Gerwyn Price steht im Viertelfinale der US Darts Masters – doch nach einem zufriedenen Sieger klang der Waliser nach seinem Auftaktmatch in New York nicht. Der frühere Weltmeister setzte sich im Madison Square Garden mit 6:4 gegen Brayden Hall durch, sprach anschließend aber ungewöhnlich offen über fehlende Motivation, mangelnden Fokus und Ablenkungen abseits des Dartsports.
Sportlich reichte es für den 41-Jährigen zum Weiterkommen. Mit einem Average von 91,83 blieb er zwar unter seinem Topniveau, kontrollierte die Partie aber in den entscheidenden Momenten. Hall, der als bester Kanadier der CDC Order of Merit in New York am Start war, nutzte einige Schwächen des Walisers und führte zwischenzeitlich sogar 3:2. „The Iceman“ fing sich, breakte zurück und machte den Sieg schließlich mit einem 60er-Finish perfekt.
Doch direkt nach dem Match wurde klar: Der Sieg war für ihn eher Pflichtprogramm als Befreiungsschlag.
„Ich hatte einfach keinen Bock, da hochzugehen“, sagte der Waliser im Post-Match-Gespräch nach seinem Auftaktsieg. Für einen Spieler, der sonst oft über Energie, Körpersprache und Intensität kommt, war das eine bemerkenswert offene Aussage.
Price spricht über fehlenden Fokus
Der Gegner sei dabei nicht das Problem gewesen. Der Routinier machte deutlich, dass er vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Er denke im Normalfall nicht groß über seinen jeweiligen Gegner nach, sondern konzentriere sich auf sein eigenes Spiel. Genau dort liegt aktuell aber offenbar das Problem.
„Ich bin mental einfach nicht richtig bei der Sache. Ich spule im Moment eher nur die Abläufe ab“, erklärte der Waliser. Seit einigen Monaten wirke sein Spiel nicht mehr so scharf, wie es zu Beginn des Jahres noch der Fall war. Auch die Vorbereitung habe darunter gelitten.
Ein Grund dafür ist der fehlende Rhythmus auf der Tour. Der 41-Jährige hat nach eigener Aussage zuletzt nicht viel trainiert und spürt offenbar, dass ihm die regelmäßigen Einsätze fehlen. „Die Pro Tours und die European Tour sind das tägliche Brot. Genau das hält dich scharf“, sagte der frühere Weltmeister.
Mit Blick auf die kommenden Wochen ist das durchaus bemerkenswert. Das World Matchplay in Blackpool rückt näher, und Price weiß selbst, dass er mit dieser Einstellung nicht dauerhaft durchkommen wird. Gerade auf Major-Niveau reicht ein kontrollierter Sieg gegen Hall nicht als Maßstab.
Ein Teil der Ablenkung liegt offenbar im privaten Bereich. Gerwyn Price sprach von Dingen rund um sein Zuhause und seine Farm, die ihn derzeit beschäftigen. „Zu Hause laufen Dinge, die mich ein bisschen ablenken“, sagte der Waliser. Wenn er unterwegs sei, wolle er eigentlich zu Hause sein und sehen, dass dort alles vorangehe.
Auch mit seiner Leistung gegen Hall ging „The Iceman“ hart ins Gericht. Einige Legs habe er sich unnötig schwer gemacht, dazu kamen verpasste Chancen, durch die Hall zurück in die Partie fand. „Ich muss mich steigern, wenn ich dieses Turnier gewinnen will – denn das war ziemlich schwach“, sagte Price.
Im Viertelfinale wartet nun James Wade. Für Price ist es die nächste Gelegenheit, sich trotz aller Nebengeräusche in das Turnier hineinzuspielen. Die Ausgangslage ist dabei ungewöhnlich: Der Waliser ist weiter im Rennen, wirkt aber mental längst nicht so stabil wie zu Beginn des Jahres.
New York könnte für Price damit entweder zur schnellen Randnotiz werden – oder zu einem Turnier, in dem er sich trotz fehlender Lust und wenig Rhythmus irgendwie durchbeißt.










