Michael van Gerwen: Van der Voort kritisiert fehlende Balance

Michael van Gerwen steht in der entscheidenden Phase der Premier League Darts weiter auf einem Play-off-Platz. Nach seiner Viertelfinal-Niederlage in Aberdeen gegen Luke Humphries wird jedoch erneut über seine Konstanz diskutiert. Vincent van der Voort hat sich nun kritisch über die aktuelle Balance des dreimaligen Weltmeisters geäußert.

Der frühere PDC-Profi und langjährige Wegbegleiter sieht nicht nur ein einzelnes sportliches Problem. Es geht ihm vor allem um die Frage, ob der aktuelle Rhythmus von Mighty Mike noch zu den Anforderungen auf höchstem Niveau passt. Genau das macht die Kritik bemerkenswert: Sie kommt nicht von außen, sondern von jemandem, der seine Karriere seit Jahren eng begleitet.

Van Gerwen verlor in Aberdeen mit 3:6 gegen Humphries und verpasste damit die Chance, sich im Rennen um die Play-off-Plätze weiter abzusetzen. In der Tabelle bleibt der Niederländer zwar in Reichweite der Finals Night, doch der Vorsprung auf die Verfolger ist kleiner geworden. Humphries und Gian van Veen rückten nach Night 13 näher heran.

Van der Voort spricht die Balance an

Bei Viaplay fand der frühere Profi deutliche Worte. „Es war einfach nicht gut“, sagte er über den Auftritt gegen Humphries. Besonders störten ihn unsaubere Aufnahmen, bei denen Darts in der einfachen 1 oder 5 landeten. Für einen Spieler dieser Qualität sei das nicht der Anspruch.

Die sportliche Kritik verband er mit einer grundsätzlicheren Beobachtung. „Michael van Gerwen ist ein Weltalent, er hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt“, sagte er sinngemäß. Doch so, wie der Niederländer es aktuell angehe, könne es aus seiner Sicht nicht konstant sein. Talent allein reicht auf diesem Niveau nicht, wenn Fokus, Vorbereitung und Rhythmus nicht zusammenpassen.

Auch die vielen Aktivitäten abseits der Bühne wurden zum Thema. Nach Tagen mit viel Trubel wieder sofort in den Wettkampfmodus zu wechseln, sei mental schwierig. „Du bist in Feierlaune, nur lang lebe der Spaß, und dann musst du plötzlich am Mittwoch ins Flugzeug und am Donnerstag eine Top-Leistung bringen“, sagte der frühere Profi sinngemäß.

Warum die Kritik sportlich relevant ist

Wichtig ist dabei die Einordnung: Es geht nicht darum, van Gerwen persönlich anzugreifen. Der Niederländer hat sich seine Stellung im Dartsport über viele Jahre erarbeitet. Er ist dreimaliger Weltmeister, mehrfacher Premier-League-Sieger und einer der prägendsten Spieler der modernen PDC-Geschichte.

Gerade deshalb werden seine Leistungen anders gemessen als die vieler anderer Profis. Wenn MVG verliert, geht es selten nur um ein einzelnes Ergebnis. Schnell steht die größere Frage im Raum, ob er noch jene Verlässlichkeit besitzt, die ihn früher über lange Phasen so dominant gemacht hat.

Die deutlichste Passage bezog sich auf das Gesamtbild. „Dieses Leben, das er jetzt führt, passt nicht zusammen“, sagte der Viaplay-Experte. Man habe sich das nun mehrere Monate angesehen: In der einen Woche sehe es gut aus, in der anderen Woche wirke es wieder völlig daneben.

Gleichzeitig zog er eine wichtige Grenze. Am Spieltag selbst arbeite der Niederländer durchaus professionell. „Am Matchday macht er alles, was er tun muss, um gut zu sein, nur drumherum nicht“, sagte er. Genau darin liegt der Kern der Kritik: nicht in einer einzelnen Niederlage, sondern in der Verbindung aus Vorbereitung, Formschwankungen und aktueller Tabellenlage.

Leeds wird zur nächsten Antwort am Board

Für Michael van Gerwen kommt die Debatte zu einem sensiblen Zeitpunkt. Die Premier League geht in ihre entscheidende Phase, und am 7. Mai wartet in Leeds ausgerechnet Luke Littler im Viertelfinale. Danach bleiben nur noch Birmingham und Sheffield, bevor am 28. Mai in London die Finals Night gespielt wird.

Sportlich ist für van Gerwen weiterhin alles möglich. Er steht noch auf einem Play-off-Platz und hat genug Erfahrung, um solche Phasen zu drehen. Gleichzeitig ist die Ausgangslage nicht mehr komfortabel. Jonny Clayton und Luke Littler sind bereits für die Finals Night qualifiziert, dahinter bleibt das Rennen um die weiteren Plätze eng.

Gerade deshalb trifft die Kritik einen wunden Punkt. MVG muss nicht beweisen, dass er Darts spielen kann. Das hat er über mehr als ein Jahrzehnt getan. Die Frage ist eher, ob er in den kommenden Wochen wieder jene Stabilität findet, die ihn früher so gefährlich gemacht hat.

Die Debatte beschreibt damit ein sportliches Kernproblem im Endspurt der Premier League: van Gerwen braucht nicht nur einzelne starke Legs, sondern wieder mehr Verlässlichkeit über ganze Abende. Gegen Littler in Leeds bekommt Mighty Mike die nächste Gelegenheit, darauf eine Antwort am Board zu geben.

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