Während in Bratislava um den ersten Titel bei den Slovak Darts Open gespielt wird, läuft im Hintergrund längst die nächste Rechnung. Das World Matchplay 2026 rückt näher – und für mehrere Spieler kann der Finaltag in der Incheba Expo mehr verändern als nur das Wochenende.
Der Grund ist einfach: Das World Matchplay gehört zu den wichtigsten Turnieren im PDC-Kalender. Gespielt wird traditionell in Blackpool, qualifiziert sind 32 Spieler. Die Top 16 der Order of Merit sind als gesetzte Spieler dabei, dazu kommen die besten 16 noch nicht qualifizierten Spieler der ProTour Order of Merit. Der Cut-off für das Race liegt am 8. Juli 2026. Viel Zeit bleibt also nicht mehr.
Genau deshalb bekommt der Sonntag in Bratislava eine zusätzliche Ebene. Bei den Slovak Darts Open zählt das Preisgeld nicht nur für die PDC Order of Merit, sondern auch für die ProTour Order of Merit und die European Tour Order of Merit. Wer in der Slowakei tief läuft, sammelt also nicht nur European-Tour-Preisgeld, sondern kann auch im Kampf um Blackpool einen wichtigen Schritt machen.
- Turnier: World Matchplay
- Ort: Winter Gardens, Blackpool
- Termin: 18. bis 26. Juli 2026
- Teilnehmer: 32 Spieler
- Qualifikation: Top 16 der Order of Merit und die besten 16 noch nicht qualifizierten Spieler der ProTour Order of Merit
- Cut-off: 8. Juli 2026
- Gesamtpreisgeld: 1.000.000 Pfund
- Preisgeld: Sieger 225.000 Pfund, Finalist 125.000 Pfund, Halbfinale 65.000 Pfund, Viertelfinale 35.000 Pfund, Achtelfinale 22.500 Pfund, 1. Runde 12.500 Pfund
- Rankingwirkung: Das Preisgeld zählt nur für die Order of Merit
Bratislava ist mehr als nur ein European-Tour-Finaltag
Das Achtelfinale bringt bereits 5.000 Pfund, das Viertelfinale 8.000 Pfund, im Halbfinale sind es 10.000 Pfund. Der Turniersieger nimmt 35.000 Pfund mit. In einer normalen Turnierwoche sind das gute Beträge. In der Schlussphase des World-Matchplay-Race können genau diese Blöcke aber den Unterschied machen: zwischen sicher dabei, Zittern bis zum Cut-off oder komplett raus aus der Rechnung.
Dabei geht es nicht nur um die großen Sprünge. Schon der Weg vom Achtelfinale ins Viertelfinale bringt zusätzliche 3.000 Pfund. Ein Halbfinale legt noch einmal nach, ein Finale oder Titel kann eine ganze Ranglistenrechnung drehen. Je näher der Cut-off rückt, desto weniger sind diese Beträge nur Preisgeld. Sie werden zu Abstand, Sicherheit oder Druck auf die Spieler dahinter.
Besonders interessant ist der Blick auf die zwei Türen nach Blackpool. Wer in der Order of Merit unter den Top 16 steht, ist als gesetzter Spieler dabei. Wer dort nicht hineinkommt, braucht den Weg über die ProTour Order of Merit. Genau deshalb sind die Live-Zahlen aus Bratislava so wichtig: Sie zeigen nicht nur, wer aktuell gut spielt, sondern auch, wer sich für Blackpool Luft verschafft.
Wessel Nijman bleibt einer der auffälligsten Namen dieser Saison. Der Niederländer steht in der ProTour-Rechnung weit oben und hat sich längst eine starke Ausgangslage erarbeitet. Ein tiefer Lauf in Bratislava würde diese Position nicht nur bestätigen, sondern weiter absichern. Gerade bei Nijman ist der Finaltag deshalb mehr als ein normaler Angriff auf einen European-Tour-Titel.
Auch Ross Smith, Chris Dobey, Stephen Bunting, Danny Noppert, Kevin Doets, Jermaine Wattimena, Nathan Aspinall oder Ryan Searle stehen in dieser Rechnung nicht nur als Namen im Achtelfinale. Für einige geht es darum, die eigene Ausgangslage Richtung Blackpool abzusichern. Für andere geht es darum, kurz vor dem Cut-off noch einmal Druck auf die Konkurrenz zu machen. Genau deshalb sind 5.000 oder 8.000 Pfund an diesem Sonntag nicht nur Preisgeld, sondern Bewegung in einer Rangliste.
Rob Cross bringt eine andere Dynamik mit. Der frühere Weltmeister hat unter der Woche bereits Players Championship 22 gewonnen und am Samstag den topgesetzten Gian van Veen aus dem Turnier genommen. In der ProTour-Rangliste steht „Voltage“ nicht ganz so komfortabel wie andere Namen, kann mit einem tiefen Lauf in Bratislava aber weiter Boden gutmachen. Sollte Cross auch am Finaltag marschieren, wäre das der nächste Beleg dafür, dass seine Formkurve rechtzeitig vor den großen Sommerturnieren wieder nach oben zeigt.
Auch Ryan Joyce, Andrew Gilding, Mike De Decker oder Cameron Menzies können den Sonntag nutzen, um ihre Position im erweiterten Matchplay-Bild zu verbessern. Nicht jeder dieser Spieler spielt aus derselben Ausgangslage heraus, aber das Prinzip ist gleich: Wer jetzt noch im Turnier ist, kann kurz vor dem Cut-off echte Ranglistenarbeit leisten. Wer dagegen früh raus ist, muss hoffen, dass die Konkurrenz nicht zu weit davonzieht.
Für andere ist das Wochenende bereits ein verpasster Hebel. Gerwyn Price, Gian van Veen und Jonny Clayton sind raus, Martin Schindler hat den Finaltag ebenfalls verpasst. Bei den großen Namen ist das sportlich ärgerlich, aber nicht automatisch ein Drama. Bei Schindler passt Bratislava dagegen in ein größeres Bild: Der Ranglistenplatz wirkt noch stabil, doch 2026 fehlen ihm weiter die größeren Blöcke, die im Zwei-Jahres-System irgendwann entscheidend werden können.
Genau darin liegt der Reiz dieses Finaltags. Bratislava erzählt nicht nur die Geschichte eines neuen European-Tour-Turniers in der Slowakei. Es erzählt auch die Geschichte einer Rangliste, die langsam heißläuft. Bis zum Cut-off am 8. Juli wird jeder größere Preisgeldblock wichtiger. Wer jetzt punktet, reist mit einem anderen Gefühl Richtung Blackpool. Wer jetzt liegen lässt, muss die Rechnung womöglich an anderer Stelle retten.










