Nick Kenny: Die schwere Bürde, Gerwyn Price zu ersetzen

Nick Kenny war beim World Cup of Darts nicht einfach nur der zweite Waliser neben Jonny Clayton. Der 33-Jährige stand in Frankfurt in einer Rolle, die schwerer war als jedes normale Nationaltrikot: Er rückte für Gerwyn Price ins Team – und damit für einen ehemaligen Weltmeister, Major-Sieger und eine der größten Figuren im walisischen Darts.

Genau darin lag die Bürde. „The Last Minute Man“ spielte nicht nur gegen die Gegner am Board. Er spielte auch gegen den Vergleich mit „The Iceman“, gegen die Erwartung von außen und gegen die unausgesprochene Frage, ob Wales mit Gerwyn Price nicht stärker gewesen wäre. Dass Kenny und Clayton am Ende nur knapp mit 7:8 gegen England ausschieden, machte die Geschichte nicht kleiner. Es machte sie eher bitterer.

Der Price-Schatten wird zur Prüfung

Der frühere Profi Matt Edgar griff diesen Punkt im Love the Darts Podcast auf. Laut Oche180 glaubt er, der Tour-Card-Profi sei von Meinungen rund um seine Nominierung beeinflusst gewesen. Social-Media-Kritiker hätten infrage gestellt, ob der Waliser das Niveau von Price ersetzen könne. „Ich glaube, er war von Meinungen beeinflusst. Ehrlich gesagt glaube ich das“, sagte Edgar.

Besonders spannend ist, wie Kenny seine eigene Rolle einordnete. Er habe immer wieder betont, dass er dabei sei, weil Price abgesagt habe. Genau das wirkt menschlich, aber auch verräterisch. Statt die Nominierung als eigene Chance zu setzen, klang immer wieder mit: Eigentlich war hier ein anderer vorgesehen.

Der frühere Profi beschrieb diese Lage sinngemäß als eine Art „Imposter Syndrome“. Das ist keine Diagnose und keine Aussage des Walisers, sondern eine Einschätzung von außen. Gemeint ist eher dieses Gefühl, in einer Rolle zu stehen, die von außen größer wirkt als das eigene Selbstverständnis. Kenny war qualifiziert genug, um für Wales zu spielen. Aber der Schatten von Price stand trotzdem mit auf der Bühne.

Aus dartsinside-Sicht bleibt vor allem der Moment bei 84 Rest hängen. Beim Stand von 6:6 gegen England hatte Kenny die Chance, Wales Richtung Halbfinale zu werfen. Nach der 20 verfehlte er jedoch die einfache 14, die ihm einen Dart auf Bull zum Match gelassen hätte. England blieb im Spiel, erzwang später den Decider und gewann.

Der direkte Übergang zurück in den ProTour-Alltag brachte keine schnelle Antwort. Bei Players Championship 21 in Wigan scheiterte Kenny in der ersten Runde mit 4:6 an Niels Zonneveld. Mit 84,68 Punkten im Average blieb der Waliser auch dort unter dem Niveau, das ein solches Auftaktmatch in seine Richtung hätte kippen können.

Das macht die Geschichte nicht größer, aber runder. Der ProTour-Spieler war beim World Cup nicht allein verantwortlich für das Aus. Wales war nah dran, England war stark, und ein 7:8 gegen Luke Littler und Luke Humphries ist kein Absturz. Doch Frankfurt zeigte, wie schwer eine Rolle werden kann, wenn ein Name fehlt und trotzdem ständig mitschwingt.

Price war nicht dabei – und war für Kenny doch die ganze Zeit präsent. Nach dem frühen PC21-Aus geht es für ihn nun darum, sich wieder aus diesem Vergleich zu lösen und als Einzelspieler die eigene Spur zu finden.

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