Michael van Gerwen hat zuletzt Ergebnisse geliefert, die auf den ersten Blick nach Aufschwung aussahen. Der Niederländer gewann die Nordic Darts Masters, stand mit Gian van Veen im Finale des World Cup of Darts und wirkte phasenweise wieder deutlich präsenter. Doch genau darin liegt das Problem: Die starken Wochen kamen an Stellen, die seiner Ranglistenlage kaum helfen.
Weder die World Series noch der World Cup zahlen auf die PDC Order of Merit ein. Für van Gerwen bedeutete das: gute Bilder, gute Momente, aber kein Rankingpreisgeld. Gerade für einen Spieler, der in diesem Jahr wieder mehr Druck auf seiner Ranglistenposition hat, ist das eine unangenehme Rechnung.
Vincent van der Voort sieht die Lage deshalb weiter kritisch. Im Podcast Darts Draait Door erklärte der frühere PDC-Profi, van Gerwen habe beim World Cup wieder wie der alte „Mighty Mike“ gewirkt. Eine Woche später bei der European Tour in der Slowakei sei davon aber deutlich weniger zu sehen gewesen.
Van der Voort vermisst Konstanz
Der heutige Analyst macht die Kritik nicht an einem einzelnen Turnier fest. Ihm geht es um das größere Bild. Van Gerwen hatte zuletzt erneut Players-Championship-Turniere ausgelassen. Dafür habe es zwar einen konkreten Grund gegeben. „Da konnte er wenig dafür. Er hatte eine Entzündung, das musste alles geregelt werden“, sagte van der Voort.
Trotzdem bleibt für ihn die grundsätzliche Frage. „Aber es geht einfach um das Gesamtbild. Und ja, diese Zahlen lügen nicht“, erklärte der Niederländer. Genau dieser Satz trifft den Kern. Van Gerwen kann sich gute Auftritte bei Einladungsturnieren leisten, sportlich helfen sie ihm aber nur bedingt weiter, wenn die Ranglistenturniere nicht gleichzeitig neues Preisgeld bringen.
Bei den Slovak Darts Open kam van Gerwen anschließend nur mühsam an Krzysztof Ratajski vorbei und verlor danach gegen Andrew Gilding. Für van der Voort passt das nicht zu dem Eindruck, den der dreimalige Weltmeister kurz zuvor noch vermittelt hatte. „Wie kann es sein, dass du letzte Woche so scharf bist, jedes Mal so schnell in deinen Rhythmus kommst und mit einer bestimmten Drive spielst, und dass es jetzt nicht klappt?“, fragte er.
Das Rankingproblem bleibt
Die Zahlen zeigen, warum diese Phase für van Gerwen wichtig ist. Laut Dartsrankings stehen bei ihm aktuell £714.250 in der PDC Order of Merit. Davon stammen aber nur £88.000 aus dem Jahr 2026. Ein großer Teil seines aktuellen Rankings wird also noch von älteren Preisgeldblöcken getragen.
Genau deshalb sind ausgelassene Players Championships und schwächere European-Tour-Auftritte für den dreimaligen Weltmeister nicht nur normale Formschwankungen. Sie können in der Zwei-Jahres-Wertung schnell unangenehm werden, wenn nicht regelmäßig neues Rankingpreisgeld nachkommt.
Van der Voort sieht vor allem die mentale Schärfe als entscheidenden Punkt. Beim World Cup habe van Gerwen wieder diese alte Einstellung gezeigt. „Vor allem diese Einstellung, diese Mentalität, diese Über-meine-Leiche-Mentalität, um zu gewinnen. Ja, er war beim World Cup wieder da, da stand wirklich wieder der alte van Gerwen“, sagte er.
Auf der European Tour habe dieser Eindruck dagegen gefehlt. Van der Voort verwies zwar darauf, dass das Umfeld nicht ideal gewesen sei, weil vor van Gerwens Partie auch die niederländische Fußball-Nationalmannschaft spielte. Als Entschuldigung will er das aber nicht gelten lassen. „Dann musst du trotzdem professionell genug sein, dann musst du einfach deine Arbeit machen“, erklärte der ehemalige PDC-Profi.
Für den 37-Jährigen ist die Lage damit komplizierter als ein einfacher Formcheck. Er hat gezeigt, dass sein Topniveau noch da ist. Aber er zeigt es nicht konstant genug dort, wo es für seine Rangliste zählt. Gute Wochen sind wichtig. Für die Order of Merit braucht „Mighty Mike“ aber wieder gutes Preisgeld an den richtigen Orten.










