Dimitri Van den Bergh: Wenn Scham stärker ist als Medienpflicht

Dimitri Van den Bergh ist normalerweise kein Spieler, der auf der Bühne unsichtbar bleibt. Der Belgier tanzt, gestikuliert, lebt von Ausdruck und Emotion. Genau deshalb wirkte sein Schweigen nach Belgiens Fehlstart beim World Cup of Darts so auffällig.

Nach der überraschenden 2:4-Niederlage gegen Hongkong sprach der 31-Jährige nicht mit dem belgischen Sender VTM. Stattdessen musste Mike De Decker die Medienrunde allein übernehmen. Auf dem Papier klingt das nach verweigerter Medienpflicht. In Wahrheit erzählt dieser Moment wohl mehr über Scham, Druck und einen Abend, an dem ein Profi sich selbst kaum wiedererkennt.

Van den Bergh spielte gegen Hongkong nur einen 65er Average. Für einen zweimaligen Major-Sieger ist das nicht einfach ein schwaches Spiel. Es ist ein öffentlicher Absturz auf einer Bühne, auf der ein Land nicht nur einen Einzelspieler, sondern ein Team sieht. Und genau dort wird Darts brutal: Man kann sich nicht auswechseln lassen, nicht hinter zehn Mitspielern verschwinden, nicht in der Kabine untertauchen. Drei Darts, Kamera, Scoreboard. Jeder sieht es.

Van der Voort sieht keine Trotzreaktion

Vincent van der Voort ordnete die Szene im Podcast „Darts Draait Door“ weniger als Arroganz oder Trotz ein. Der frühere Profi erklärte: „Das zeigt, wie tief es Dimitri getroffen hat.“ Dann schob er den entscheidenden Satz nach: „Da ist auch eine gewisse Scham dabei.“

Das ist der Punkt, an dem die Geschichte interessant wird. Man kann von Profis erwarten, dass sie nach Niederlagen sprechen. Das gehört zum Geschäft, gerade bei einem TV-Turnier. Aber es wäre zu billig, diesen Moment nur als „Interview verweigert“ abzuhaken. Manchmal ist ein Spieler nach einem solchen Auftritt nicht rebellisch, sondern schlicht leer.

Van der Voort kennt dieses Gefühl aus eigener Erfahrung. Er erinnerte im Podcast an ein Match gegen Kim Huybrechts beim Grand Slam of Darts, in dem er mit starken Rückenschmerzen spielte und kaum ein Triple traf. Jeder schaut zu, jeder sieht den Absturz, und im Kopf läuft nur noch der Gedanke, dass das gerade nicht passieren darf. Deshalb konnte van der Voort auch nachvollziehen, warum Van den Bergh danach nicht direkt vor die Kamera wollte, um Normalität zu spielen.

Belgien überstand die Gruppenphase später zwar noch, scheiterte aber anschließend mit 7:8 an Nordirland. Bemerkenswert fand van der Voort dennoch, wie schnell sich Van den Bergh wieder fing. „Er schien es sehr schnell verarbeitet zu haben“, sagte der Niederländer. Nur wenige Stunden später stand Van den Bergh wieder auf der Bühne, tanzte und wirkte deutlich gelöster.

Genau darin steckt die zweite Seite dieser Geschichte. Der Abend gegen Hongkong war peinlich, ja. Er war sportlich schwach, keine Frage. Aber er war nicht das Ende einer Geschichte, sondern ein Blick in die Zwischenräume des Profidarts. Dort, wo Spieler nicht nur Averages, Checkouts und Preisgeld sind, sondern Menschen, die mit öffentlichem Scheitern umgehen müssen.

Van den Bergh bleibt ein Spieler, der polarisiert. Sein Auftreten ist nicht jedem angenehm, seine Bühnenenergie wirkt auf manche überdreht. Aber gerade deshalb war dieses Schweigen so interessant. Der „Dreammaker“, sonst sichtbar und laut, wurde nach einem Albtraumabend plötzlich still.

Medienpflicht gehört zum Sport. Scham aber auch. Und manchmal erklärt das zweite mehr über einen Spieler als jede Standardantwort vor der Kamera.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert