Gabriel Clemens frustriert nach Players Championship 22

Gabriel Clemens hat bei Players Championship 22 in Wigan ein starkes Ergebnis eingefahren. Der 42 Jahre alte Saarländer erreichte das Viertelfinale, spielte phasenweise überzeugend und sammelte weiteres Preisgeld für das Rennen um die Darts WM. Zufrieden war der „German Giant“ danach trotzdem nicht.

Im Podcast „Darts auf die 1“ sprach der frühere WM-Halbfinalist mit Robert Marijanovic und Marcel Althaus über seinen Turnierlauf. Dabei wurde schnell deutlich: Für ihn war das Viertelfinale nicht nur ein gutes Ergebnis, sondern vor allem eine verpasste Chance. „Ja, war okay, aber das Viertelfinale hätte ich definitiv gewinnen müssen“, erklärte Clemens offen.

Genau daraus entsteht der eigentliche Dreh dieser Partie. Der Deutsche steckt nicht in einer Krise, im Gegenteil: Ein Viertelfinale auf der ProTour ist ein ordentliches Resultat. Doch gemessen am Spielverlauf war mehr möglich. Der Frust kam also nicht aus sportlicher Not, sondern aus dem Anspruch heraus, an solchen Tagen tiefer ins Turnier zu kommen.

4:1-Führung reicht gegen Bissell nicht

Gegen Tom Bissell hatte der Saarländer zunächst alles in der eigenen Hand. Er führte zwischenzeitlich mit 4:1 und schien klar auf Halbfinalkurs zu liegen. Danach kippte das Match jedoch. Bissell kam zurück, nutzte seine Möglichkeiten besser und setzte sich am Ende mit 6:5 durch.

Statistisch war die Niederlage besonders bitter. Clemens spielte im Viertelfinale einen Average von 94,22 Punkten, Bissell kam auf 87,42 Punkte. Der Unterschied lag also nicht im Scoring über das gesamte Match, sondern in den entscheidenden Momenten. Dort blieb der Engländer auf die Doppel stabiler.

Ein Knackpunkt war aus Sicht des Deutschen auch ein Bouncer in einer wichtigen Phase. „Dann habe ich noch einen Bouncer, den man gar nicht gebrauchen kann“, erinnerte sich Clemens. Der Abpraller brachte ihn sichtbar aus dem Rhythmus. „Da habe ich mich über den so aufgeregt, dass ich das Leg auch deswegen verloren habe“, gab der Deutsche selbstkritisch zu.

Gleichzeitig wollte der „German Giant“ die Leistung seines Gegners nicht kleinreden. Bissell hatte im Turnierverlauf bereits Jonny Clayton geschlagen und wurde im Viertelfinale immer sicherer. Über dessen Doppel sagte er anerkennend: „Die Doppel hat er ganz gut getroffen.“ Später schob er mit Blick auf Bissells Qualität hinterher: „Der kann ja schon spielen.“

Genau deshalb war die Niederlage für ihn so schwer zu akzeptieren. Der Gegner war stark, aber das Match lag lange offen vor ihm. Dazu kam: Im Achtelfinale hatte der Saarländer Mickey Mansell mit 6:1 besiegt und dabei einen Average von 102,44 Punkten gespielt. Das Niveau war also da.

WM-Race bleibt trotz Frust auf Kurs

Das Gesamtfazit fiel entsprechend zwiespältig aus. Einerseits stand ein Viertelfinale, andererseits blieb das Gefühl, einen größeren Lauf liegengelassen zu haben. „Da war ein Halbfinale locker drin“, lautete seine klare Einschätzung. Im Halbfinale hätte Maik Kuivenhoven gewartet, der Bissell später mit 7:6 bezwang.

Auch die Board-Debatte spielte im Podcast eine Rolle. Beim Einwerfen seien ungewöhnlich viele Darts aus dem Board gefallen. Für diesen Turniertag bleibt das aber eher ein Nebenaspekt. Der sportlich entscheidende Punkt ist: Gabriel Clemens wusste, dass er die Partie gegen Bissell hätte gewinnen können.

Der Blick auf die Ranglisten macht den Auftritt zusätzlich interessant. In der Live-Pro-Tour-Order steht der Saarländer aktuell auf Rang 59 mit £43.500. Für die WM zählt allerdings nicht nur der reine Rang in dieser Liste. Erst qualifizieren sich die Top 40 der PDC Order of Merit, danach folgen die besten 40 noch nicht qualifizierten Spieler der Pro Tour Order of Merit.

Damit bleibt Gabriel Clemens trotz des Ärgers weiter auf Kurs Richtung Ally Pally. Genau deshalb ist PC22 ein Turnier mit zwei Seiten: Das Ergebnis war gut genug, um die WM-Ausgangslage zu stärken. Der Spielverlauf war aber gut genug, um sich über die verpasste Chance richtig zu ärgern.

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