Mike De Decker hat bei den Slovak Darts Open wieder gezeigt, warum er im PDC-Feld mehr ist als ein gefährlicher Name auf dem Papier. Der Belgier setzte sich in Bratislava zunächst mit 6:2 gegen William O’Connor durch und spielte dabei einen Average von über 107 Punkten. Nach Monaten ohne Sieg auf der European Tour war das nicht nur ein Ergebnis, sondern ein deutliches Signal.
Der frühere World-Grand-Prix-Sieger glaubt, dass ein kleiner Materialwechsel dabei eine große Rolle spielt. Vor dem World Cup habe er auf kürzere Points umgestellt, erklärte De Decker im PDC-Interbiew. „Beim World Cup hat es funktioniert, und jetzt hat es wieder funktioniert. Also werde ich definitiv bei diesen Points bleiben“, sagte der Belgier.
Das klingt nach Detailarbeit, ist im Darts aber oft genau der Unterschied. Ein anderer Grip im Board, ein anderes Gefühl beim Herausziehen, ein minimal veränderter Winkel beim Einschlag – all das kann bei einem Spieler, der über Timing und Vertrauen kommt, plötzlich viel auslösen. De Decker wirkte gegen O’Connor jedenfalls nicht wie ein Spieler, der lange über seine Form nachdenken musste.
Besonders wichtig war aus seiner Sicht, dass er nicht aus dem Rhythmus fiel, als O’Connor mit einer 180 in die Partie fand. „Es fühlte sich gut an, dass ich nicht in Panik geraten bin, als Willy eine 180 warf und in seinen Flow kam. Ich habe trotzdem weiter gut gespielt“, erklärte De Decker. Genau das ist bei ihm der interessante Punkt: Wenn sein Spiel frei läuft, hat er genug Scoring-Power, um Matches sehr schnell in seine Richtung zu ziehen. Wenn der Kopf dazukommt, wird er für fast jeden Gegner unangenehm.
De Decker sucht wieder den Mike von 2024
Der Auftritt gegen O’Connor war kein isolierter Moment. Auch danach blieb De Decker im Turnier. Gegen Ryan Joyce setzte er sich mit 6:5 durch und checkte im Entscheidungsleg 104 Punkte. Erst im Viertelfinale war gegen den späteren Turniersieger Wessel Nijman Schluss. Damit endete der Lauf zwar vor dem ganz großen Wochenende, aber die Richtung stimmte wieder.
„The Real Deal“ ordnete seine Form selbst klar über das Material ein. „Ich hatte gerade einen 107er-Average, also muss jetzt etwas funktionieren“, sagte er und fügte hinzu: „Ich führe es auf die Points zurück, weil ich vor ein paar Wochen zu ihnen gewechselt bin und jetzt gut spiele.“ Auf der ProTour habe er ebenfalls schon ordentlich gespielt, „nicht konstant genug, aber gut“. Nun wolle er vorerst bei diesem Setup bleiben.
Genau diese Einschränkung ist wichtig. Ein starkes European-Tour-Wochenende macht noch keine komplett stabile Saison. Aber es kann ein Startpunkt sein. De Decker weiß selbst, wie hoch sein Niveau sein kann. 2024 spielte er sich mit dem World-Grand-Prix-Titel in eine andere Wahrnehmung. Danach wurde aber auch deutlicher, dass der nächste Schritt nicht nur darin besteht, einmal ein großes Turnier zu gewinnen, sondern diese Qualität regelmäßig wieder abzurufen.
Seine eigene Formulierung ging in genau diese Richtung. „Hoffentlich kann ich das für den Rest des Jahres wiederholen“, sagte der 30-Jährige. Nach einigen Rückschlägen hoffe er, „dass wir von jetzt an zum Mike von 2024 zurückkehren können.“ Das ist ein interessanter Satz, weil er nicht nach Ausrede klingt. Er beschreibt einen Spieler, der weiß, dass sein bestes Niveau schon da war – und dass er gerade versucht, den Weg dorthin wiederzufinden.
Die kürzeren Points sind dabei nicht die ganze Erklärung, aber ein greifbares Symbol. Darts ist in solchen Phasen selten nur Technik oder nur Kopf. Es ist das Zusammenspiel aus Gefühl, Vertrauen, Timing und Ergebnis. Wenn ein kleiner Materialwechsel einem Spieler wieder das Gefühl gibt, am Board Kontrolle zu haben, kann daraus schnell mehr werden als ein technisches Detail.
Für De Decker kommt dieser Aufwärtstrend zur richtigen Zeit. Die großen Turniere des Sommers und Herbstes rücken näher, die Konkurrenz im Feld wird nicht kleiner, und Spieler wie Wessel Nijman, Gian van Veen oder Kevin Doets erhöhen den Druck aus der nächsten niederländisch-belgischen Formwelle. Wer dort nicht nur dabei sein, sondern wieder gefährlich werden will, braucht mehr als einzelne gute Legs.
Bratislava war für „The Real Deal“ deshalb kein fertiger Neustart, aber ein gutes Zeichen. Ein 107er-Average, ein Decider-Checkout gegen Joyce und ein Viertelfinale gegen den späteren Champion sind genug Hinweise, dass sein Spiel wieder in die richtige Richtung zeigt. Ob die kürzeren Points wirklich der Schlüssel sind, wird erst die nächste Phase zeigen. Aber im Moment spricht einiges dafür, dass De Decker wieder etwas gefunden hat, woran er glauben kann.









