Luke Littler ist auf der European Tour 2026 bislang nur selten zu sehen. Der Weltranglistenerste trat lediglich bei den Turnieren in Polen und Belgien an. Die zahlreichen Veranstaltungen in Deutschland ließ der 19-Jährige dagegen aus. Damit fehlt ausgerechnet der größte Publikumsmagnet des Dartsports regelmäßig auf einer Turnierserie, die von vollen Hallen und der Nähe zu den Fans lebt.
Littlers bislang letzter Auftritt bei einem deutschen European-Tour-Turnier liegt rund 18 Monate zurück. Beim German Darts Grand Prix unterlag er Gian van Veen im Halbfinale mit 4:7. Der Auftritt blieb auch wegen Zwischenrufen und ablehnender Reaktionen aus dem Publikum in Erinnerung. Littler hatte das Verhalten deutscher Zuschauer bereits früher kritisch thematisiert. Seitdem kehrte er zu keinem Turnier der Serie in Deutschland zurück.
Vincent van der Voort griff die Situation nun im Podcast Darts Draait Door auf. So behauptete der frühere Profi, Luke Littler habe seine Abneigung gegen Deutschland bereits deutlich gemacht. Dabei handelt es sich allerdings um Van der Voorts Darstellung und nicht um ein aktuelles, direkt belegtes Littler-Zitat. Der Niederländer sieht dennoch ein grundsätzliches Problem: „Dann fehlt dein bester Spieler schon sehr oft.“
European Tour ist auf ihre größten Namen angewiesen
Littler ist allerdings nicht der einzige prominente Spieler, der 2026 zahlreiche Veranstaltungen ausließ. Luke Humphries bestritt bislang ebenfalls nur zwei Turniere der European Tour. Während der belastenden Premier-League-Phase hatte der frühere Weltmeister angekündigt, mehrere Monate auf entsprechende Starts zu verzichten. Auch Gerwyn Price und Nathan Aspinall waren trotz ihrer großen Popularität nicht regelmäßig dabei.
Für Van der Voort unterscheidet sich die Situation deutlich von Absagen bei der Players Championship. Die Floor-Turniere werden ohne großes Hallenpublikum ausgetragen. Bei der European Tour kaufen dagegen Tausende Zuschauer Eintrittskarten und erwarten, möglichst viele Spitzenspieler auf der Bühne zu sehen. Gleichzeitig sind Preisgeld und Bedeutung der Serie in den vergangenen Jahren gestiegen. „Als Veranstalter willst du die besten Spieler haben“, erklärte Van der Voort im Podcast.
Besonders schwierig könnte die Lage für Ausrichter in der ersten Saisonhälfte werden. Viele Topspieler absolvieren parallel die Premier League, reisen zu lukrativen Einladungsturnieren oder reduzieren ihr Programm wegen der hohen Belastung. Dadurch steigt das Risiko kurzfristiger Absagen. Für Fans, die ihre Tickets frühzeitig kaufen, ist jedoch gerade die Aussicht auf Namen wie Littler, Humphries oder Price ein wichtiger Faktor.
Von einer Krise der European Tour kann noch keine Rede sein. Die Hallen sind weiterhin gut besucht und auch die sportliche Qualität bleibt hoch. Häufen sich die Absagen der bekanntesten Spieler jedoch dauerhaft, müssen PDC und Veranstalter über den Turnierkalender und mögliche Anreize nachdenken. Van der Voorts Schlussfolgerung fällt eindeutig aus: „Das ist eine schlechte Entwicklung.“
Die nächste Bewährungsprobe für die European Tour folgt vom 28. bis 30. August bei der Flanders Darts Trophy in Antwerpen. Da einige Absagen erst kurz vor Turnierbeginn bekannt werden, bleibt bis dahin eine Frage offen: Welche Topstars stehen tatsächlich auf der Bühne – und wer wird diesmal nicht mit von der Partie sein?










