Jermaine Wattimena hat bei den Slovak Darts Open nicht nur sportlich ein Zeichen gesetzt. Der Niederländer trat in Bratislava mit einem neuen Shirt auf, das für ihn deutlich mehr bedeutet als ein veränderter Look. Statt seines gewohnten Blaus spielte der 38-Jährige in einem rot geprägten Design mit blauen Ärmeln sowie weißen und grünen Streifen. Die Farben verweisen auf Ambon, eine indonesische Insel, von der ein Teil seiner Familie stammt. „Es gibt eine kleine Insel in Indonesien, die Ambon heißt. Deshalb bin ich halb und halb“, erklärte „The Machine Gun“ im Oche180-Interview. Kurz danach brachte er die Bedeutung des Shirts auf einen einfachen Satz: „Da komme ich her.“
Damit war der neue Auftritt kein modischer Nebenschauplatz, sondern ein Stück Herkunft auf der Bühne. Und ausgerechnet an diesem Wochenende platzte auf der European Tour ein kleiner Knoten. Wattimena erreichte in Bratislava erstmals in dieser Saison ein Viertelfinale auf der European Tour. Zuvor hatte er acht European-Tour-Events in Serie ohne Einzug in die Runde der letzten Acht gespielt. Bei den Slovak Darts Open schlug er Dave Chisnall und Danny Noppert und zog damit erstmals 2026 auf dieser Bühne in ein Viertelfinale ein.
Für Wattimena war das sichtbar mehr als ein normales Ergebnis. „Ich stehe zum ersten Mal in diesem Jahr im Viertelfinale, endlich bin ich hier“, sagte er im weiteren Verlauf des Gespräches. Der Satz klingt nach Erleichterung, aber auch nach Druck, der sich über Wochen aufgebaut hat.
Wattimena kämpft nicht nur mit Gegnern
Interessant wird die Geschichte nicht durch das Shirt allein, sondern durch das, was Wattimena über die vergangenen Monate sagt. „Die letzten drei Monate habe ich wirklich hart mit mir selbst gekämpft“, erklärte der Niederländer. Wenn er sich selbst wiederfinde, sei das sehr gut. „Wenn nicht, muss ich weiterkämpfen, mehr denn je. Aber ich werde zurückkommen und erreichen, was mein Level ist.“
Das ist der eigentliche Kern dieses Auftritts. Der 38-Jährige ist ein Spieler, der über Tempo kommt, über Rhythmus, über Präsenz. Wenn dieses Spiel läuft, kann er Gegner unter Druck setzen, bevor sie richtig in ein Match finden. Wenn es nicht läuft, wirkt dieselbe Geschwindigkeit manchmal wie ein Kampf gegen den eigenen Kopf. In Bratislava bekam er zumindest für ein Wochenende wieder mehr von der ersten Version auf die Bühne.
Dass er Chisnall und Noppert schlug, ist dabei nicht nebensächlich. Beide sind erfahrene Spieler, beide können ein Match mit Scoringphasen an sich ziehen. Wattimena musste also nicht nur ein gutes Gefühl finden, sondern es gegen Gegner halten, die solche Läufe normalerweise schnell bestrafen.
Seine Saison ist ohnehin nicht so einfach, wie ein kurzer Blick auf einzelne TV-Ergebnisse vermuten lässt. Auf der ProTour erreichte Wattimena 2026 bereits die Finals der Players Championship 12 und 17. Auf den großen TV-Bühnen steht er in dieser Saison dagegen bislang nur bei zwei Siegen, beide bei seinem Lauf in die dritte Runde der Weltmeisterschaft. Genau diese Lücke macht Bratislava wichtig: Wattimena braucht nicht nur gute Tage auf dem Floor, sondern sichtbare Bestätigung auf Bühnen, die näher an den großen Turnieren liegen.
Der neue Look gibt dieser Entwicklung eine sichtbare Ebene. Ambon auf dem Shirt, mehr Farbe im Auftreten, dazu ein sportlicher Schritt nach vorne: Das ist kein Beweis, dass jetzt automatisch alles wieder stabil ist. Aber es ist ein Moment, der hängen bleibt. Gerade weil „The Machine Gun“ selbst nicht so tut, als sei damit alles erledigt.
Für den Niederländer geht es nun darum, aus diesem Wochenende mehr zu machen als eine schöne Geschichte über ein besonderes Shirt. Die Herkunft trägt er sichtbar auf der Brust. Die sportliche Aufgabe bleibt am Board: den eigenen Rhythmus so stabil wiederzufinden, dass aus einzelnen starken Tagen wieder echte Turnierläufe werden.









