Gian van Veen in der Formfalle: Fehlende Trainingszeit als Problem

Gian van Veen sucht weiter nach dem Gefühl, das ihn noch vor wenigen Monaten bis in die absolute Weltspitze getragen hat. Der Niederländer hatte beim World Cup of Darts an der Seite von Michael van Gerwen zwischenzeitlich wieder stabiler gewirkt, doch der erhoffte Schub blieb danach aus. Bei den Players-Championship-Turnieren und auf der European Tour fand der 23-Jährige nicht dauerhaft zurück zu jener Selbstverständlichkeit, die ihn zuvor ausgezeichnet hatte.

Der 50-Jährige sieht die Entwicklung mit Sorge. Im Podcast Darts Draait Door erklärte der frühere PDC-Profi, er habe nach dem gemeinsamen World-Cup-Auftritt mit van Gerwen eigentlich auf eine kleine Wende gehofft. „Ich hatte die Hoffnung, dass er etwas besser aus dem World Cup kommen würde“, sagte er über The Giant“.

Doch genau das passierte aus seiner Sicht nicht. „Aber die Players Championships waren schon nicht großartig und auf der Euro Tour zuletzt auch nicht. Das ist schon schade“, erklärte der Ex-Dartprofi weiter. Für ihn wirkt die aktuelle Nummer drei der Welt derzeit nicht nur ergebnistechnisch angeschlagen, sondern auch in seiner Körpersprache und Bewegung verändert.

Van der Voort erkennt technische Veränderungen

Der frühere Tour-Profi sieht beim 23-Jährigen vor allem im Ablauf am Oche Unterschiede zur Phase, in der der junge Niederländer deutlich freier spielte. „Ich habe auch das Gefühl, dass er etwas aufrechter steht. Dass er sich nicht mehr so weit nach vorne lehnt oder streckt. Seine Bewegung ist nicht mehr wie früher“, analysierte er.

Damit trifft er einen Punkt, der im Darts oft schwerer wiegt als reine Formschwankungen. Wenn ein Spieler nicht mehr selbstverständlich in seine Bewegung kommt, verändert sich nicht nur der Wurfarm. Auch Stand, Körperspannung, Release und der Mut, den Dart im richtigen Moment aggressiv loszulassen, geraten durcheinander.

Der heutige Analyst beschrieb genau diesen Effekt: „Das macht alles etwas vorsichtiger. Und das kommt seinem Spiel nicht zugute.“ „The Giant“ wirke demnach nicht wie ein Spieler, dem plötzlich die Klasse fehlt. Vielmehr scheint er aktuell nach Kontrolle zu suchen – und verliert dadurch ein Stück jener Natürlichkeit, die sein Spiel so gefährlich gemacht hatte.

Das Problem: Eine technische Anpassung lässt sich nicht einfach während eines vollen PDC-Kalenders sauber lösen. „Man kann schon sagen: Mach etwas anders. Aber so funktioniert es auch nicht. Dann wird es wieder unkontrolliert“, sagte der frühere Premier-League-Spieler. Genau hier beginnt die Formfalle.

Fehlende Trainingszeit verschärft die Suche

Van der Voort sieht die fehlende Zeit als zentrales Problem. „Das musst du trainieren, und das braucht Zeit. Und die hat er nicht, weil er jede Woche wieder liefern muss“, erklärte er. Für van Veen ist das eine schwierige Ausgangslage: Als Nummer drei der Welt, WM-Finalist und einer der wichtigsten niederländischen Spieler kann er sich kaum eine ruhige Trainingsphase nehmen – Woche für Woche wird von ihm erwartet, sofort wieder zu liefern.

Gerade deshalb wird die Suche nach dem alten Gefühl kompliziert. In seiner besten Phase musste Gian van Veen kaum nachdenken. „In der Zeit, als er das WM-Finale erreichte, hatte er den Dart in der Hand, warf ihn so hart wie möglich weg, und er kam einfach dorthin, wo er ihn haben wollte“, erinnerte der 50-Jährige.

Aktuell sei das anders. Van Veen denke mehr über seinen Wurf nach, was aus Sicht des Analysten auch nachvollziehbar sei. „Jetzt denkt er darüber nach, und das ist auch nicht verrückt. Man will sich natürlich auch nicht blamieren“, sagte van der Voort. Wenn die Selbstverständlichkeit fehlt, wird jeder Versuch zur Balancefrage: mehr Risiko oder mehr Kontrolle, freier Wurf oder vorsichtigere Bewegung.

Van der Voort fasste die Lage deutlich zusammen: „Jetzt probiert er alles Mögliche und sucht danach, wo er die Kontrolle wieder zurückbekommen kann.“ Genau darin liegt van Veens aktuelle Herausforderung. Er muss nicht seine Klasse neu beweisen, sondern sein Spielgefühl zurückholen – und das unter Turnierdruck, Reisestress und permanenter Ergebnis-Erwartung.

Für van Veen geht es damit in den kommenden Wochen um mehr als einzelne Resultate. Entscheidend wird, ob er wieder Vertrauen in seine Bewegung bekommt. Denn genau dann wird aus einer normalen Ergebniskrise eine echte Formfalle: wenn ein früher automatischer Ablauf plötzlich bewusst repariert werden muss.

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