Beau Greaves: Zu wenige Chancen auf der großen Bühne

Beau Greaves schreibt in ihrer ersten Saison als Tour-Card-Inhaberin Darts-Geschichte. Auf den großen Bühnen ist die 22-Jährige bislang dennoch nur selten zu sehen. Nach ihrem dritten Titel beim Women’s World Matchplay fordert Sky-Sports-Experte Chris Murphy deshalb mehr Möglichkeiten für die besten Spielerinnen.

„Beau ’n‘ Arrow“ setzte sich im Finale von Blackpool mit 6:5 gegen Fallon Sherrock durch. Nachdem sie bereits mit 5:3 geführt hatte, erzwang Sherrock noch den Decider. Dort behielt die 22-Jährige die Nerven und verwandelte 56 Punkte über die Doppel-10 zum Titelgewinn. Zuvor hatte sie Kirsi Viinikainen mit 5:1 bezwungen und ihr Halbfinale gegen Gemma Hayter ebenfalls erst im letzten Leg gewonnen.

Für Murphy zeigen die teilweise engen Auftritte auch ein grundsätzliches Problem. Greaves sammelt auf der ProTour regelmäßig Erfahrungen gegen die besten Spieler der Welt, erhält aber weiterhin nur wenige Gelegenheiten, unter TV-Bedingungen und vor großem Publikum anzutreten. „Frauen sollten mehr Möglichkeiten bekommen, auf der großen Bühne zu spielen“, erklärte er im Sky-Sports-Podcast „Love the Darts“.

Und fügte hinzu: „Ob das durch weitere Frauen-Majors oder durch Startplätze für die besten Spielerinnen der Women’s Series bei den großen Turnieren geschieht: Das muss auch außerhalb der Weltmeisterschaft und des Women’s World Matchplay passieren.“

Weiter sagte er dazu: „Wenn diese Möglichkeiten nicht da sind, ist es für sie sehr schwierig, auf der Bühne einen Rhythmus zu finden. Momentan ist sie auf solche Auftritte zwei- oder dreimal im Jahr beschränkt.“

Tatsächlich bestand Greaves’ gesamtes Women’s World Matchplay aus lediglich 26 Legs, verteilt auf drei Partien an einem einzigen Nachmittag. Die Engländerin räumte nach ihrem Titelgewinn selbst ein, dass ihre Leistungen auf der Bühne noch nicht das Niveau ihrer Auftritte auf dem Floor erreichen.

Die Diskussion reicht dabei über die 22-Jährige hinaus. Die PDC hat mit der Women’s Series zwar einen festen Qualifikationsweg zur Weltmeisterschaft und zum Grand Slam geschaffen, doch regelmäßige Auftritte bei den übrigen TV-Turnieren bleiben die Ausnahme. Gerade für Spielerinnen, die sich sportlich zunehmend auf der offenen ProTour behaupten, entsteht dadurch eine Lücke zwischen Floor-Erfahrung und Bühnenpraxis. Greaves ist derzeit das deutlichste Beispiel dafür, wie weit beide Bereiche auseinanderliegen können.

Auf dem Floor hat „Beau ’n‘ Arrow“ 2026 bereits mehrere historische Marken gesetzt. Im Februar gelang ihr gegen Mensur Suljovic als erster Frau ein Neun-Darter auf der PDC ProTour.

Zwei Monate später gewann sie das Players Championship 11 und wurde damit zur ersten weiblichen Siegerin eines PDC-Ranglistenturniers. Auf dem Weg ins Finale bezwang Beau Greaves mit Rob Cross und Gary Anderson zwei frühere Weltmeister. Im Endspiel setzte sie sich mit 8:7 gegen Michael Smith durch und entschied die Partie mit einem 142er-Finish.

Im Juli qualifizierte sich sie als erste Frau für die European Tour. Nach Tickets für die Hungarian Darts Trophy und die Czech Darts Open erreichte sie auch die Flanders Darts Trophy. Erst beim Qualifier zur Swiss Darts Trophy endete ihre Serie mit einem 3:6 gegen Owen Bates.

Auf der European Tour erhält die Engländerin weitere Gelegenheiten, ihre starken Floor-Leistungen vor größerem Publikum zu bestätigen. Murphys Kritik bleibt dennoch berechtigt: Greaves spielt inzwischen regelmäßig auf Major-Niveau – bislang aber nur selten unter Major-Bedingungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert