Es gibt Statistiken, die nett aussehen. Und es gibt Statistiken, bei denen man kurz den Kaffee abstellen sollte. Beau Greaves an der Spitze der PDC-weiten 180er-Liste gehört ziemlich klar zur zweiten Kategorie.
Nach Zahlen von Darts Orakel hat die 22-Jährige in dieser Saison bereits 447 Maxima geworfen. Damit liegt sie vor Kevin Doets, Wessel Nijman, Jonny Clayton, Luke Humphries und Luke Littler. Anders gesagt: Greaves führt keine Frauenwertung an, keine Nebenrangliste und keinen hübsch sortierten Spezialvergleich. Sie steht in einer der sichtbarsten Scoring-Kategorien vor der kompletten PDC-Konkurrenz.
- 1. Beau Greaves: 447
- 2. Kevin Doets: 410
- 3. Wessel Nijman: 386
- 4. Jonny Clayton: 341
- 5. Luke Humphries: 326
- 6. Luke Littler: 324
- 7. Ross Smith: 309
- 8. Chris Dobey: 308
- 9. Kim Huybrechts: 300
- 10. Stephen Bunting: 297
Das ist ein Brett. Aber es ist auch eine Statistik, die man richtig lesen muss. Denn eine 180 allein gewinnt kein Match. Sie schreit laut, sie setzt Druck, sie sieht gut aus auf Social Media – aber sie checkt am Ende kein Doppel. Genau deshalb ist diese Rangliste so spannend: Sie erzählt nicht die ganze Wahrheit über die aus Doncaster stammende Spielerin. Aber sie erzählt genug, um ihre Saison nicht mehr als Randnotiz behandeln zu können.
Greaves vor Littler und Humphries: Das ist kein Zufallstreffer
Normalerweise beginnt eine 180er-Diskussion im Kopf vieler Dartsfans bei Namen wie Luke Littler, Luke Humphries, Ross Smith, Chris Dobey oder Stephen Bunting. Spieler, bei denen man fast automatisch an maximale Aufnahmen denkt. Littler mit seinem brutalen Tempo. Humphries mit seiner maschinenhaften Konstanz. Smith, Dobey und Bunting als Spieler, die ein Leg über das Scoring jederzeit auseinanderziehen können.
Und dann steht da plötzlich Beau Greaves ganz oben.
Genau dieser Kontrast macht die Zahl so stark. Es geht nicht nur darum, dass die 22-Jährige viele 180er wirft. Es geht darum, wen sie in dieser Liste hinter sich lässt. Das ist keine hübsche Begleitnotiz zu einer guten Saison, sondern ein ziemlich klares Signal: Ihr Scoring ist längst nicht mehr nur im Frauen-Darts außergewöhnlich. Es hält auch im offenen Vergleich mit der PDC-Elite stand.
Dass sie in dieser Liste vor Spielern wie Humphries und Littler steht, ist der plakative Teil der Geschichte. Humphries ist seit Jahren eines der komplettesten Pakete im Welt-Darts. Littler ist der Spieler, bei dem jeder zweite Besuch gefühlt nach 180 riecht. Dazu kommen mit Wessel Nijman und Kevin Doets zwei Spieler, die 2026 auf dem Floor regelmäßig brutal viel Druck über das Scoring erzeugen.
Und trotzdem steht Greaves oben.
Das allein macht aus ihr nicht automatisch die beste Spielerin oder den besten Spieler der Saison. Aber es zeigt, dass ihr Scoring längst in einem Bereich angekommen ist, in dem Vergleiche mit der PDC-Elite nicht mehr konstruiert wirken „Beau ’n‘ Arrow“ produziert nicht nur einzelne Highlights. Sie wiederholt sie. Woche für Woche, Turnier für Turnier, Match für Match.
Genau das ist im Profi-Darts der entscheidende Unterschied. Eine 180 kann jeder Topspieler werfen. Eine Phase mit vier, fünf Maxima in wenigen Legs kann auch mal explodieren. Aber über Monate hinweg ganz oben in einer solchen Liste zu stehen, ist etwas anderes. Das ist kein Feuerwerk. Das ist Grundrauschen auf hohem Niveau.
Zu diesem Bild passen auch ihre weiteren Werte. Der First-9-Average liegt bei Greaves deutlich über der 100er-Marke. Bedeutet: Sie kommt früh in Legs regelmäßig in starke Positionen. Sie zwingt Gegner dazu, mitzugehen. Sie macht aus vielen Legs keine Rechenaufgabe, sondern ein Wettrennen. Und genau da entsteht im modernen Darts der Druck, der Matches kippen lässt.
Was die 180er-Liste zeigt – und was sie verschweigt
Trotzdem wäre es zu einfach, aus 447 Maxima eine komplette Rangordnung der Spielstärke abzuleiten. Die 180er-Liste ist keine Weltrangliste. Sie ist keine Formtabelle. Und sie sagt auch nicht automatisch, wer in den großen Momenten die besseren Entscheidungen trifft.
Warum? Weil die Zahl von mehreren Faktoren lebt. Wer viele Matches spielt, hat mehr Chancen auf 180er. Wer längere Turnierläufe hat, sammelt mehr Legs. Wer regelmäßig Formate mit vielen Spielen absolviert, baut zwangsläufig mehr Volumen auf. Dazu kommt: Eine 180 ist der lauteste Teil des Scorings, aber nicht immer der wichtigste. Manchmal gewinnt die 140 nach der 180 das Leg. Manchmal verliert der Spieler mit mehr Maxima, weil der erste Dart aufs Doppel nicht sitzt.
Genau deshalb muss man die Greaves-Zahl nicht kleiner machen – man muss sie genauer machen.
Sie zeigt nicht: Beau Greaves ist automatisch besser als Littler, Humphries oder Nijman. Sie zeigt aber sehr wohl: Beau Greaves erzeugt in dieser Saison mehr maximale Scoring-Spitzen als jeder andere Spieler im PDC-Umfeld. Und das ist eine Aussage mit Gewicht.
Besonders stark wird die Statistik, wenn man sie nicht isoliert betrachtet. Greaves hat 2026 bereits historische Spuren hinterlassen, darunter ihren ersten PDC-Rankingtitel und den nächsten Schritt in Richtung dauerhafter Tour-Etablierung. Die 180er-Liste ist deshalb kein einzelner Ausreißer, sondern ein weiterer Hinweis auf eine Entwicklung, die im Darts immer schwerer zu ignorieren ist.
Greaves ist nicht mehr nur die dominante Spielerin im Frauenbereich, die gelegentlich im größeren PDC-Bild auftaucht. Sie ist inzwischen ein Name, der in offenen Scoring-Vergleichen ganz oben steht. Vor Doets. Vor Nijman. Vor Humphries. Vor Littler.
Und genau darin steckt die eigentliche Wucht dieser Statistik. Nicht in der Zahl allein, sondern in der Verschiebung, die sie sichtbar macht. Beau Greaves wird nicht mehr nur daran gemessen, was sie im Frauen-Darts gewinnt. Sie taucht in den Kennzahlen auf, mit denen man die stärksten Scorer der gesamten Tour diskutiert.
Eine 180er-Rangliste entscheidet keine Karriere. Aber manchmal zeigt sie, wo sich eine Karriere gerade hinbewegt. Bei Beau Greaves zeigt sie aktuell ziemlich deutlich nach oben.










