Barry Hearn vor Liverpool: Profis müssen mit Pfeifkonzerten klarkommen

Kurz vor dem Premier-League-Abend in Liverpool hat Barry Hearn, Gründer und Präsident von Matchroom Sport, dessen Unternehmen im Darts seit Jahren eng mit der PDC verbunden ist und weithin als prägende Kraft im Hintergrund gilt, den Ton in der Debatte um Pfeifkonzerte deutlich verschärft. Wie The Sun berichtet, sagte Barry Hearn, die Profis müssten sich daran „get used to it“ und dürften den Störern nicht noch mehr Aufmerksamkeit geben. Zugleich bezeichnete er die betreffenden Zuschauer als „total numpties“.

Damit ist Hearns Botschaft klarer als jede allgemeine Fairness-Mahnung. Er hält das Verhalten für daneben, glaubt aber nicht daran, dass sich das Problem mit großen Gesten oder harter Symbolpolitik lösen lässt. Nach seiner Sicht bringt es wenig, die Störer größer zu machen, wenn genau das die Lage weiter anheizen kann. Genau deshalb setzt er vor allem auf Professionalität auf der Bühne.

Die Debatte hat längst konkrete Beispiele geliefert

Ausgelöst wurde die neue Runde der Diskussion vor allem durch mehrere Vorfälle in den vergangenen Wochen. In Sindelfingen musste Schiedsrichter Huw Ware beim European Darts Grand Prix eingreifen, nachdem anhaltende Pfiffe die Atmosphäre spürbar beeinflusst hatten. Berichten zufolge stellte er sogar weitere Maßnahmen in Aussicht, falls das Verhalten nicht aufhören sollte. Schon zuvor hatte es in Göttingen Ärger gegeben, als Stephen Bunting bei seinem Match gegen Niko Springer unter Pfeifkonzerten spielte. Auch diese Szene wurde später als Beispiel dafür aufgegriffen, wie schnell sich das Publikum in den Mittelpunkt drängen kann.

Dazu kam zuletzt die gereizte Stimmung rund um Luke Littler. Nach seinem Auftritt in Rotterdam wurde erneut darüber gesprochen, wie stark sich große Premier-League-Abende atmosphärisch aufladen können und wie schnell einzelne Reaktionen im Publikum eine Partie mitprägen. Genau deshalb wirkt Hearns Aussage kurz vor Liverpool nicht wie ein isolierter Kommentar, sondern wie eine Reaktion auf eine Entwicklung, die sich zuletzt mehrfach gezeigt hat.

Hearn verurteilt die Störer – und schützt trotzdem nicht vor der Realität

Der interessanteste Punkt an Hearns Aussagen liegt genau in diesem Widerspruch. Er nimmt die Störer nicht in Schutz, aber er verspricht den Spielern auch keinen Schutzraum. Stattdessen sagt er sinngemäß: Das gehört inzwischen zu einem Teil der Realität großer Darts-Abende dazu, und wer oben mitspielen will, muss damit umgehen können. Die Botschaft ist unbequem, aber sie passt zu Hearns grundsätzlicher Linie, dass eine überdrehte Reaktion oft nur noch mehr Unruhe erzeugt.

Damit ist das Thema längst größer als ein paar störende Pfiffe in einzelnen Legs. Es geht inzwischen auch um die Frage, wie weit der Darts-Boom die Atmosphäre verändert hat — und wie viel davon die Profis aushalten müssen, ohne dass die sportliche Linie verloren geht. Genau deshalb trifft Hearns Aussage vor Liverpool einen empfindlichen Punkt: Die Störer nennt er „total numpties“, von den Profis verlangt er trotzdem, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Vor Liverpool liegt die Debatte offen auf dem Tisch

Die offizielle PDC-Vorschau für Night 12 erwähnt das Crowd-Thema nicht ausdrücklich, aber die Bühne dafür ist längst gebaut. Liverpool bringt Heimdruck für Stephen Bunting, zusätzliche Spannung rund um Luke Littler und ein Publikum, das an einem solchen Abend automatisch genauer beobachtet wird als sonst. Hearns Aussagen kommen also nicht in eine ruhige Woche, sondern mitten in einen Premier-League-Abend, bei dem jede ungewöhnliche Reaktion im Publikum sofort wieder Teil der Geschichte werden kann.

Genau deshalb bleibt das Thema vor Liverpool so heikel. Hearn hat die Pfeifer nicht verteidigt, aber er hat auch keinen Zweifel daran gelassen, dass die Profis damit leben müssen. Für den Sport ist das eine klare, harte Ansage. Für den Abend in Liverpool heißt das vor allem: Die Debatte läuft längst mit auf die Bühne.

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