Stephen Bunting: Neues Level im Darts – 100er-Average reicht nicht mehr

Stephen Bunting hat vor dem US Darts Masters 2026 einen bemerkenswerten Blick auf die Entwicklung des Dartsports geworfen. Der Engländer sieht das Niveau an der Spitze so hoch wie selten zuvor – und macht das an einer Zahl fest, die im modernen Darts längst nicht mehr dieselbe Bedeutung hat wie früher.

„Früher konntest du mit einem Average von 100 ein Turnier fast sicher gewinnen. Diese Zeit ist vorbei. Heute kannst du einen Average von 100 spielen und trotzdem in der ersten Runde ausscheiden“, sagte der Engländer im Gespräch mit talksport.

Damit beschreibt „The Bullet“ eine Entwicklung, die in den vergangenen Monaten immer deutlicher geworden ist. Hohe Averages sind längst kein Alleinstellungsmerkmal der absoluten Topstars mehr. Immer mehr Spieler bringen über kurze Distanzen ein Niveau ans Board, das Favoriten sofort unter Druck setzen kann. Gerade auf der European Tour, der ProTour und bei kurzen World-Series-Formaten reichen ein schwacher Start, ein frühes Break oder ein paar verpasste Doppel inzwischen, um ein Match kippen zu lassen.

Für Stephen Bunting ist das auch der Grund, warum große historische Vergleiche schwieriger geworden sind. Ein 100er-Average bleibt stark, aber er ist nicht mehr automatisch ein Statement, das ein Turnier trägt. Im modernen Darts entscheidet immer häufiger die Mischung aus Scoring, Doppelquote, Timing und mentaler Stabilität.

Warum Bunting den Taylor-Vergleich mit Littler schwierig findet

Im Gespräch ging es auch um Luke Littler und den immer wieder gezogenen Vergleich mit Phil Taylor. Bunting redet „The Nuke’“ Klasse dabei nicht klein. Im Gegenteil: Der frühere Masters-Sieger traut dem jungen Superstar weitere große Titel zu und sieht ihn weiterhin als prägende Figur der kommenden Jahre.

Trotzdem glaubt der 41-Jährige nicht, dass Littler eines Tages Taylors Marke von 16 Weltmeistertiteln erreichen wird. „Ich persönlich glaube nicht, dass er 16 Weltmeistertitel gewinnen wird“, sagte der US Darts Masters-Teilnehmer im weiteren Verlauf des Interviews. Der Grund liege nicht an fehlender Klasse bei Littler, sondern an der Breite der heutigen Konkurrenz: „Das Niveau der Spieler ist heute viel besser, und es gibt viel mehr Topspieler.“

Gerade diese Einordnung macht die Aussage interessant. Der World-Series-Starter stellt Littler nicht infrage, sondern beschreibt eine andere Darts-Zeit. Taylor dominierte eine Ära, in der der Abstand zur Konkurrenz oft größer war. Littler trifft dagegen auf ein Feld, in dem immer mehr Spieler regelmäßig 100er-Averages, hohe Checkoutquoten und starke Scoringphasen abrufen können.

Das verändert auch die Bewertung einzelner Ergebnisse. Ein frühes Aus ist nicht automatisch ein Einbruch, ein starker Average nicht automatisch der Beweis für Kontrolle. Wer heute weit kommen will, muss nicht nur gut spielen, sondern im richtigen Moment besser sein als ein Gegner, der selbst kaum noch nachlässt.

US Darts Masters als Test auf kurzer Distanz

Passend dazu steht Bunting beim US Darts Masters 2026 in New York vor einem Format, das genau diese Entwicklung sichtbar machen kann. Im Infosys Theater at Madison Square Garden trifft der Engländer in der ersten Runde auf Alex Spellman. Auf dem Papier geht er als Favorit in das Match, doch gerade die kurze Distanz macht solche Aufgaben gefährlich.

Erste Runde und Viertelfinale werden im Best-of-11-Modus gespielt. Wer zuerst sechs Legs gewinnt, ist weiter. Für die PDC-Stars bedeutet das: Es gibt kaum Anlaufzeit, kaum Raum für längere Schwächephasen und kaum Gelegenheit, einen schlechten Start über viele Legs zu reparieren.

Bunting selbst weiß, wie wichtig in solchen Momenten nicht nur das Scoring, sondern auch der Kopf ist. Im Gespräch sprach er auch über seine Arbeit mit einem Hypnotiseur und Sportpsychologen. Diese Unterstützung habe ihm geholfen, positiver zu denken, Drucksituationen anders anzunehmen und sein Spiel wieder stabiler auf die Bühne zu bringen.

Damit passt seine Analyse zum eigenen Turnierstart. In New York reicht es nicht, der bekanntere Spieler zu sein. „The Bullet“ muss sofort präsent sein, weil ein Außenseiter wie Spellman im kurzen Format nicht über Stunden besser sein muss. Manchmal reichen wenige starke Legs, ein gutes Timing auf die Doppel und ein Favorit, der nicht sofort in seinen Rhythmus findet.

Genau deshalb bleibt Buntings Satz vom 100er-Average hängen. Früher war diese Marke oft der Weg Richtung Titel. Heute kann sie nur noch die Eintrittskarte sein, um überhaupt mit der Spitze Schritt zu halten.

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