Gian van Veen hat vor Night 12 der Premier League Darts in Liverpool einen Schritt gemacht, den Profis nur selten leichtfertig gehen. Der Niederländer wechselte sein Set – nicht als Experiment ohne Anlass, sondern weil ihn ein körperliches Problem offenbar schon länger beschäftigte. Sein Daumen sei immer wieder aufgerissen gewesen, erklärte van Veen nach seinem Auftritt in Liverpool.
Der Wechsel brachte sofort ein erstes sportliches Signal. Der 24-Jährige besiegte Gerwyn Price im Viertelfinale mit 6:4 und stand anschließend dicht vor dem Finaleinzug. Gegen Jonny Clayton verlor er das Halbfinale zwar knapp mit 5:6, nachdem er selbst einen Matchdart vergeben hatte. Trotzdem zeigte der Abend: Das neue Material kann für „The Giant“ mehr sein als nur eine kurzfristige Lösung.
Laut Interview mit Viaplay war der Materialwechsel für van Veen nicht nur eine Frage des Gefühls. Der Niederländer machte deutlich, dass ihn sein altes Setup zunehmend belastet hatte. „Ich hatte nicht mehr wirklich Spaß mit dem alten Set“, erklärte Gian van Veen. Gerade bei einem Spieler, der stark über Rhythmus und Vertrauen in den Wurf kommt, ist so ein Satz mehr als eine Randnotiz.
Warum der Daumen beim Wurf so wichtig ist
Für Außenstehende klingt ein aufgerissener Daumen zunächst ungewöhnlich. Der Sport wirkt ruhig, kontrolliert, fast statisch. Doch bei Profis entsteht über Wochen und Monate eine enorme Belastung durch Wiederholung: Training, Einwerfen, Matchvorbereitung, Bühnenspiele – immer wieder dieselbe Griffposition, derselbe Druckpunkt und dieselbe Bewegung beim Lösen des Pfeils.
Der Daumen ist dabei häufig einer der entscheidenden Kontaktpunkte am Barrel. Liegt der Pfeil immer an derselben Stelle auf der Haut, kann eine raue Gripstruktur, eine scharfe Kante oder ein ungünstiger Druckwinkel die Haut reizen. Dazu kommen trockene Hände, Schweiß, Reibung und kleine Hautrisse, die sich bei ständiger Belastung nicht richtig erholen. Aus einer kleinen Stelle kann so ein wiederkehrendes Problem werden. Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde van Veen noch konkreter. „Während der WM und der European Championship war mein Daumen sogar aufgerissen. Das musste sich ändern“, sagte der Niederländer. Genau dieser Satz erklärt, warum der Wechsel nicht wie ein normales Materialexperiment wirkt.
Wenn ein Spieler seinen Griff unbewusst verändert, weil eine Hautstelle schmerzt oder aufreißt, kann das den gesamten Wurf beeinflussen: den Druck am Barrel, das Loslassen, die Flugbahn und am Ende auch das Vertrauen in die eigene Bewegung. Ein anderes Barrel kann die Druckpunkte am Daumen verändern. Ein leicht anderer Grip, eine andere Oberfläche oder eine minimal andere Balance können reichen, damit der Pfeil vertraut bleibt, aber nicht mehr ständig dieselbe gereizte Stelle trifft.
Auch Littler wechselte während der Premier League sein Material
Dass Profis während einer laufenden Premier-League-Saison am Material arbeiten, ist nicht ungewöhnlich. Auch Luke Littler sorgte in dieser Saison bereits für Gesprächsstoff, als er seine Entscheidung zum Wechsel erklärte. Bei Littler ging es vor allem um Anpassungen am Setup, Gefühl und Vertrauen in den Wurf.
Bei van Veen liegt der Fall allerdings anders. Hier geht es nicht nur um Timing, Balance oder ein besseres Trefferbild, sondern auch um eine konkrete Belastung an der Hand. Der Niederländer aus Poederoijen musste nicht einfach nur neue Pfeile ausprobieren. Er musste ein Setup finden, das zu seinem Spiel passt und gleichzeitig ein körperliches Problem entschärft.
Suche nach Konstanz
Sportlich kam der Wechsel zu einem wichtigen Zeitpunkt. Der 24-Jährige spielt eine auffällige Premier-League-Saison, steht aber weiter in der Phase, in der starke Auftritte auch regelmäßig in Punkte umgewandelt werden müssen. Der Sieg gegen Price war deshalb mehr als ein gutes Einzelresultat. Er zeigte, dass der neue Satz auf der Bühne funktionieren kann. Er erklärte weiter, dass ihm der direkte Erfolg mit dem neuen Material guttat. „Direkt mit diesen Darts ein Premier-League-Match zu gewinnen, gibt Selbstvertrauen“, sagte van Veen nach dem 6:4 gegen Price. Genau dieses Selbstvertrauen braucht er jetzt, denn gegen Clayton fehlte anschließend nur ein Dart zum Finale.
Das macht den Abend doppelt interessant: „The Giant“ war mit dem neuen Material sofort konkurrenzfähig, verpasste aber dennoch den ganz großen Schritt. Das passt zu seiner bisherigen Premier-League-Saison. Sein Niveau ist da, seine Scoring-Power ist da, aber in den entscheidenden Momenten fehlt noch die letzte Konsequenz.
Liverpool war deshalb kein endgültiger Durchbruch, aber ein erster Beleg. Der Niederländer hat gezeigt, dass der neue Satz auf der Bühne funktioniert. Entscheidend wird nun, ob aus dem besseren Gefühl mehr Kontrolle entsteht – und aus starken Auftritten endlich regelmäßig Ergebnisse werden.







