Luke Littler hat das World Matchplay 2026 mit einer Rekordwoche geprägt. Der 19-Jährige besiegte Gerwyn Price im Finale mit 18:9 und verteidigte damit die Phil Taylor Trophy. Doch die neun Turniertage in Blackpool boten weit mehr als Littlers nächsten Titel: Ein Neundarter, dramatische Verlängerungen, überraschende Niederlagen und der gesundheitliche Zusammenbruch von Cameron Menzies prägten die Austragung in den Winter Gardens.
Luke Littler spielt ein World Matchplay für die Geschichtsbücher
Bereits in der ersten Runde deutete sich an, welches Niveau Luke Littler in Blackpool erreichen würde. Niko Springer forderte den Titelverteidiger, drehte einen frühen Rückstand und stellte später auf 5:5. Littler übernahm in der entscheidenden Phase jedoch die Kontrolle, gewann mit 10:6 und startete mit einem Average von 109,53 Punkten in das Turnier.
Im Achtelfinale folgte einer der großen Momente des World Matchplay 2026. Gleich im ersten Leg gegen Nathan Aspinall warf der Engländer einen Neundarter. Zweimal traf er die 180, ehe er 141 Punkte über die Doppel-12 löschte. Aspinall ließ sich davon nicht abschütteln, glich zum 7:7 aus und checkte später sogar 170 Punkte. Der Titelverteidiger setzte sich dennoch mit 11:8 durch und spielte einen Average von 113,68 Punkten.
Ab dem Viertelfinale wurden die Ergebnisse zunehmend deutlicher. Josh Rock hielt die Partie zunächst bis zum 6:6 offen, anschließend gewann Littler sieben Legs nacheinander und siegte mit 16:7. Im Halbfinale ließ er Dirk van Duijvenbode beim 17:5 kaum eine Chance. Ein Average von 110,88 Punkten und 16 Maximums unterstrichen, mit welcher Konstanz die Nummer eins der Welt durch das Turnier ging.
Im Finale setzte Littler seine Rekordwoche fort. Gerwyn Price spielte selbst einen Average von 104,97 Punkten, verlor aber deutlich mit 9:18. Der Engländer beendete das Endspiel mit 111,53 Punkten im Schnitt und sechs dreistelligen Checkouts. Sein Turnier-Average von 111,04 Punkten übertraf den bisherigen Rekord von Phil Taylor deutlich. Zudem verbesserte Littler seine eigene Bestmarke auf 66 Maximums.
Nach Phil Taylor und Michael van Gerwen ist der Engländer erst der dritte Spieler, der seinen Titel beim World Matchplay verteidigen konnte. Zuletzt war dies van Gerwen in den Jahren 2015 und 2016 gelungen.
Gerwyn Price kämpft sich aus dem 0:4 bis ins Finale
Der Weg von Gerwyn Price begann beinahe mit einem frühen Aus. Martin Schindler führte in der ersten Runde bereits mit 4:0, ehe der Waliser in die Partie fand. Price kämpfte sich zurück und gewann nach Verlängerung mit 11:9.
Im Achtelfinale zeigte der frühere Weltmeister eine deutlich stabilere Leistung. Gegen Rob Cross setzte er sich mit 11:5 durch und kündigte anschließend die Rückkehr des „alten Gezzy“ an. Auch im Viertelfinale musste Price eine schwierige Phase überstehen. Ross Smith glich nach einem 8:12-Rückstand zum 12:12 aus, doch der Iceman beantwortete die Aufholjagd mit vier Leggewinnen in Folge.
Im Halbfinale erwischte Price gegen Gian van Veen den besseren Start und führte mit 6:1. Der Niederländer verkürzte durch fünf gewonnene Legs auf 6:5, konnte den Waliser aber nicht dauerhaft unter Druck setzen. Price zog erneut davon und machte mit einem 17:10-Erfolg seine Rückkehr ins Endspiel perfekt.
Dort reichte selbst eine starke Leistung nicht aus. Littlers Scoring und die zahlreichen hohen Finishes ließen Price nur wenige Möglichkeiten, das Finale noch einmal offen zu gestalten. Dennoch bedeutete sein zweiter Finaleinzug beim World Matchplay eine deutliche sportliche Bestätigung. Durch den Turnierlauf kehrte Price zudem auf Rang vier der PDC Order of Merit zurück und löste Jonny Clayton wieder als bestplatzierten Waliser ab.
Cameron Menzies erlebt Triumph und gesundheitlichen Zusammenbruch
Kaum eine Geschichte verdeutlichte die Gegensätze dieses World Matchplay so sehr wie das Turnier von Cameron Menzies. In der ersten Runde sorgte der Schotte für eine der größten Überraschungen. Er besiegte den Weltranglistenzweiten Luke Humphries mit 10:7 und beendete die Partie mit einem 170er-Finish. Anschließend bezeichnete Menzies den Erfolg als größten Moment seiner Darts-Karriere.
Nur zwei Tage später nahm sein Turnier ein bitteres Ende. Menzies führte im Achtelfinale gegen Ross Smith mit 2:1, als er sich auf der Bühne plötzlich unwohl fühlte und unsicher auf den Beinen wurde. Smith und die Offiziellen eilten umgehend zu Hilfe. Nach einer Unterbrechung stand fest, dass der Schotte die Begegnung nicht fortsetzen konnte.
Die PDC teilte später mit, dass Menzies unter hohem Blutdruck litt. Dieser habe Schwindel ausgelöst und schließlich zu einer Ohnmacht geführt. Nach der Behandlung durch das medizinische Team konnte er in seine Unterkunft zurückkehren. Menzies meldete sich noch am selben Abend und erklärte, dass es ihm den Umständen entsprechend gut gehe.
