Raymond van Barneveld gehört zu den größten Namen der Darts-Geschichte. Doch sportlich steckt der fünfmalige Weltmeister in einer Phase, die inzwischen deutlich über eine normale Ergebniskrise hinausgeht. Nach einer weiteren bitteren Niederlage auf der European Tour rückt die Frage näher, ob eine Pause für die niederländische Darts-Legende der nächste logische Schritt sein könnte.
Auslöser ist van Barnevelds Auftritt bei den Austrian Darts Open in Graz. Dort verlor der 59-Jährige mit 2:6 gegen Alan Soutar und kam nur auf einen Average von 77,79 Punkten. Oche180 berichtete unter Berufung auf den Podcast Darts Draait Door, dass es van Barnevelds schwächster Average bei einem European-Tour-Turnier gewesen sei.
Van der Voort spricht ungewöhnlich offen über Barney
Vincent van der Voort kennt van Barneveld seit Jahrzehnten. Genau deshalb haben seine Worte Gewicht. Der frühere UK-Open-Finalist sprach bei Darts Draait Door ungewöhnlich deutlich über den Zustand seines langjährigen Weggefährten.
Nach der Niederlage gegen Soutar habe Van der Voort seinem Freund kurz geschrieben und den Eindruck gewonnen, dass Barney aktuell „really struggling“ sei. Besonders deutlich wurde es bei der Frage, ob van Barneveld vorübergehend kürzertreten könnte. Laut Van der Voort denke Barney über „taking a step back“ nach, weil es so „makes no sense anymore“.
Diese Aussagen treffen, weil sie nicht von außen kommen. Van der Voort spricht nicht wie ein distanzierter Beobachter, sondern wie jemand, der van Barnevelds Karriere, Klasse und Schwankungen lange genug kennt, um den aktuellen Einbruch einordnen zu können. Wenn aus diesem Umfeld solche Sätze fallen, zeigt das, wie schwer die sportliche Situation inzwischen wiegt.
Die Zahlen passen nicht mehr zur Erinnerung an Barney
Van Barneveld war nie nur irgendein Topspieler. Seine WM-Titel, seine großen Duelle mit Phil Taylor und seine Bedeutung für den Darts-Boom in den Niederlanden haben ihn zu einer der prägenden Figuren des modernen Darts gemacht. Genau deshalb wirkt die aktuelle Form so hart: Die Erinnerung an den großen Barney ist noch da, die Zahlen erzählen aber eine andere Geschichte.
Van der Voort brachte diesen Kontrast deutlich auf den Punkt. Wenn ihm früher jemand gesagt hätte, van Barneveld spiele Averages im 70er-Bereich, hätte er geantwortet: „No way, that can’t be“. Dieser Satz zeigt, wie weit die aktuelle Lage von dem entfernt ist, was lange mit van Barneveld verbunden wurde.
Dabei geht es nicht nur um eine einzelne Niederlage gegen Soutar. Der Auftritt in Graz steht symbolisch für eine Phase, in der van Barneveld immer häufiger früh ausscheidet und kaum noch den Eindruck vermittelt, dauerhaft an frühere Stabilität anknüpfen zu können. Gerade auf der European Tour und der Pro Tour ist die Leistungsdichte inzwischen so hoch, dass Namen allein keine Runden mehr gewinnen.
Warum eine Pause logisch wäre
Eine Pause wäre bei einem Spieler wie van Barneveld kein gewöhnlicher Schritt. Sie würde bedeuten, dass eine Darts-Ikone anerkennt, dass der aktuelle Rhythmus nicht mehr die richtigen Antworten liefert. Genau darin liegt aber auch die Logik: Wer ständig mit der eigenen Vergangenheit verglichen wird, braucht irgendwann mehr als nur das nächste Turnier, um eine Krise zu durchbrechen.
Van Barneveld kennt diesen Punkt besser als die meisten anderen. Er hatte sich schon einmal aus dem Sport zurückgezogen, kehrte später zurück und holte sich 2021 über die Q-School erneut eine PDC Tour Card. Dieses Comeback zeigte, dass Barney noch einmal bereit war, den harten Weg zu gehen. Doch der aktuelle Karriereabschnitt stellt eine andere Frage: Wie viel Substanz bleibt, wenn die Ergebnisse nicht mehr tragen und jeder schwache Auftritt sofort größer wirkt?
Für den Dartsport wäre ein Schritt zurück emotional. Für van Barneveld selbst könnte er aber der Versuch sein, Kontrolle zurückzugewinnen. Nicht die nächste Niederlage, nicht der nächste schwache Average, nicht der nächste Vergleich mit früher sollte bestimmen, wie diese Phase gelesen wird. Entscheidend ist, ob er noch einmal einen Weg findet, mit Überzeugung ans Board zurückzukehren.
Van der Voorts Aussagen machen diese Lage sichtbar. Barney steht nicht nur vor dem nächsten Turnier. Er steht vor der Frage, wie seine Karriere im Spätherbst weitergehen soll.







