Dave Chisnall hat schon viele Dinge erlebt, die ein Dartsspiel kippen können. Doppel, die nicht fallen. Gegner, die plötzlich heißlaufen. Phasen, in denen sich das eigene Spiel schwerer anfühlt als es eigentlich sollte. In Kiel kam bei den Baltic Sea Darts Open offenbar noch ein anderer Faktor dazu: das eigene Bauchgefühl.
Nach seiner klaren 1:6-Niederlage gegen Ryan Joyce erklärte „Chizzy“ gegenüber Kwiff, dass er vor dem Match essen gegangen sei und sich anschließend auf der Bühne aufgebläht gefühlt habe. Er sprach selbst von „ein bisschen Dummheit“, weil er vor dem Spiel gegen Joyce noch etwas gegessen habe. Das klingt im ersten Moment fast kurios, beschreibt aber einen Punkt, den Profis nur zu gut kennen: Auf diesem Niveau können kleine Details den Rhythmus verändern.
Für Chisnall war Kiel trotzdem nicht nur Frust. Der Engländer hatte zuletzt sowohl bei den Baltic Sea Darts Open als auch bei Players Championship 20 das Viertelfinale erreicht. Diese beiden Läufe hätten ihm „einen Tritt in den Hintern“ gegeben und gezeigt, dass er weiter Darts spielen könne, sagte er. Genau dieser Satz ist wichtiger als die Mahlzeit vor dem Joyce-Spiel. Der erfahrene PDC-Profi sucht nicht nach einer Ausrede, sondern nach einem neuen Gefühl für sein Spiel.
Wigan bringt noch keine schnelle Antwort
Der Start in die nächste ProTour-Woche brachte allerdings noch keinen Befreiungsschlag. Bei Players Championship 21 in Wigan verlor Chisnall in der Runde der letzten 64 mit 4:6 gegen Tommy Lishman. Der Average war mit 86,74 Punkten erneut nicht das, was man von einem Spieler erwartet, der sich in Richtung World Matchplay noch einmal Luft verschaffen will.
In der PDC Order of Merit wird der 45-Jährige aktuell im Bereich um Platz 25 geführt. Im Rennen um das World Matchplay ist die Lage aber deutlich enger: Der Abstand zu den Qualifikationsplätzen beträgt nur £6.250 – und damit zählt in den kommenden Tagen jeder Lauf.
Dave Chisnall selbst sieht die beiden ProTour-Tage in Wigan und die Slovak Darts Open als Chance, die zweite Saisonhälfte anzuschieben. Gegenüber Kwiff sagte er, er wolle „die Konsequenzen ausblenden und einfach Darts spielen“. Das ist leichter gesagt als getan, beschreibt aber ziemlich genau seine Lage. Wer im Matchplay-Rennen auf der Kante steht, darf die Tabelle nicht ständig mit ans Board nehmen.
Dazu kommt seine eigene Formsuche. Chisnall räumte ein, seit „18 bis 24 Monaten“ nicht sein bestes Darts gespielt zu haben. Gleichzeitig seien die Trainingseindrücke zuletzt besser gewesen. Es geht also nicht nur um ein Essen vor einem Match oder ein frühes Aus in Wigan. Es geht um Vertrauen, Momentum und die Frage, ob der Top-32-Spieler den Schalter noch rechtzeitig umlegen kann.
Der Vorteil für „Chizzy“: Die nächste Chance kommt sofort. Nach PC21 wartet am Mittwoch Players Championship 22. Wenn Chisnall dort tiefer kommt, wirkt das Kiel-Thema wie eine Randnotiz. Wenn nicht, bleibt der Matchplay-Druck vor Bratislava weiter spürbar.