Ross Smith zog durch den Spielabbruch ins Viertelfinale ein. Das sportliche Ergebnis rückte an diesem Abend jedoch vollständig in den Hintergrund.
Van Duijvenbode und van Veen prägen die niederländische Woche
Michael van Gerwen gehörte erneut zum Kreis der Titelkandidaten, schied jedoch bereits im Achtelfinale aus. Dirk van Duijvenbode rang den dreimaligen Matchplay-Sieger nach Verlängerung mit 14:12 nieder und feierte einen der größten Erfolge seiner bisherigen Bühnenkarriere.
Im Viertelfinale schien der „Aubergenius“ gegen Gary Anderson frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Van Duijvenbode führte bereits mit 15:8, ehe der Schotte fünf Legs nacheinander gewann. Beim Stand von 15:13 stoppte der Niederländer die Aufholjagd und zog erstmals in das Halbfinale des World Matchplay ein. Dort fand sein starker Turnierlauf gegen Littler ein deutliches Ende.
Auch Gian van Veen erreichte erstmals die Vorschlussrunde in Blackpool. Sein Achtelfinale gegen Wessel Nijman gehörte zu den engsten Begegnungen des Turniers. Nijman fehlte mehrfach nur ein Leg zum Sieg, doch van Veen rettete sich mit einem 148er-Finish und weiteren starken Checkouts. Nach 26 Legs setzte er sich mit 14:12 durch.
Im Viertelfinale bezwang der WM-Finalist James Wade mit 16:13. Erst Price stoppte den Niederländer im Halbfinale. Zwei Oranje-Spieler unter den letzten Vier zeigten dennoch, wie stark sich der niederländische Dartsport inzwischen auch hinter van Gerwen aufgestellt hat.
Springer und Schindler scheiden trotz guter Phasen früh aus
Für die beiden deutschen Teilnehmer endete das World Matchplay bereits in der ersten Runde. Die Ergebnisse erzählen allerdings nur einen Teil der Geschichte.
Niko Springer blieb bei seinem Debüt gegen Littler lange in der Partie. Nach einem 0:2-Rückstand gewann der „Meenzer Bub“ drei Legs nacheinander. Mit Checkouts von 114 und 100 Punkten stellte er später auf 5:5. Erst in der Schlussphase setzte sich der Titelverteidiger entscheidend ab und gewann mit 10:6.
Martin Schindler erwischte gegen Price einen noch besseren Start. Der Deutsche führte mit 4:0 und brachte den früheren Weltmeister früh unter Druck. Price kämpfte sich jedoch zurück und entschied die Verlängerung mit 11:9 für sich.
Damit gelang keinem deutschen Spieler der Einzug in die zweite Runde. Beide Auftritte zeigten aber auch, dass Springer und Schindler selbst gegen die beiden späteren Finalisten konkurrenzfähig waren.
Bunting und Zonneveld eröffnen das Turnier mit einem Sudden-Death-Krimi
Einen Vorgeschmack auf die Dramatik der folgenden Tage gaben Stephen Bunting und Niels Zonneveld bereits am Auftaktabend. Beide lieferten sich ein Duell über die maximal möglichen 25 Legs.
Zonneveld checkte 164 Punkte über das Bullseye und war in der Schlussphase mehrfach nur noch ein Leg vom Sieg entfernt. Bunting rettete sich jedoch immer wieder und erzwang das Sudden-Death-Leg. Dort gelang ihm das entscheidende Break zum 13:12.
In der nächsten Runde war für den Engländer Schluss. Josh Rock setzte sich mit 11:6 durch, bevor er im Viertelfinale an Littler scheiterte.
Beau Greaves holt ihren dritten Titel
Am Finaltag gehörte die Bühne zunächst den acht Teilnehmerinnen des Women’s World Matchplay. Beau Greaves setzte sich im Viertelfinale mit 5:1 gegen Kirsi Viinikainen durch und überstand anschließend einen engen 5:4-Erfolg gegen Gemma Hayter.
Im Finale traf sie auf Fallon Sherrock. Greaves eröffnete die Begegnung mit Checkouts von 148 und 144 Punkten, konnte ihre Gegnerin damit aber nicht abschütteln. Sherrock gewann zwei Legs nacheinander und erzwang beim Stand von 5:5 den Decider.
Im entscheidenden Leg behielt Greaves die Nerven und checkte 56 Punkte zum 6:5. Nach ihren Erfolgen von 2023 und 2024 gewann sie das Women’s World Matchplay damit zum dritten Mal. Zusätzlich sicherte sie sich Startplätze für den Grand Slam of Darts und die Darts-WM 2026/27.
Ein World Matchplay mit Blick auf das kommende Jahr
Das World Matchplay 2026 zeigte nicht nur Littlers außergewöhnliche Dominanz. Price meldete sich in einem großen Endspiel zurück, während van Veen und van Duijvenbode die wachsende niederländische Breite unterstrichen. Menzies erlebte innerhalb von zwei Tagen den größten Erfolg seiner Karriere und ein bitteres gesundheitliches Ende seines Turniers.
Über allem stand jedoch die Frage, wer die Nummer eins auf dieser Bühne künftig stoppen kann. Sollte Littler 2027 erneut in dieser Form nach Blackpool zurückkehren, jagt er seinen dritten Titel in Folge – und das nächste Kapitel seiner bereits außergewöhnlichen Matchplay-Geschichte.










