Martin Schindler spielte stark. Sehr stark sogar. Doch gegen Michael van Gerwen reichte bei Players Championship 15 selbst ein Average von 108,78 Punkten nicht einmal für ein Leg. Der Niederländer gewann das Halbfinale in Leicester mit 7:0, spielte dabei 122,34 Punkte im Schnitt und setzte eines der deutlichsten Ausrufezeichen seiner bisherigen Saison.
Es war ein Spiel, das auf dem Papier fast absurd wirkt: Schindler warf einen Average, mit dem man an vielen Pro-Tour-Tagen selbst Topspieler schlagen kann. Gegen diesen van Gerwen bekam er aber nicht einmal einen Dart auf Doppel. Genau deshalb erzählt dieses Halbfinale mehr als nur die Geschichte eines Whitewashs. Es zeigt, welches Niveau van Gerwen noch immer abrufen kann, wenn sein Timing, Scoring und Finishing gleichzeitig funktionieren.
Van Gerwen findet sein altes Topniveau
Van Gerwen gewann Players Championship 15 später auch insgesamt. Im Finale setzte er sich mit 8:5 gegen Dirk van Duijvenbode durch und holte damit seinen ersten Ranking-Titel des Jahres 2026. Die PDC beschrieb seinen Auftritt als „Vintage Van Gerwen“; der 122,34-Average gegen Schindler war laut PDC zugleich der höchste Pro-Tour-Average des Jahres 2026.
Dabei hatte der Tag für van Gerwen nicht wie eine Machtdemonstration begonnen. Nach drei 6:4-Siegen gegen Dennie Olde Kalter, Adam Lipscombe und Ross Smith steigerte sich der Niederländer erst in der entscheidenden Turnierphase deutlich. Gegen Gian van Veen spielte er im Achtelfinale bereits über 100 Punkte im Schnitt, im Viertelfinale besiegte er Beau Greaves mit 6:2 und 102,47 Average. Danach folgte das 7:0 gegen Schindler.
Vincent van der Voort ordnete die Leistung im Podcast Darts Draait Door entsprechend ein. Van Gerwen habe ab dem Achtelfinale konstant über 100 gespielt, das 122er-Spiel sei „überragend“ gewesen. Gleichzeitig warnte er davor, daraus sofort wieder eine dauerhafte Unverwundbarkeit zu machen. Van Gerwen sei nicht unverwundbar, aber an diesem Tag habe alles gepasst.
Schindler trifft auf einen entfesselten Gegner
Für Schindler war das Halbfinale trotz des klaren Ergebnisses kein schwacher Auftritt. Der Deutsche hatte zuvor einen starken Turniertag hingelegt. Er schlug unter anderem Darius Labanauskas mit einem Average von 113,79 Punkten, setzte sich anschließend gegen Wessel Nijman und Ritchie Edhouse durch und erreichte verdient das Halbfinale.
Gerade deshalb war das 0:7 gegen van Gerwen so außergewöhnlich. Schindler brach nicht ein, er wurde schlicht überrollt. Van Gerwen checkte früh, ließ kaum Luft in den Legs und entzog dem Deutschen jede echte Zugriffsmöglichkeit. Van der Voort brachte es treffend auf den Punkt: Schindler sei frustriert gewesen, aber in so einem Match könne man nichts machen.
Für Schindler bleibt deshalb trotz des Whitewashs ein positives Turnier stehen. Ein Halbfinale bei einem Players-Championship-Event bringt Preisgeld, Selbstvertrauen und wichtige Signale für die verschiedenen Qualifikationsrennen. Die Niederlage gegen van Gerwen war brutal, aber sie sagt weniger über Schindlers Niveau aus als über den Ausnahmezustand, den sein Gegner in diesem Moment erreichte.
Noch keine komplette Wende, aber ein Warnsignal
Die entscheidende Frage lautet nun nicht, ob van Gerwen noch immer Weltklasse spielen kann. Das hat er in Leicester eindeutig gezeigt. Die Frage ist vielmehr, wie oft er dieses Niveau wieder abrufen kann. Ein 122er-Average ist kein Normalzustand, auch nicht für einen dreifachen Weltmeister. Aber er ist ein Hinweis darauf, dass Michael van Gerwens oberste Leistungsgrenze weiterhin enorm hoch liegt.
Genau das macht diesen Titel interessant. Van Gerwen war in den vergangenen Monaten immer wieder angreifbar. Er gewann nicht mehr mit der Selbstverständlichkeit früherer Jahre, verlor Matches, die man früher kaum mit ihm verbunden hätte, und wirkte nicht dauerhaft stabil. Players Championship 15 ändert diese Gesamtlage nicht vollständig. Aber es verschiebt den Blick: Wer van Gerwen abschreibt, muss weiterhin damit rechnen, dass er an einzelnen Tagen ein Niveau erreicht, das kaum jemand mitgehen kann.
Für die Konkurrenz ist das ein Warnsignal. Für Schindler war es ein bitteres Beispiel dafür, wie gnadenlos die Pro Tour sein kann. Ein Average von 108,78 Punkten, kein Dart auf Doppel, 0:7 verloren — viel deutlicher kann man kaum zeigen, wie eng Weltklasse und Chancenlosigkeit im Darts manchmal beieinanderliegen.







