Kevin Doets: Warum ein 95er-Average plötzlich nicht mehr reicht

Kevin Doets hat bei den Slovak Darts Open 2026 den nächsten Hinweis geliefert, dass seine starke Saison längst kein kurzer Lauf mehr ist. Der Niederländer setzte sich in Bratislava mit 6:2 gegen Damon Heta durch, erreichte damit den Finaltag des European-Tour-Events und spielte dabei einen Average von 95,10 Punkten. Für viele Profis wäre das gegen einen gesetzten Gegner bereits ein Ausrufezeichen. Bei Doets wirkt es inzwischen fast wie ein Arbeitssieg.

„Ehrlich gesagt ist das höher, als ich gedacht hatte“, sagte er nach der Partie im PDC-Gespräch. Er habe sich am Board nicht großartig gefühlt, zudem habe Heta aus seiner Sicht ebenfalls nicht sein bestes Spiel gezeigt. Entscheidend sei deshalb weniger die Zahl gewesen, sondern die Art des Sieges: „Ich habe eigentlich so gut wie alle Chancen genutzt, die ich bekommen habe. Am Ende bin ich einfach froh über den Sieg.“

Genau darin liegt der eigentliche Kern. „Hawkeye“ gewinnt inzwischen Matches, in denen er selbst nicht von seinem besten Gefühl spricht. Gegen Heta reichte keine Gala, sondern ein kontrollierter, konsequenter Auftritt: frühes Break, schnelle Führung, klare Reaktion nach Hetas kurzem Aufbäumen und am Ende Checkouts von 60 und 76 zur Entscheidung. Heta kam mit 89,21 Average nicht dauerhaft in den Rhythmus, Doets nutzte die offenen Türen sofort.

Doets verschiebt die eigenen Maßstäbe

Der Sieg passt zu einer Saison, in der der 28-Jährige seine Position im PDC-Feld sichtbar verändert hat. Der Niederländer, gewann in diesem Jahr bereits seinen ersten Rankingtitel, erreichte ein European-Tour-Finale und spielte mehrfach Averages, die deutlich über der 100er-Marke lagen. Dadurch verändert sich auch die Bewertung seiner Auftritte: Ein 95er-Average gegen Damon Heta ist nicht mehr automatisch der große Ausreißer nach oben, sondern eher ein Arbeitssieg auf neuem Niveau.

Diese Entwicklung ist für Kevin Doets besonders wichtig, weil sie direkt in die großen Turniere hineinwirkt. Im aktuellen World-Matchplay-Race wird er nach den Slovak Darts Open auf Rang 30 geführt, über die ProTour-Wertung liegt er sogar auf Rang 9. Damit ist für ihn nicht mehr nur ein gefährlicher Gegner für einzelne Nachmittage, sondern ein Spieler, der sich zunehmend in Richtung der großen TV-Bühnen schiebt.

Vor einigen Wochen hatte „Hawkeye“ bereits erklärt, wie sehr ihm die neue Ranglistenlage hilft. „Es ist nicht nur die Hoffnung, sich zu qualifizieren. Es ist die Tatsache, dass du einen Tag weniger spielen musst. Es geht nicht nur darum, auf der European Tour spielen zu wollen, sondern auch um den Stress, der mit den Qualifiern kommt“, sagte Doets im Weekly Dartscast.

Auch für die großen TV-Turniere sieht der Niederländer dadurch neue Türen aufgehen. „Sie sind sehr wichtig für die Rangliste, und dort, wo ich jetzt in der Rangliste stehe, öffnen sich so viele Türen für alle Majors, die Top 32 und vielleicht sogar mehr. Ich bin gerade einfach an einem sehr guten Punkt“, erklärte er.

Genau dieser Punkt ist wichtig: Wer sich über die Order of Merit direkter in Turniere schiebt, spart Kräfte, reduziert Druck und bekommt mehr planbare Starts. Für den Spieler ist das mehr als ein netter Nebeneffekt. Er verpasste das World Matchplay vor zwei Jahren knapp um einen Platz. Nun steht er kurz davor, sich aus eigener Kraft in genau jene Turniere zu spielen, die für seine Karriere den nächsten Schritt bedeuten können.

Doets wirkt aktuell wie ein Spieler, der nicht mehr nur froh ist, dabei zu sein. Er erwartet mehr von sich, auch wenn das Ergebnis stimmt. Und genau das ist meistens ein gutes Zeichen: Wenn ein 6:2 gegen Damon Heta mit 95er-Average nicht mehr wie das obere Limit klingt, hat sich der Maßstab verschoben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert