Michael Smith: Verletzungen und Formkrise – Matchplay ungewiss

Michael Smith war vor wenigen Jahren noch der Mann, der im Ally Pally alles zusammenbrachte: Weltmeister, Weltranglistenerster, Grand-Slam-Sieger, einer der gefährlichsten Scorer des Darts. Inzwischen ist aus dieser Dominanz eine unangenehme Ranglistenrealität geworden. „Bully Boy“ ist aus den Top 32 der PDC Order of Merit gefallen – erstmals seit 2013.

Der Absturz ist mehr als nur eine kleine Schwankung in der Weltrangliste. Der 35-Jährige liegt demnach zufolge aktuell auf Rang 33 und kommt auf £304.500 Preisgeld in der Weltrangliste. Für einen Spieler mit seiner Vita ist das noch immer ein starkes Niveau. Für die Ansprüche eines ehemaligen Weltmeisters ist es aber ein Warnsignal.

Denn die Rangliste verzeiht im Darts wenig. Alte Preisgeldblöcke fallen aus der Zweijahreswertung, neue Ergebnisse müssen nachgelegt werden. Genau das gelingt Smith seit Monaten nicht konstant genug. 2026 sammelte er bislang nur £53.000 und steht im Year-to-Date-Ranking auf Rang 36. Das ist nicht die Rechnung eines Spielers, der selbstverständlich bei allen großen Turnieren dabei ist.

Verletzungen bremsen Smith immer wieder aus

Die sportliche Krise lässt sich bei „Bully Boy“ nicht allein über Form oder fehlendes Selbstvertrauen erklären. Der Engländer kämpft seit längerer Zeit mit körperlichen Problemen. Wie stark ihn die Beschwerden belasten, machte er bereits nach den ProTour-Turnieren in Milton Keynes deutlich.

„Seit ich die ProTours in Milton Keynes gespielt und das Finale erreicht habe, sind meine Knöchel nicht in einem guten Zustand – mit ständigen Schwellungen und der Tatsache, dass ich vier oder fünf Tage am Stück nicht laufen konnte“, schrieb er in den sozialen Medien. Nach neun Tagen in Deutschland, drei Flügen und 13 Stunden im Zug seien die Probleme erneut aufgetreten, dazu sei noch eine Augeninfektion gekommen.

Auch in einem früheren Gespräch mit Sky Sports sprach Smith offen über seine Behandlung. „Ich trage immer noch die Knöchelstütze, aber ich habe vergangenen Donnerstag alle meine Spritzen bekommen. Ich hatte Cortison in den Knöchelgelenken und im Handgelenk. Auf die Schulter musste ich verzichten, weil ich nur eine Spritze pro Woche bekommen darf“, erklärte der 35-Jährige.

Das ist im Darts besonders tückisch. Ein Spieler wie Smith lebt von Rhythmus, Timing und einem flüssigen Wurf. Wenn Handgelenk, Stand oder Belastung ständig Probleme machen, wird aus kleinen Unsicherheiten schnell ein größeres Gesamtproblem. Training wird schwieriger, Turnierstarts werden zum Risiko, und auf der Bühne fehlt irgendwann die Selbstverständlichkeit.

Der Engländer hatte sich zuletzt sogar aus einem Turnier in Riesa zurückgezogen, um medizinische Behandlung in den Vordergrund zu stellen. Das ist nachvollziehbar – aber sportlich bitter. Wer ohnehin in der Rangliste unter Druck steht, verliert mit jedem ausgelassenen Event auch die Chance, Preisgeld und Sicherheit zurückzuholen.

Warum das World Matchplay jetzt zum Problem wird

Besonders brisant ist die Lage mit Blick auf das World Matchplay. Das Turnier in Blackpool gehört zu den wichtigsten Events des Jahres. Qualifiziert sind die Top 16 der PDC Order of Merit sowie die besten 16 noch nicht qualifizierten Spieler der ProTour Order of Merit. Für Smith bedeutet das: Der große Name allein reicht nicht. Er braucht Ergebnisse.

Gerade hier wird der aktuelle Absturz gefährlich. Smith ist nicht mehr in der komfortablen Position, in der er über seine Weltranglistenstellung praktisch automatisch abgesichert wirkt. Gleichzeitig ist seine Form auf der ProTour nicht stabil genug, um die zweite Qualifikationsroute entspannt wirken zu lassen.

Das macht seine Situation so unangenehm. Der frühere World-Matchplay-Finalist muss nicht nur gesund werden, sondern sofort wieder liefern. Players-Championship-Turniere und European-Tour-Auftritte werden für ihn zu Pflichtaufgaben. Ein Finale hier, ein tiefer Lauf dort – genau solche Blöcke braucht er, um die Rechnung vor Blackpool noch zu drehen.

Natürlich ist der 35-Jährige nicht irgendein Spieler im Mittelfeld. Sein Scoring kann jederzeit zurückkommen, seine Klasse ist nicht verschwunden. Aber die Order of Merit fragt nicht nach Vergangenheit. Sie fragt nach aktuellem Preisgeld. Und dort sieht die Lage derzeit deutlich nüchterner aus als sein Name.

Für Michael Smith ist die Situation deshalb mehr als eine Verletzungsnotiz. Es geht um Status, Turnierzugänge und den Anschluss an die Spitze. Der frühere Weltmeister steht nicht vor dem Karriereende, aber er steht vor einer Phase, in der Ausreden nicht mehr lange helfen. Wenn Körper und Form nicht bald wieder zusammenspielen, wird aus einer Delle in der Rangliste ein echtes Problem.

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