Beau Greaves gewinnt im Frauendarts weiter in einem Tempo, das die Women’s Series fast zwangsläufig in eine Grundsatzfrage führt. Wie lange gehört eine Spielerin noch in diese Serie, wenn sie dort regelmäßig dominiert und gleichzeitig auf dem Weg in die Top 64 der Order of Merit ist?
Genau diesen Punkt hat die 22-Jährige nun selbst angesprochen. Sie spielt ihre erste Saison als Tour-Card-Inhaberin, hat bereits einen Neundarter auf der ProTour geworfen, ihren ersten Rankingtitel gewonnen und sich live in die Nähe der Top 80 der Weltrangliste geschoben. Sollte sie den Sprung in die Top 64 schaffen, wäre sie nicht mehr für die Women’s Series spielberechtigt.
„Beau ’n’ Arrow“ weiß, dass ihr Ziel damit auch eine Art Abschied bedeuten würde. „Das ist der Platz, auf den ich ziele. Sie unterstützen mich alle und wollen, dass ich gut spiele, aber ich glaube, sie wollen, dass ich das hier verlasse und dorthin gehe“, sagte sie in einem Interview mit Oche180.
Der Satz klingt leicht, trifft aber einen wichtigen Kern. Beau Greaves ist im Frauendarts nicht nur die Nummer eins. Sie ist inzwischen auch der Maßstab, an dem sich die gesamte Serie reibt. Für ihre Konkurrentinnen wäre ihr Aufstieg in die Top 64 sportlich ein Kompliment – und gleichzeitig die Chance auf eine offenere Women’s Series.
Greaves will Profi sein, aber den Frauendarts nicht einfach hinter sich lassen
Für die Engländerin selbst ist die Lage komplizierter. Sie formuliert ihr Ziel klar, aber nicht abwertend gegenüber dem Frauendarts. „Das ist es, was ich will. Ich will eine professionelle Dartspielerin sein, weitermachen und gut spielen“, erklärte die 22-Jährige. Ihr Hauptziel sei es, Spaß an ihrem Spiel zu haben und am Ende in den Top 64 zu landen.
Gleichzeitig betont Greaves, dass sie die Women’s Series weiterhin genießt. „Ich habe einfach mehr Freude am Frauenspiel“, sagte sie. Natürlich wisse sie, dass sie häufig gewinne, aber darum gehe es ihr nicht allein. Sie möge es, andere Spielerinnen zu sehen, viel zu spielen und im Rhythmus zu bleiben.
Die Engländerin ist dem Feld sportlich oft voraus, fühlt sich dort aber nicht fremd. Die Women’s Series ist für sie nicht nur ein Nebenschauplatz, sondern ein Raum, in dem sie Matches sammelt, Selbstvertrauen mitnimmt und weiterhin Teil einer Szene bleibt, die sie geprägt hat.
Die Zahlen unterstreichen trotzdem, wie groß der Abstand geworden ist. Greaves hat 2026 elf der ersten 16 Events der Women’s Series gewonnen. Auch wenn Lisa Ashton, Deta Hedman, Vicky Pruim und Eleanor Cairns in dieser Saison ebenfalls Titel holten und Fallon Sherrock ihre 114 Spiele lange Siegesserie stoppte, bleibt die Frauen-Weltranglisten-Nur 1 der zentrale Bezugspunkt.
Dass sie selbst nicht müde wirkt, macht die Lage für die Konkurrenz kaum leichter. Einige Spielerinnen hätten sie gefragt, ob sie nicht erschöpft sei, „Einige der Mädchen haben zu mir gesagt: ‚Bist du nicht müde?‘ Nein, ich bin frisch, und manchmal hatte ich einige schlechte Spiele, aber ich habe genug getan, um zu gewinnen, und das ist die Hauptsache.“, sagte sie im weiteren Verlauf des Gespräches.
Für die PDC ist „Beau ’n’ Arrow“, damit längst mehr als die dominierende Figur der Women’s Series. Sie ist ein Übergangsthema: zwischen Frauendarts, ProTour, historischer Tour-Card-Saison und der Frage, wann aus einer Ausnahmeerscheinung endgültig eine Spielerin im erweiterten Kern der Elite wird.
Der nächste große Prüfpunkt wartet bereits in Blackpool. Beim Women’s World Matchplay 2026 geht Greaves als klare Favoritin ins Rennen, trifft zum Auftakt auf die Finnin Kirsi Viinikainen und wird dort erneut mit der Erwartung spielen, dass eigentlich nur der Titel zählt. Genau das zeigt, wie sehr sich ihre Rolle verändert hat: Beau Greaves ist nicht mehr nur die Spielerin, die im Frauendarts dominiert. Sie ist die Spielerin, an der sich der Frauendarts gerade neu sortiert.
Sollte sie tatsächlich den Sprung in die Top 64 schaffen, wäre das ein weiterer Meilenstein für ihre Karriere. Für die Women’s Series wäre es aber auch ein Einschnitt. Die Spielerin, die die Serie über Jahre geprägt hat, würde dann genau deshalb fehlen, weil sie das geschafft hätte, was viele ihr inzwischen zutrauen.









