Jules van Dongen hat seine Geschichte nicht einfach im stillen Kämmerchen verarbeitet. Der in den USA lebende Niederländert, fuhr rund 4.800 Kilometer quer durch Amerika, um auf Dystonie aufmerksam zu machen. Wie der Kansas City Star berichtet, führte ihn seine Tour von Kalifornien bis nach Virginia – mit Darts-Stopps, Gesprächen und einer klaren Botschaft.
Der Hintergrund ist schwerwiegend. Der 35-Jährige kämpft mit einer aufgabenspezifischen Dystonie, einer neurologischen Störung, die bei ihm ausgerechnet die Bewegung betrifft, die für seine Darts-Karriere zentral war: das Greifen und Halten des Darts. Der frühere Tour-Card-Holder merkte zunächst nur, dass mit seiner rechten Hand etwas nicht stimmte.
„Zuerst dachte ich, es sei ein Griffproblem“, sagte „The Dutch Dragon“ dem Kansas City Star. „Mein Daumen wollte im Grunde nicht mehr mitmachen.“ Was zunächst wie eine technische Kleinigkeit klang, entwickelte sich zu einem Problem, das seine Karriere komplett veränderte.
Vom Oche aufs Fahrrad
Van Dongen suchte lange nach Antworten. Physiotherapie, Akupunktur, Hypnotherapie, Sportpsychologie, Nervenuntersuchungen und MRTs brachten zunächst keine Lösung. Erst über eigene Recherche stieß er auf den Begriff Dystonie, später wurde die Diagnose von einem Neurologen bestätigt.
Für einen Profisportler, dessen Spiel von Wiederholung, Gefühl und Vertrauen in dieselbe Bewegung lebt, war das ein massiver Einschnitt. „Akzeptanz war der schwierigste Teil“, sagte er und fügte hinzu: „Ich hatte das Gefühl, meine Karriere sei im Aufstieg. Plötzlich wurde mir der Boden unter den Füßen weggezogen.“
Aus dieser Leere entstand schließlich das Projekt Pedals & Points. Der 35-Jährige, der in die USA ausgewandert ist, verband seine Leidenschaft fürs Radfahren mit seiner Darts-Geschichte und machte daraus eine Tour quer durch die USA. Laut Dystonia Medical Research Foundation startete die Aktion in Santa Monica und führte bis nach Yorktown. Unterwegs spielte er Darts, traf Menschen, dokumentierte seine Reise und sammelte Geld für die Forschung.
Die Fahrt war alles andere als eine symbolische Spazierfahrt. Der Kansas City Star berichtet von 76 Tagen auf dem Rad, Schotterwegen in Kalifornien, langen Highway-Passagen in New Mexico, wilden Hunden in Kentucky und insgesamt 14 platten Reifen. Am Ende kamen laut Bericht 14.500 Dollar für die Dystonia Medical Research Foundation zusammen.
Für „The Dutch Dragon“ ging es aber nicht nur ums Geld. „Ich brauchte etwas. Ich brauchte einen Zweck. Ich brauchte ein Ziel“, erklärte er. Genau dieses Ziel fand er auf dem Fahrrad – und offenbar auch wieder ein Stück weit im Darts.
Van Dongen will mit links zurück
Während seiner Reise spielte van Dongen immer wieder mit lokalen Darts-Spielern. Ohne Rankingdruck, ohne Preisgeldrechnung, ohne das Gefühl, dass jedes Leg über seine Karriere entscheidet. Gerade das half ihm offenbar, den Sport neu zu sehen.
„Ich merkte, dass das Teilen meiner Geschichte vielen Menschen half“, sagte van Dongen. Gleichzeitig habe ihm die Reise auch selbst etwas zurückgegeben: „Auf dieser Reise habe ich definitiv wieder gelernt, Spaß am Darts zu haben.“
Ganz aufgegeben hat Jules van Dongen seine sportlichen Ziele ohnehin nicht. Weil seine Dystonie die rechte Hand betrifft, versucht er nun einen ungewöhnlichen Weg: Er lernt Darts mit links neu. Nach neun Monaten Training weiß er, dass dieser Weg lang wird. „Du lernst alles von Grund auf neu“, erklärte er.
Ob daraus tatsächlich noch einmal ein professionelles Comeback entsteht, ist offen. Doch van Dongens Geschichte ist längst mehr als eine sportliche Randnotiz. Sie handelt von einem Spieler, dem seine vertraute Bewegung genommen wurde – und der sich trotzdem ein neues Ziel gesucht hat. Nicht am Oche, sondern zunächst auf dem Fahrrad.










