Andrew Gilding hat auf der PDC Pro Tour eine lange Wartezeit beendet. Der 55 Jahre alte Engländer gewann bei Players Championship 16 in Leicester seinen ersten ProTour-Titel und setzte sich im Finale klar mit 8:3 gegen Jonny Clayton durch. Für „Goldfinger“ war es der große Durchbruch auf dem Floor – im 442. Versuch.
Die Zahl erzählt fast schon die ganze Geschichte. Sechsmal hatte Gilding zuvor ein ProTour-Finale erreicht, sechsmal war der Titel ausgeblieben. Nun passte der Tag. Nach vielen Anläufen, Rückschlägen und verpassten Chancen holte sich der UK-Open-Sieger von 2023 genau den Titel, der in seiner Karriere noch fehlte.
Gilding setzt sich früh ab
Im Finale gegen Clayton legte Gilding die Grundlage schnell. Er startete mit einer 3:0-Führung und ließ sich auch von einem kurzen Lebenszeichen des Walisers nicht aus dem Rhythmus bringen. Besonders wichtig war ein 100er-Finish zum Break, mit dem Gilding auf 5:1 stellte.
Clayton bekam zwar noch Chancen auf Doppel, konnte den Rückstand aber nicht mehr entscheidend verkürzen. Gilding blieb ruhig, spielte das Finale kontrolliert zu Ende und machte den Titel schließlich auf Doppel 10 perfekt.
Gerade diese Ruhe passte zum gesamten Auftritt. Gilding ist kein Spieler für große Gesten, sondern einer, der Gegner mit Rhythmus, Timing und ungewöhnlicher Gelassenheit zermürben kann. In Leicester reichte genau das für den lang ersehnten ersten ProTour-Titel.
Geduld zahlt sich aus
Nach dem Sieg brachte Gilding seine Gefühlslage passend knapp auf den Punkt. „You just have to be patient“, sagte der Engländer nach seinem Triumph. Geduld war in seinem Fall tatsächlich mehr als eine Floskel: 441 ProTour-Anläufe ohne Titel, sechs verlorene Finals und trotzdem immer wieder neue Chancen auf dem Floor.
Das macht den Erfolg größer als eine normale Players-Championship-Meldung. Gilding ist kein junger Durchstarter, sondern ein erfahrener Profi, der mit 55 Jahren noch einmal ein Kapitel ergänzt. Nach dem UK-Open-Titel ist der ProTour-Sieg ein weiterer Beleg dafür, dass seine Karriere nicht nur aus einem großen Überraschungsmoment besteht.
Kurios blieb es trotzdem. Gegenüber Oche180 ordnete Gilding seine aktuelle Form auch mit dem ihm eigenen trockenen Humor ein und sprach darüber, dass ihm eine Gewichtszunahme womöglich sogar geholfen habe. Das muss man nicht zu groß machen, passt aber zu einem Spieler, der selten nach Standardschablone funktioniert.
Sportlich zählt vor allem: Gilding hat in Leicester einen Titel gewonnen, der ihm lange gefehlt hatte. Bei der Dichte auf der Pro Tour kann so ein Erfolg viel bewegen – für Ranglisten, Major-Qualifikationen und das Selbstverständnis eines Spielers, der längst bewiesen hat, dass er große Matches gewinnen kann.
Für Andrew Gilding ist der erste ProTour-Titel deshalb mehr als eine späte Randnotiz. Er ist der nächste Beweis, dass „Goldfinger“ auch nach vielen Jahren auf der Tour noch gefährlich bleibt.







