Bei Luke Littler hält ein Titel inzwischen nicht lange vor. Kaum ist die Trophäe gewonnen, steht schon die nächste Frage im Raum. Was kommt danach? Welcher Rekord fällt als Nächstes? Und wie lange kann ein Spieler diese Geschwindigkeit überhaupt mitgehen?
Der World Cup of Darts war dafür das nächste Beispiel. Der Weltranglistenerste gewann gemeinsam mit Luke Humphries den Titel für England, im Finale gegen Michael van Gerwen und Gian van Veen setzte sich das englische Duo mit 10:5 durch. So spielten der 19-Jährige und Humphries dabei als Team einen 104,77 Average. Es war nicht nur ein Sieg. Es war wieder so ein Moment, in dem aus einem Ergebnis sofort eine größere Erzählung wurde.
Denn England hat mit Littler und Humphries nicht einfach ein starkes Duo. England hat plötzlich ein Duo, an dem sich World-Cup-Geschichte messen lassen könnte. Phil Taylor und Adrian Lewis verteidigten den Titel 2012 und 2013, Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld schafften das 2017 und 2018 für die Niederlande. Drei Titel in Serie hat aber noch kein World-Cup-Duo geschafft.
Genau dort setzt Laura Turner an. Im Podcast „Love the Darts“ sagte die Sky-Expertin über den Rekordjäger und Humphries: „Sie haben bereits angedeutet und gesagt, dass sie zurückkommen wollen.“ Vor allem „The Nuke“ denke sofort weiter. Turner erklärte: „Littler will besonders Rekorde brechen. Er bricht bereits Rekorde, aber jetzt will er Teil des Teams sein, das den Titel verteidigt.“
Das ist der Punkt: Beim aktuellen Weltmeister ist selbst ein World-Cup-Titel kein Endpunkt. Er ist Material für die nächste Zielmarke.
New York ist mehr als nur die nächste Reise
Jetzt wartet New York. Die US Darts Masters werden am 25. und 26. Juni im Madison Square Garden gespielt. Littler und Humphries führen das PDC-Feld an, dazu kommen unter anderem Gian van Veen, Gerwyn Price, Jonny Clayton, James Wade, Josh Rock und Stephen Bunting. Für Humphries ist es auch die Rückkehr als Titelverteidiger. Für den 19-Jährigen ist es die nächste Bühne, auf der die PDC ihren neuen Weltstar international verkauft.
Und genau deshalb passt dieses Turnier so gut in die aktuelle Littler-Geschichte. Die US Darts Masters sind kein normales Rankingturnier. Sie sind World Series, Schaufenster, Marktpflege. New York ist nicht der Ort, an dem Luke Littler seine Order of Merit schützt. New York ist der Ort, an dem aus sportlicher Dominanz internationale Präsenz wird.
Matthew Edgar zog im Zusammenhang mit Littler bereits den Vergleich zu Phil Taylor. Nach einem Titel sei bei Taylor immer sofort die Frage gekommen: „Was ist der nächste, den ich gewinnen kann?“ Edgar sagte über Littler: „Dieses Gefühl bekomme ich bei Littler auch.“
Das klingt groß, vielleicht sogar zu groß. Aber genau diese Vergleiche entstehen, wenn ein Spieler den normalen Rhythmus des Sports aushebelt. Bei anderen Profis darf ein Titel erst einmal nachwirken. Beim Engländer wird aus einem Titel direkt ein Auftrag. World Cup gewonnen? Dann geht es um die Titelverteidigung. Titel verteidigt? Dann kommt die Frage nach drei in Serie. Zwischendurch wartet New York.
Darin liegt die Faszination, aber auch die Gefahr. Littler ist längst nicht mehr nur ein Spieler, der Turniere gewinnt. Er ist eine Projektionsfläche. Jeder Auftritt wird mit Geschichte, Rekorden und Zukunft aufgeladen. Für einen 19-Jährigen ist das absurd viel Ballast. Für die PDC ist es gleichzeitig ein Geschenk.
Die US Darts Masters werden deshalb mehr sein als ein weiteres World-Series-Wochenende. Sie sind der nächste Test, wie selbstverständlich Luke Littler diesen Status trägt. Der Weltmeister kommt mit einem neuen Teamtitel im Gepäck, mit einer Rekorddebatte im Rücken und mit der Erwartung, auch in New York wieder eine Geschichte zu liefern.
Vielleicht gewinnt er dort. Vielleicht nicht. Aber bei Littler ist inzwischen fast jedes Turnier Teil einer größeren Rechnung.
Der nächste Halt heißt New York. Die nächste Frage wird nicht lange auf sich warten lassen.










