Der erste Tag (17.04.) des European Darts Grand Prix in Sindelfingen hat aus deutscher Sicht noch eine spürbare Wendung genommen. Nach den frühen Niederlagen von Michael Hurtz und Paul Krohne drohte zunächst ein ernüchternder Auftakt ohne deutschen Erstrundensieg. Doch am Abend kippte der Eindruck: Michael Unterbuchner rang William O’Connor mit 6:5 nieder, Niko Springer setzte sich im direkten deutschen Duell klar mit 6:1 gegen Robin Masino durch. Damit stehen nach Tag 1 neben dem gesetzten Martin Schindler gleich zwei weitere deutsche Spieler in Runde zwei.
Gerade dieser Umschwung gibt dem deutschen Freitag in Sindelfingen deutlich mehr Gewicht. Statt eines schwachen Heimauftakts bleibt nun ein Tag hängen, an dem sich zwei deutsche Spieler starke Zweitrunden-Duelle erarbeitet haben. Springer trifft auf Gary Anderson, Unterbuchner auf Michael van Gerwen. Genau dadurch bekommt der Samstag aus deutscher Sicht sofort große Relevanz.
Springer und Unterbuchner retten den deutschen Tag
Das klarste deutsche Signal setzte Niko Springer. Im direkten Duell gegen Robin Masino dominierte er die Partie und gewann deutlich mit 6:1. Die Zahlen machen den Auftritt noch stärker: 89,77 Average, drei 180er, starke 85,71 Prozent auf die Doppel und dazu ein 107er-Checkout. Gerade in einem Match gegen einen Landsmann, das schnell eng und zäh werden kann, war das ein erstaunlich kontrollierter und reifer Auftritt.
Springers Sieg ist auch deshalb viel wert, weil er den Tag nicht nur statistisch, sondern sportlich aufwertet. Wer ein internes deutsches Duell so klar gewinnt, nimmt nicht nur Selbstvertrauen mit, sondern erspielt sich auch eine Bühne für den nächsten Tag. Mit Gary Anderson wartet nun einer der größten Namen im Feld. Für Springer ist das die Chance auf ein Spiel, das weit über einen normalen Zweitrunden-Auftritt hinausgeht.
Noch mehr Kampf war bei Michael Unterbuchner gefragt. Gegen William O’Connor setzte sich der Deutsche in einem engen Match mit 6:5 durch und lieferte dabei eine starke Vorstellung ab. Unterbuchner spielte sogar den etwas besseren Average (95,52 zu 93,70), warf drei 180er und brachte mit 120 Punkten auch noch das höchste Checkout der Partie ins Board. In einem Match, das bis in die Schlussphase offen blieb, waren genau diese Momente entscheidend.
Der Sieg gegen O’Connor war deshalb nicht nur knapp, sondern auch wertvoll. Unterbuchner musste die Partie nicht irgendwie über die Linie drücken, sondern gewann sie mit einem Niveau, das seinem Samstag direkt zusätzliches Gewicht gibt. Dass nun ausgerechnet Michael van Gerwen wartet, macht diese Geschichte für das European Darts Grand Prix 2026 in Sindelfingen noch größer. Aus deutscher Sicht hat Unterbuchner damit nicht nur ein Match gewonnen, sondern sich ein echtes Highlight-Duell erspielt. Vor allem in der Abendsession war im Glaspalast spürbar, dass das Publikum richtig im Turnier angekommen war. Genau in dieser Phase bekam der deutsche Tag in Sindelfingen mit den Siegen von Unterbuchner und Springer noch einmal eine ganz andere Richtung.
Hurtz und Krohne scheitern – der deutsche Auftakt begann deutlich schwieriger
So positiv der Abend aus deutscher Sicht endete, so holprig hatte der Tag begonnen. Michael Hurtz unterlag Krzysztof Ratajski mit 3:6. Der Pole war insgesamt der stabilere Spieler, was sich auch in der Statistik zeigte: 90,73 zu 75,00 im Average, dazu mehr konstante Scores über 100 Punkte. Hurtz hatte zwar ebenfalls eine 180 im Match, kam aber insgesamt zu selten in die Position, Ratajski dauerhaft unter Druck zu setzen.
Ganz chancenlos wirkte Hurtz trotzdem nicht. In der Halle war früh zu spüren, dass er in Sindelfingen Rückhalt aus dem Publikum bekam. Immer wieder waren „Hurzi“- und „Michi“-Rufe zu hören, was seinem Auftritt zusätzlichen Heimturnier-Charakter gab. Sportlich reichte es am Ende nicht, atmosphärisch war aber klar zu merken, dass die Zuschauer bereit waren, den deutschen Spielern gerade am Auftaktabend spürbar zu helfen.
Auch Paul Krohne musste sich in seiner Erstrundenpartie geschlagen geben. Gegen Andrew Gilding verlor er 3:6. Krohne hielt im Average mit 89,66 gegen 96,95 noch ordentlich mit, bekam aber vor allem auf die Doppel nicht genug Zugriff auf die Begegnung. Gilding blieb insgesamt abgeklärter und zog verdient in Runde zwei ein, wo nun Chris Dobey wartet.
Gerade deshalb waren die Siege von Springer und Unterbuchner später am Abend so wichtig. Ohne diese beiden Erfolgserlebnisse wäre Tag 1 aus deutscher Sicht klar negativ bewertet worden. So aber bekam der deutsche Auftakt trotz zweier Niederlagen noch Substanz und vor allem Anschluss an den Samstag.
Überraschungen prägen Tag 1 – und Samstag hält starke Duelle bereit
Auch abseits der deutschen Spieler bot der Freitag in Sindelfingen einige Ergebnisse, die dem Turnier sofort Profil gaben. Für das erste Ausrufezeichen sorgte Valters Melderis, der Karel Sedlacek mit 6:5 ausschaltete und sich damit ein Duell mit Jonny Clayton verdiente. Ebenso auffällig war Barry Keane, der Niels Zonneveld mit 6:3 besiegte und nun gegen Josh Rock trifft.
Dazu kamen weitere Resultate mit klarer Signalwirkung. Oskar Lukasiak rang Daryl Gurney mit 6:5 nieder, Jeffrey de Zwaan setzte sich mit 6:3 gegen Peter Wright durch, Kim Huybrechts gewann ebenfalls 6:3 gegen Dirk van Duijvenbode. Später folgte noch ein starker Auftritt von Cameron Menzies, der Raymond van Barneveld mit 6:3 ausschaltete. Auch Mickey Mansell machte mit seinem deutlichen 6:2 gegen Rob Cross auf sich aufmerksam.
Für den Samstag ist das Feld damit schon nach Tag 1 reizvoll besetzt. Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick aber vor allem auf drei Namen: Martin Schindler, der als gesetzter Spieler gegen Damon Heta einsteigt, Niko Springer gegen Gary Anderson und Michael Unterbuchner gegen Michael van Gerwen. Genau darin liegt der eigentliche Wert dieses Freitags: Nicht alle deutschen Spieler kamen durch, aber Sindelfingen hat sich aus deutscher Sicht drei sehr gute Geschichten für Tag 2 aufgehoben.







