European Darts Grand Prix 2026: Deller fordert nach Pfiffen weniger Deutschland-Events – Ross Smith lobt Fans

Das European-Darts-Grand-Prix-Wochenende in Sindelfingen hat nicht nur sportliche Schlagzeilen produziert, sondern auch die Debatte um das deutsche Publikum neu angefacht. Auslöser waren Szenen aus der zweiten Runde zwischen Dave Chisnall und Gerwyn Price, als es wiederholt Pfiffe und Buhrufe aus dem Publikum gab. Schiedsrichter Huw Ware griff daraufhin sichtbar ein. Keith Deller reagierte anschließend mit der Forderung, Deutschland solle weniger European-Tour-Turniere bekommen.

Die schärfste Reaktion kam vom Ex-Weltmeister selbst. Deller schrieb sinngemäß, Deutschland verdiene diese Zahl an Events nicht, wenn solche Szenen weiter aufträten. Hintergrund ist auch die große deutsche Präsenz im Kalender: Sechs der 15 European-Tour-Events finden in Deutschland statt, dazu kommt im Oktober erneut die European Championship in Dortmund.

Huw Ware musste in Sindelfingen klar eingreifen

Brisant wurde die Lage vor allem durch den Eingriff des Referees auf der Bühne. Huw Ware machte in Sindelfingen deutlich, dass weiter pfeifende Zuschauer sofort aus der Halle entfernt würden. Damit wurde aus einer angespannten Publikumsatmosphäre ein Moment, in dem die Spielleitung öffentlich durchgreifen musste. Es war zudem nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass Ware in Deutschland eingreifen musste. Schon bei der European Darts Trophy in Göttingen hatte er das Publikum in einem entscheidenden Leg zur Ruhe aufgefordert. Die Vorfälle in Sindelfingen stehen damit nicht isoliert, sondern passen in eine Entwicklung, die bei deutschen Euro-Tour-Stopps zuletzt mehrfach Thema war.

Ross Smith setzt nach dem Finale einen klaren Gegenpunkt

Ganz anders fiel die Tonlage nach dem Finale aus. Ross Smith, der in Sindelfingen erst im Endspiel mit 6:8 gegen Gerwyn Price verlor, lobte das Publikum ausdrücklich. Nach Angaben von talksport sagte der Engländer: „Die Fans waren fantastisch“ und bedankte sich dafür, dass sie das ganze Wochenende da gewesen seien. Gerade diese Gegenstimme macht die Debatte interessanter. Smith hatte über das Wochenende selbst ein starkes Turnier gespielt und erst im Finale nach zwischenzeitlicher Führung gegen Price den Kürzeren gezogen. Dass ausgerechnet ein Finalist mit eigener positiver Erfahrung das Publikum so deutlich lobt, setzt einen klaren Kontrast zu Dellers harter Kritik.

Die Diskussion reicht über Sindelfingen hinaus

Dass das Thema nicht erst seit Sindelfingen läuft, zeigte bereits der Euro-Tour-Stopp in Göttingen. Dort richtete Master of Ceremonies Philip Brzezinski nach dem Bunting-Springer-Spiel deutliche Worte an die pfeifenden Zuschauer und machte klar, dass diese Leute „nicht willkommen“ seien. Dass die Debatte zudem nicht nur Deutschland betrifft, zeigte bereits ein Sky-Sports-Bericht vom März. Im Zusammenhang mit Stephen Buntings Niederlage gegen Niko Springer in Göttingen verwies der Sender auch auf lautes Pfeifen bei Premier League Night Six in Nottingham. Sky zitierte Bunting zudem mit der Aussage, das Pfeifen habe das Match „verdorben“ und ihn „wirklich verletzt“.

Trotzdem trifft die Diskussion Deutschland im Moment besonders direkt, weil die PDC hier einen großen Teil ihrer European-Tour-Termine bündelt. Genau deshalb bekommen Dellers Aussagen zusätzliche Schärfe. Gleichzeitig zeigt Smiths Lob, dass das Bild nicht einheitlich ist und das Wochenende in Sindelfingen nicht nur auf die negativen Szenen reduziert werden kann. Unterm Strich bleibt damit eine offene Frage: Sind die Pfiffe in Sindelfingen ein deutsches Problem – oder eher ein Symptom des allgemeinen Darts-Booms in immer größeren Hallen? Deller hat die Debatte mit seiner Forderung nach weniger Deutschland-Events zugespitzt. Ross Smith hat ihr direkt danach eine andere Richtung gegeben. Genau dieser Gegensatz macht das Thema nach dem European Darts Grand Prix so brisant.

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