Luke Humphries zwischen Konstanz und Dominanz – was 30 Pro-Tour-Finals wirklich zeigen

Luke Humphries hat auf der ProTour eine Marke erreicht, die viel über seine Entwicklung der vergangenen Jahre erzählt. Mit seinem jüngsten Players-Championship-Erfolg stand der Engländer zum 30. Mal in einem Pro-Tour-Finale. Dafür benötigte er seit seinem ersten Endspiel nur rund fünf Jahre und fünf Monate.

Die Zahl ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil sie zeigt, wie schnell sich Humphries von einem aufstrebenden Spieler zu einer dauerhaften Größe an der Spitze entwickelt hat. 30 Finals in diesem Zeitraum sind weniger Ausdruck einer einzelnen dominanten Phase als vielmehr ein Beleg dafür, wie konstant er sich über Jahre in die entscheidenden Turnierphasen gespielt hat.

Von diesen 30 Endspielen gewann „Cool Hand Luke“ bislang 16. Das entspricht einer Erfolgsquote von rund 53 Prozent. Isoliert betrachtet ist das ein starker Wert. Der Engländer gewinnt mehr als jedes zweite Finale, das er erreicht. Erst im direkten Vergleich mit den extremsten Dominanzphasen der PDC-Geschichte wirkt diese Quote weniger spektakulär.

Die eigentliche Stärke liegt vor dem Finale

Michael van Gerwen gewann 91 seiner 117 Pro-Tour-Finals und kommt damit auf knapp 78 Prozent. Phil Taylor lag mit mehr als 80 Prozent sogar noch darüber. Diese Zahlen zeigen, wie außergewöhnlich effizient beide Spieler ihre Finalteilnahmen in Titel umwandelten.

Für die Einordnung von Humphries sind diese Werte aber eher Messlatte als Urteil. Seine 53 Prozent sind kein Schwachpunkt. Sie zeigen lediglich, dass seine bisherige Karriere anders geprägt ist als die dominantesten Phasen von Taylor und van Gerwen.

Humphries‘ größte Stärke liegt derzeit weniger darin, Finals beinahe automatisch zu gewinnen. Sie liegt darin, sie immer wieder zu erreichen.

Genau das macht seine Bilanz so interessant. Wer innerhalb von gut fünf Jahren 30 Pro-Tour-Finals spielt, braucht nicht nur einzelne Wochen oder Monate auf höchstem Niveau. Dafür ist eine außergewöhnliche Beständigkeit nötig. Formschwankungen, unterschiedliche Gegnerfelder und wechselnde Turnierbedingungen verändern wenig daran, dass die Nummer zwei der Welt regelmäßig bis in die letzten Runden vorstößt.

Das unterscheidet ihn auch von Spielern, die in kurzen Phasen besonders dominant auftreten, deren Leistung über längere Zeiträume aber stärker schwankt. Humphries hat sich bislang vor allem über Dauerhaftigkeit definiert. Seine Erfolge entstehen nicht aus wenigen extremen Hochphasen, sondern aus einer hohen Grundqualität, die ihn immer wieder in Reichweite eines Titels bringt.

Gerade deshalb erzählt die Marke von 30 Finals mehr als die reine Zahl von 16 Turniersiegen. Sie zeigt, wie stark sich seine Karriere in relativ kurzer Zeit verdichtet hat. Humphries musste nicht über ein Jahrzehnt sammeln, um diese Größenordnung zu erreichen. Der Großteil seiner Pro-Tour-Erfolge konzentriert sich auf wenige Jahre, in denen er nahezu dauerhaft zur absoluten Spitze gehörte.

Gleichzeitig sollte der historische Vergleich nicht überstrapaziert werden. Bei Phil Taylor lässt sich auf eine abgeschlossene Karriere zurückblicken, bei Michael van Gerwen auf einen sehr großen Teil seiner Laufbahn. Humphries befindet sich dagegen noch mitten in seiner Karriere. Seine aktuelle Finalquote ist deshalb keine endgültige Größe, sondern lediglich der Stand nach 30 Endspielen.

Schon einige weitere erfolgreiche Finals könnten das Verhältnis deutlich verändern. Entscheidend wird deshalb weniger sein, ob Humphries irgendwann exakt die Quoten von Taylor oder van Gerwen erreicht. Viel interessanter ist, ob er seine derzeitige Finalfrequenz über weitere Jahre halten kann.

Denn genau darin könnte am Ende seine historische Bedeutung liegen.

Taylor und van Gerwen prägten ihre stärksten Phasen durch eine außergewöhnliche Fähigkeit, Finalteilnahmen fast zwangsläufig in Titel zu verwandeln. Humphries bewegt sich bislang eher in eine andere Richtung: Seine Zahlen sprechen für eine Karriere, die von außergewöhnlicher Dauerhaftigkeit an der Spitze geprägt sein könnte.

Die 30 Pro-Tour-Finals sind deshalb weniger ein Beweis dafür, dass Humphries bereits eine vergleichbare Dominanz erreicht hat. Sie zeigen vielmehr, wie schnell er sich eine bemerkenswerte Basis geschaffen hat. Sollte er dieses Tempo über weitere Jahre halten, könnte am Ende nicht eine kurze Phase maximaler Dominanz stehen, sondern eine der konstantesten Spitzenkarrieren seiner Generation.

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