Die Slovak Darts Open 2026 waren nicht einfach nur das nächste European-Tour-Turnier im Kalender. Bratislava bekam erstmals seinen Platz auf der Bühne, die Incheba Expo wurde zum neuen Schauplatz im PDC-Zirkus – und das Wochenende erzählte gleich mehrere Geschichten: von lokalen Qualifiern, einem auffälligen Debütanten, fallenden Favoriten und einem Wessel Nijman, der seine starke Saison endgültig auf die nächste Stufe hob.
Das Feld setzte sich wie auf der European Tour üblich aus mehreren Wegen zusammen. Die Topspieler der PDC Order of Merit und der ProTour Order of Merit bildeten das Grundgerüst, dazu kamen Tour-Card-Holder-Qualifier, Host-Nation-Qualifier, ein Nordic-&-Baltic-Qualifier und ein East-Europe-Qualifier. Durch Absagen und Nachrücker verschob sich das Feld zusätzlich: Luke Littler, Luke Humphries und Josh Rock hatten nicht gemeldet, später zogen auch James Wade und Gary Anderson zurück. Dadurch rückten unter anderem Rob Cross, Mike De Decker, Kim Huybrechts, Dave Chisnall und Madars Razma ins Feld bzw. in wichtigere Positionen.
Qualifier, Debütanten und der erste Eindruck aus Bratislava
Für die Gastgebernation war schon der Auftakt ein besonderer Moment. Mit Gabriel Varaljay, Juraj Holub, Adrian Dudek und Jan Sliacky standen vier slowakische Host-Nation-Qualifier im Feld. Dazu kam mit Peter Kelemen ein weiterer Spieler aus der Region über den East-Europe-Weg. Sportlich war für diese Namen zwar jeweils früh Schluss, doch für die Premiere des Turniers war ihre Präsenz wichtig: Die Slovak Darts Open waren nicht nur ein weiteres Event für die etablierten PDC-Profis, sondern auch ein Fenster für regionale Spieler.
Der auffälligste Qualifier war am Ende aber Tom Sykes. Der Engländer startete über den Tour-Card-Holder-Qualifier ins Turnier und setzte gleich am Freitag ein erstes Ausrufezeichen. Gegen Niko Springer gewann Sykes mit 6:2 und machte früh klar, dass er in Bratislava nicht nur kurz vorbeischauen wollte. Aus dem Auftaktsieg wurde ein Lauf, der erst im Halbfinale endete.
Auch Rob Cross musste bereits in der ersten Runde ran. Gegen Juraj Holub gewann „Voltage“ mit 6:3 und legte damit den Grundstein für ein Wochenende, das ihn bis ins Finale führen sollte. Parallel kamen unter anderem Andrew Gilding gegen Mervyn King, Kevin Doets gegen Owen Bates, Ryan Joyce gegen Johan Engström und Dave Chisnall gegen Adrian Dudek weiter. Am Freitag war noch nicht abzusehen, wie stark dieser Turnierbaum am Ende kippen würde.
Favoriten fallen, Sykes wächst und Nijman kommt ins Rollen
Am Samstag stiegen die gesetzten Spieler ein – und das Turnier nahm Fahrt auf. Wessel Nijman eröffnete seinen Weg mit einem 6:2 gegen Benjamin Pratnemer. Noch war das kein Statement für den späteren Titel, aber es war ein sauberer Start. Rob Cross setzte am Abend direkt nach: Gegen Gian van Veen gewann er 6:3 und nahm damit einen der großen Namen des Wochenendes aus dem Turnier.
Noch auffälliger war der Auftritt von Cameron Menzies. Der Schotte schlug Gerwyn Price deutlich mit 6:2 und sorgte damit für eine der markanteren frühen Geschichten. Auch Tom Sykes bestätigte seinen starken Start: Gegen Martin Schindler wurde es eng, doch Sykes gewann 6:5 und nahm nach Springer den zweiten deutschen Spieler aus dem Turnier. Spätestens da war klar: Dieser Lauf war kein einzelner guter Abend.
