten.
Aspinall sieht dabei auch den Effekt des Darts-Booms. Der Aufstieg von Luke Littler hat vielen Jugendlichen gezeigt, wie früh ein Spieler auf höchstem Niveau durchbrechen kann. Genau daraus könne aber auch eine gefährliche Erwartung entstehen: schnell gut werden, schnell auffallen, schnell Profi werden.
Aspinall erklärt seine eigene Dartitis
Aspinall weiß, wie belastend das Thema werden kann. Bei ihm habe sich die Blockade vor allem auf den ersten Dart bezogen. „Bei mir war es anders. Ich konnte ihn nicht werfen, aber sobald der erste Dart weg war, folgten die nächsten zwei. Es war dieser erste Dart“, sagte Nathan Aspinall im Podcast sinngemäß ins Deutsche übertragen.
Dartitis wird im Dartsport häufig als mentale Blockade im Wurfablauf beschrieben. Spieler bekommen den Dart nicht mehr wie gewohnt frei aus der Hand oder verlieren das natürliche Gefühl für den Wurf. Aspinall erklärte den Kern seiner eigenen Probleme mit Druck und Angst: „Es ist die Angst, danebenzuwerfen. Manche nennen es die Yips, wie im Golf. Es ist schrecklich, da bin ich ehrlich.“
Auch den Auslöser beschrieb er deutlich. „Ich habe zu viel nachgedacht – und genau das verursacht Dartitis. Ich habe mir selbst zu viel Druck gemacht“, sagte Aspinall. Bei ihm sei es nicht nur um Technik gegangen, sondern um Kopf, Stress und das Gefühl, in entscheidenden Momenten nicht frei werfen zu können.
Junge Talente wollen zu schnell Profi werden
Besonders nachdenklich wurde Aspinall, als es um den Nachwuchs ging. Er bekomme bei Exhibitions inzwischen häufig Fragen von Spielern, die selbst mit Dartitis kämpfen. Für ihn hängt das auch mit dem gestiegenen Erwartungsdruck zusammen.
„Das Problem ist: 13- und 14-jährige Kinder spielen heute um zwei- oder dreitausend Pfund. Das ist verrückt“, sagte Aspinall. Der Dartsport werde professioneller, Akademien und Nachwuchsstrukturen wüchsen, und immer mehr junge Spieler würden sehr früh in Situationen kommen, in denen es um Geld, Aufmerksamkeit und Vergleiche gehe.
Aspinall sieht darin eine direkte Verbindung zum aktuellen Boom. Viele Kinder wollten so schnell wie möglich dort sein, wo Luke Littler bereits angekommen ist. Littlers Erfolg ist für den Sport enorm wertvoll, kann für Gleichaltrige oder jüngere Spieler aber auch zur Messlatte werden, die kaum realistisch ist. Wer seinen eigenen Weg permanent mit einem Ausnahmefall vergleicht, setzt sich fast zwangsläufig unter Druck.
„Gib nicht auf“: Aspinalls Botschaft an Betroffene
Aspinall machte im Podcast aber auch deutlich, dass Dartitis kein endgültiges Urteil sein muss. Er selbst arbeitete unter anderem mit Sportpsychologie und Hypnotherapie an seinen Problemen. Ganz verschwunden sei das Thema zwar nicht vollständig, doch er habe Wege gefunden, besser damit umzugehen.
Seine wichtigste Botschaft an Betroffene ist deshalb klar: „Wenn du es hast, gib nicht auf. Ich sage den Leuten immer: Gib nicht auf. Du kannst es schlagen.“
An junge Spieler richtete Aspinall zugleich einen einfacheren Rat: weniger erzwingen, mehr Zeit lassen, den Sport genießen. „Macht euch nicht verrückt. Wenn es sein soll, dann soll es sein. Lasst euch Zeit, genießt es und setzt euch nicht selbst unter Druck“, sagte er sinngemäß.
Damit spricht Nathan Aspinall ein Thema an, das im modernen Dartsport immer wichtiger wird. Der Weg an die Spitze ist sichtbarer geworden, aber nicht leichter. Talent braucht Training, Niederlagen, Erfahrung und mentale Stabilität. Wer schon als Jugendlicher glaubt, sofort funktionieren zu müssen, verliert genau das, was im Dartsport entscheidend ist: Ruhe im Kopf und Vertrauen in den eigenen Wurf.







