Wessel Nijman: Warum Titel nicht gleich Weltrangliste sind

Wessel Nijman ist längst mehr als nur ein formstarker Name auf der Pro Tour. Der Niederländer spielt eine Saison, die nach Weltklasse aussieht: Titel auf dem Floor, Titel auf der European Tour, konstante Ergebnisse und ein Aufstieg, der kaum noch als Momentaufnahme durchgeht. Trotzdem erzählt die PDC Order of Merit nicht ganz dieselbe Geschichte.

Genau darin sieht Paul Nicholson einen der spannendsten Punkte der bisherigen Saison. Der frühere Profi und heutige Experte nannte Nijman in seinem Halbjahresrückblick den Breakthrough Star des Jahres. „Wenn Luke Littler der größte Name war, dann hat Wessel Nijman den größten Sprung gemacht“, erklärte Nicholson.

Das ist mehr als ein nettes Lob. Nijman hat vor Juli bereits acht Ranking-Titel gewonnen, darunter zwei European-Tour-Turniere. Für Nicholson ist das außergewöhnlich, weil solche Zahlen normalerweise nur mit den ganz großen Namen des Sports verbunden werden. „Acht Ranking-Titel, bevor wir überhaupt Juli erreicht haben, sind außergewöhnlich“, sagte der Engländer.

Nijman zeigt, wie speziell die Order of Merit funktioniert

Der eigentliche Punkt liegt aber tiefer. Die Nummer 14 der Welt  gewinnt Titel um Titel, steht in der Weltrangliste aber weiterhin hinter Spielern, die in den vergangenen Monaten deutlich weniger Turniere gewonnen haben. Für Nicholson ist das kein Angriff auf diese Spieler, sondern ein Hinweis auf die Eigenlogik des PDC-Systems.

„Er hat offengelegt, wie seltsam die Weltrangliste manchmal aussehen kann“, sagte Nicholson über den diesjährigen Slovak-Open-Gewinner im Gespräch mit Sporting Life. Genau dieser Satz trifft den Kern der Debatte. Die PDC Order of Merit misst nicht die aktuelle Form, sondern das erspielte Preisgeld über einen längeren Zeitraum. Wer in der Vergangenheit große Beträge gesammelt hat, bleibt entsprechend länger oben. Wer plötzlich explodiert, muss sich trotz Titelserien erst durch das System nach vorne arbeiten.

Das ist sportlich erklärbar, wirkt aber im Moment trotzdem schief. Der 26-Jährige gehört 2026 zu den erfolgreichsten Spielern des Jahres. Die reine Ranglistenposition bildet diese aktuelle Dominanz aber nur verzögert ab. Genau deshalb entsteht der Eindruck, dass die Tabelle der Gegenwart hinterherläuft.

Nicholson betont dabei ausdrücklich, dass es nicht darum geht, andere Spieler abzuwerten. „Das ist keine Kritik an diesen Spielern“, stellte er im weiteren Verlauf des Gespräches klar. Die Order of Merit belohnt Preisgeld, nicht Titelanzahl. Trotzdem stellt Nijmans Lauf die Frage, ob ein Spieler mit dieser Erfolgsdichte im Ranking nicht sichtbarer abgebildet werden müsste.

Wessel Nijman ist nicht nur ein Spieler in Topform, sondern ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich Form, Titel und Weltrangliste im Darts wirken können. Wer nur auf die Order of Merit schaut, sieht ein starkes Ranking. Wer auf die Saison 2026 schaut, sieht einen Spieler, der längst in die absolute Spitzendebatte gehört.

Nicholson geht sogar noch weiter. Er traut dem Niederländer zu, den nächsten Schritt auch auf der großen Bühne zu machen. „Ich glaube, er hat eine große Chance, noch in diesem Jahr ein Major zu gewinnen“, sagte der frühere Major-Sieger.

Damit verschiebt sich die Frage. Es geht nicht mehr darum, ob Wessel Nijman zur erweiterten Spitze gehört. Es geht darum, wie schnell sein Ranking mit seiner sportlichen Realität gleichzieht. Die Order of Merit wird ihn früher oder später belohnen. Aber seine  Saison zeigt schon jetzt: Titel, Form und Weltrangliste erzählen im Darts nicht immer zur gleichen Zeit dieselbe Geschichte.

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