Stephen Bunting hat vor den US Darts Masters eine spannende Einordnung zu Luke Littler geliefert – und dabei den Vergleich mit Phil Taylor bewusst gebremst. „The Nuke“ wird seit Monaten mit den größten Namen der Darts-Geschichte verglichen, doch er sieht den Weg zu Taylors 16 WM-Titeln alles andere als vorgezeichnet.
„Ich persönlich glaube nicht, dass er 16 WM-Titel gewinnen wird“, sagte „The Bullet“ im Gespräch mit talksport. Der Grund sei nicht fehlendes Talent, sondern die veränderte Leistungsdichte im modernen Darts. „Ich denke, der Standard der Spieler ist heute viel besser, und es gibt deutlich mehr Topspieler.“
Damit stellte Bunting klar: Seine Aussage ist keine Kritik an den 19-Jährigen. Im Gegenteil. Der frühere Masters-Champion traut dem Weltranglistenersten weitere große Erfolge zu. „Er wird definitiv noch ein paar weitere WM-Titel gewinnen. Er hat das Alter auf seiner Seite, und solange er mit beiden Beinen auf dem Boden bleibt, macht er im Moment alles richtig.“
Bunting sieht höhere Dichte an der Spitze
Der entscheidende Punkt ist für den 41-Jährigen die Entwicklung des gesamten Feldes. Früher konnte ein Average um die 100 oft reichen, um ein Turnier tief zu spielen oder sogar zu gewinnen. Heute sei das längst keine Garantie mehr. „Der Standard ist so hoch. Jeder spielt heutzutage ungefähr 100 im Schnitt. Die Zeiten sind vorbei, in denen du mit einem 100er-Average sicher ein Turnier gewonnen hast. Heute kannst du 100 spielen und in der ersten Runde rausgehen“, sagte er im weiteren Verlauf des Gespräches.
Genau diese Breite macht den Taylor-Vergleich aus Sicht von Stephen Bunting schwierig. Phil Taylor dominierte über Jahre eine komplette Ära. Littler dagegen spielt in einer Phase, in der beinahe jede Runde zur Stolperfalle werden kann. Für Bunting ist das kein Argument gegen Littler, sondern ein Hinweis darauf, wie brutal eng die Weltspitze inzwischen zusammengerückt ist.
Auch der 41-Jährige selbst ist Teil dieser Spitze. Bei den US Darts Masters erledigte „The Bullet“ seine Auftaktaufgabe souverän und setzte sich mit 6:2 gegen Alex Spellman durch. Im Viertelfinale wartet nun Luke Humphries – ein Duell, das deutlich mehr Aussagekraft haben dürfte als der Auftakt gegen Spellman.
Neben dem sportlichen Blick auf den 19-Jährigen sprach der Publikumsliebling auch über die Entwicklung des Darts in den USA. Der Madison Square Garden habe ihn bereits im vergangenen Jahr beeindruckt. „Dort zu spielen, ist ehrlich gesagt ein wahr gewordener Traum. Es ist eine ikonische Location“, sagte er. Besonders die Reaktion des Publikums habe gezeigt, dass Darts auch in Amerika funktionieren kann.
Seine Botschaft zu Littler bleibt damit klar: Der junge Engländer kann noch viel gewinnen. Aber Phil Taylors Rekord ist kein Selbstläufer – nicht in einer Zeit, in der selbst ein 100er-Average keine Sicherheit mehr bietet.