Michael van Gerwen rettete sich zunächst noch mit 6:5 gegen Krzysztof Ratajski in den Finaltag. Stephen Bunting überstand Niels Zonneveld ebenfalls knapp mit 6:5, Ross Smith setzte sich mit demselben Ergebnis gegen Joe Cullen durch. Das Turnier war damit für den Sonntag offen – aber es hatte schon seine ersten klaren Linien: Nijman wirkte stabil, Cross wurde gefährlicher, Sykes blieb die Entdeckung, und mehrere große Namen mussten früh kämpfen oder waren bereits draußen.
Der Finaltag zeigt die Kräfteverhältnisse
Der Sonntag brachte die eigentliche Zuspitzung. Cross musste im Achtelfinale gegen Kevin Doets über die volle Distanz und gewann 6:5. Das war kein Spaziergang, aber genau solche Spiele halten einen Turnierlauf am Leben. Im Viertelfinale wurde Cross dann deutlicher und schlug Nathan Aspinall mit 6:2.
Sykes setzte seinen Lauf ebenfalls fort. Erst gewann er im Achtelfinale 6:4 gegen Cameron Menzies, dann ließ er Jermaine Wattimena beim 6:2 kaum zur Entfaltung kommen. Aus dem Qualifier wurde einer der Spieler des Wochenendes. Erst im Halbfinale stoppte ihn Cross mit 7:2. Für Sykes blieb trotzdem ein Turnier, das seinen Namen deutlich sichtbarer gemacht hat.
Auf der anderen Seite des Tableaus setzte Nijman die klarsten Zeichen. Gegen Stephen Bunting gewann er im Achtelfinale 6:1, anschließend folgte ein 6:3 gegen Mike De Decker. Im Halbfinale wurde es dann richtig eng: Ross Smith zwang Nijman in ein Entscheidungsleg, doch der Niederländer gewann 7:6 und spielte sich ins Finale. Genau dieser Sieg war wichtig, weil er zeigte, dass Nijman nicht nur dominieren, sondern auch enge Situationen überstehen kann.
Michael van Gerwen verpasste dagegen die ganz große Fortsetzung. Im Achtelfinale verlor er 4:6 gegen Andrew Gilding. Damit war einer der prominentesten Namen des Wochenendes raus, während sich der Blick immer stärker auf Nijman und Cross verschob.
Nijman dominiert Cross im Finale
Das Finale selbst wurde dann deutlich. Wessel Nijman schlug Rob Cross mit 8:3 und gewann damit die ersten Slovak Darts Open. Sky ordnete den Finalauftritt mit einem Average von fast 104 Punkten ein und schrieb, dass Nijman damit seinen achten Titel des Jahres holte. Außerdem rückte der Niederländer auf Weltranglistenplatz 14 vor.
Für Cross blieb ein starkes Wochenende ohne Krönung. Der Engländer hatte sich durch den Turnierbaum gearbeitet, van Veen, Doets, Aspinall und Sykes geschlagen und erneut gezeigt, dass seine Formkurve wieder nach oben zeigt. Im Finale bekam er gegen Nijman aber keinen echten Zugriff mehr. Das 3:8 war deutlich – und es passte zu einem Endspiel, in dem Nijman wie der Spieler wirkte, der aktuell häufiger genau weiß, wann er anziehen muss.
Für Nijman war der Titel mehr als ein weiterer Eintrag in die Statistik. Er wurde der erste Spieler des Jahres 2026 mit mehreren European-Tour-Titeln und gehört nun endgültig zu den Namen, die man nicht mehr nur als Formspieler oder aufstrebenden Außenseiter behandeln kann.
Was bleibt also von Bratislava? Ein neuer Standort, der seine Premiere bestanden hat. Ein Tom Sykes, der als Qualifier bis ins Halbfinale spielte. Ein Rob Cross, der weiter Signale sendet, aber im Finale klar gestoppt wurde. Und vor allem ein Wessel Nijman, der die Slovak Darts Open nicht nur gewann, sondern mit seinem Auftritt deutlich machte: Diese Saison ist längst kein Lauf mehr. Sie ist ein echtes Statement. Nächster Halt: Leverkusen.









